ArbeitsmarktBefristete Arbeit in Deutschland um eine Million gestiegen

Die Zahl der Befristungen steigt an: Arbeitsstellen sind immer häufiger befristet, wie das Statistische Bundesamt bekannt gibt.

Inhalt
  1. Knapp 9 Prozent aller Angestellten arbeiten befristet
  2. Befristete Arbeit ist eine "sozial gerechtfertigte Kündigung"
  3. Vor Fristablauf darf Angestellter in der Arbeitszeit zu Bewerbungsgesprächen gehen

Innerhalb der vergangenen 20 Jahre ist die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse in Deutschland um eine Million angestiegen. Im vergangenen Jahr waren rund 2,8 Millionen Arbeitsstellen befristet, wie das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linken im Bundestag veröffentlicht.

 

Knapp 9 Prozent aller Angestellten arbeiten befristet

Im Jahr 1996 waren 6,4 Prozent aller Beschäftigten befristet angestellt. Im Jahr 2006 arbeiteten schon 8,4 Prozent Menschen befristet. Seit 2006 schwankt die Anzahl befristeter Angestellter zwischen 8,4 und 8,9 Prozent.

Beim Statistischen Bundesamt hatte Sabine Zimmermann (Linke) angefragt. Sie spricht von "Befristungsirrsinn" und fordert die Abschaffung befristeter Verträge: "Eine neue Bundesregierung muss endlich das Befristungsproblem angehen und die sachgrundlose Befristung abschaffen", äußerte sich Zimmermann.

 

Befristete Arbeit ist eine "sozial gerechtfertigte Kündigung"

Die Arbeitsbefristung ist - wie die Kündigung - ein eigenständiger "Beendigungstatbestand" eines Arbeitsverhältnisses. In Deutschland ist es gestattet, neu eingestellte Mitarbeiter die ersten 2 Jahre zu befristen (z.B. bei Neueinstellung).

Befristete Arbeit gibt dem Arbeitnehmern die Möglichkeit, seinen Angestellten länger zu "testen", da die übliche Probezeit nur sechs Monate andauert. Zudem fällt unter die "befristete Arbeit" auch Vertretungsarbeit, wie etwa bei Elternzeit, Mutterschutz, einer projektbezogenen Arbeit oder der Arbeitsunfähigkeit eines bestehenden Mitarbeiters.

Befristete Arbeitnehmer werden häufig von Fortbildungen ausgeschlossen. Zudem haben befristet Angestellte geringere Chancen, in einem Unternehmen aufzusteigen. Auch erschwert ein befristeter Vertrag die Lebensplanung des Angestellten, der sich nicht auf einen sicheren Arbeitsplatz berufen kann.

 

Vor Fristablauf darf Angestellter in der Arbeitszeit zu Bewerbungsgesprächen gehen

Läuft der befristete Arbeitsvertrag aus, darf der Angestellte auch während der Arbeitszeit Bewerbungsgespräche in Konkurrenzunternehmen wahrnehmen: Bei einem 2-Jahresvertrag darf der Angestellte im letzten Monat vor Vertragsende diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, bei einem 5-Jahresvertrag sogar in den letzten 2 Monaten vor Fristende. Allerdings brauchen die Arbeitnehmer dafür die Zustimmung des Vorgesetzten und eine Freistellung für die betroffenen Zeiträume.

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