UN-StudieArtensterben: Menschheit zerstört 1 Millionen Tier- & Pflanzenarten

Einer UN-Studie zufolge ist der Mensch dafür verantwortlich, dass eine Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Die Zahlen der zerstörten Naturräume und Meere sind erschreckend. 

Inhalt
  1. Artensterben: Diese Tiere und Pflanzen sind bedroht
  2. Das sind die Gründe für das Artensterben
  3. Die Erde retten: Was gegen das Artensterben getan werden kann

Zum ersten Mal seit 14 Jahren haben Experten untersucht, wie es um unsere Artenvielfalt besteht. Der Weltbiodiversitätsrats IPBES (eine Organisation der Vereinten Nationen) legte am Montag (6.5.) eine globale Studie vor - mit düsteren Prognosen: Von den ursprünglich acht Millionen Tier- und Pflanzenarten, ist eine Millionen vom Aussterben bedroht. Das entspricht jeder achten Art. Schuld daran ist der Mensch, der die Natur in rasendem Tempo von der Erde vernichtet. Daran lässt der Bericht keinen Zweifel. 

 

Artensterben: Diese Tiere und Pflanzen sind bedroht

Für den Bericht haben 145 Wissenschaftler aus 50 Ländern über einen Zeitraum von drei Jahren unzählige Studien und Dokumente zusammengetragen. Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

  • Drei Viertel der Natur an Land (75 Prozent) und zwei Drittel der Meere (66 Prozent) wurden bereits durch den Menschen stark zerstört.
  • Die Hälfte aller Korallenriffe ist seit dem späten 19. Jahrhundert abgestorben. Ein Drittel kämpft ums Überleben.
  • Schwer bedrohte Tiere sind: Säugetiere, Insekten, Amphibien (Kröten, Fröschen und Molche) am schlechtesten. 40 Prozent drohen zu verschwinden. 
  • Etwa 500 000 Arten bezeichnen die Autoren als "dead species walking": Eingeschrumpfte Tier- und Pflanzenarten, die kaum noch eine Chance haben, sich zu erholen
  • Zwischen 2010 und 2015 wurden 32 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt (das entspricht ca. 44,8 Millionen Fußballfeldern); zwischen 1980 und 2000 sind es 100 Millionen Hektar (das entspricht ca. 140 Millionen Fußballfeldern) gewesen.

"Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst", heißt es in der Studie. Das Insektensterben bedroht unsere Nahrungsmittelproduktion. Jedoch seien laut der Forscher keine "globalen Trends bei den Insektenpopulationen" bekannt, aber von einigen Gebieten seien rasche Rückgänge dokumentiert.

Artensterben: Menschheit zerstört 1 Millionen Tier- & Pflanzenarten
Zu den bedrohten Arten gehören auch Korallenriffe, die nur noch zu Hälfte auf der Erde bestehen. Etwa ein Drittel kämpft ums Überleben.
Foto: iStock
 

Das sind die Gründe für das Artensterben

Die Wissenschaftler sehen zwei maßgebliche Faktoren als Ursache für das Artensterben:

  • Wachstum der Weltbevölkerung 
  • Das Streben nach grenzenlosem wirtschaftlichen Wachstum und dem damit verbundenen Klimawandel

 „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität", erklärte der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) Robert Watson. "Die Gesundheit der Ökosysteme, von denen wir und andere Spezies abhängen, verschlechtert sich schneller als je zuvor." Kurzum: Der Mensch vernichtet sich und die Erde selbst. Das zeige sich, so die Autoren, auch an der Zerstörung von Küstenlebensräumen wie Mangrovenwäldern. Sie sind die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen.

 

Die Erde retten: Was gegen das Artensterben getan werden kann

Es gibt Hoffnung - aber nur, wenn jetzt massiv etwas für die Umwelt getan wird. So könnte sich laut Autoren der Studie bis 2030 die Situation verbessern. Die internationale Zusammenarbeit der Staaten sei die Voraussetzung, so die Autoren, um das Aussterben der Arten schnellstmöglich zu stoppen. In dem Bericht fordern die Forscher unter anderem, dass bis 2020 umweltschädliche Praktiken in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie Umweltverschmutzung vermindert oder ganz gestoppt werden sollten. 

Günter Mitlacher, der bei der Umweltschutzorganisation WWF die Abteilung internationale Biodiversitätspolitik leitet, brachte es auf den Punkt: "Die Zeit läuft uns davon." 

Text: Bonnie Kruse

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