SupermärkteARD-Enthüllung: Darum ist unser Obst und Gemüse so günstig

Das günstige Obst und Gemüse in deutschen Supermärkten bringt kein gutes Karma mit sich. Oft wird es unter menschenverachtenden Bedingungen produziert, auch wenn es aus Eu

ropa kommt.

In der ARD-Doku „Die Story im Ersten: Europas dreckige Ernte – das Leid hinter dem Geschäft mit Obst und Gemüse“ geht ein Recherche-Team der Frage nach, warum unser Obst und Gemüse im Supermarkt so günstig ist. Immer mehr Menschen kaufen ihre Lebensmittel bewusster ein und greifen statt zum Obst aus Südamerika lieber zu den Früchten aus Südeuropa. Aber ist das wirklich besser? Beim Gang durch die Frischeabteilung im Supermarkt fällt zumindest schnell auf, Obst und Gemüse aus Spanien und Italien ist besonders preiswert. Wie ist es möglich, dort so günstig zu produzieren?

 

Jeder deutsche Supermarkt betroffen

Es gibt nicht einen deutschen Supermarkt, der keine spanische Ware bezieht. In der andalusischen Provinz Almeria erstreckt sich die weltweit größte Gewächshausfläche mit ca. 130.000 Arbeitern auf mehr als 400 Quadratkilometern. Den Großteil der hier gesammelten Erträge expandiert Spanien nach Deutschland. Die Recherchen der ARD zeigen Vorort jedoch menschenverachtende Arbeitsbedingungen und eine sehr schlechte Lohnsituation. Menschen in Not, meist mittellose Flüchtlinge, werden durch sklavenähnliche Zustände als billige Arbeitskraft ausgenutzt.

Der größte Produtzent der Gegend ist die Genossenschaft Agrolros S.A.T.  und besteht aus 400 Bauern. Gegen die niedrigen Preise, die die Genossenschaft bedient, haben die kleineren Bauern keine Chance. Viele von ihnen hätten sich bereits aus Verzweiflung das Leben genommen, wie ein Bauer den Reportern erzählt.

 

Menschenverachtende Arbeitsbedingungen

SOC-SAT Gewerkschafter Jose Garcia Cuevas setzt sich für die vielen Erntehelfer ein und berichtet ebenfalls von sehr schlechten Zuständen. Die illegalen Migranten aus Afrika arbeiten schwarz für einen Bruchteil des normalen Lohns. Laut Tarifvertrag müsste ein Erntehelfer 50 Euro pro Tag verdienen, meistens ist es für die Migranten aber gerade mal die Hälfte. Die Bauern sammeln sie auf einem Arbeiterstrich ein und halten sie gut versteckt. Da die Arbeiter weder Papiere noch einen offiziellen Job besitzen, leben sie in Hütten, die sie aus Müll selbst zusammengebaut haben. Ganze Lager dieser Behausungen befinden sich an den Stadträndern. Hier leben sie ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Über die schlimmen Zustände in Almeria berichteten auch schon die ZEIT (2015) und Focus online (2011).

Im Interview mit den Reportern sieht die spanische Lokalpolitik das Problem nicht und hält 20 Kontrolleure für die über 17.000 Betriebe für angemessen. Auch der Handel in Deutschland guckt weg. Zudem lässt die EU Millionen an Agrarsubventionen ins System fließen, denn jeder Bauer in der EU erhält für jeden Hektar Land in seinem Besitz eine Zahlung.

Diese Probleme sind nicht neu und eine schnelle Lösung scheint es nicht zu geben. Als Verbraucher kann man nur noch mehr darauf achten lokale Waren zu konsumieren.

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