Jedes 5. Paar ist gefährdetBertelsmann-Stiftung: Armutsrisiko steigt für Familien mit jedem weiteren Kind

Können wir uns ein weiteres Kind überhaupt leisten? Diese Frage treibt immer mehr Eltern um. Zurecht, glaubt man der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, denn mit jedem weiteren Kind steigt das Armutsrisiko. 

Inhalt
  1. Familien wurden bisher reicher geschätzt, als sie sind
  2. Wer gilt in Deutschland als arm?
  3. Wie können Familien vor Armut geschützt werden?

Laut der Studie war 2015 jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind von Armut gefährdet, jedes sechste Paar (16 Prozent) mit zwei Kindern und jedes fünfte Paar (18 Prozent) mit drei Kindern. Das Armutsrisiko steigt also mit jedem Kind! Diese Zahlen weichen deutlich von denen ab, die jährlich im Familienreport der Bundesregierung veröffentlicht werden. Die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung liegen rund drei Prozentpunkte über den bisher ermittelten Werten. Besonders stark fällt der Unterschied bei Alleinerziehenden auf: Die Armutsgefährdungsquote liegt bei Ein-Eltern-Haushalten mit 68 Prozent rund 20 Prozent höher als in der offiziellen Statistik.

 

Familien wurden bisher reicher geschätzt, als sie sind

Die Forscher der Ruhr-Universität haben für die Studie der Bertelsmann-Stiftung eine neue Methode angewendet. Sie soll einen "realistischeren Blick auf die Einkommenssituation von Familien ermöglichen". Bisher seien die Einkommen armer Haushalte durch die Anwendung der sogenannten OECD-Skala systematisch überschätzt und die von reichen Familien unterschätzt worden. Ein Beispiel liefert die Studie gleich mit: 68 Prozent aller Alleinerziehden waren 2015 armutsgefährdet. Laut der OECD-Methodik liegt die Quote lediglich bei 46 Prozent. 

 

Wer gilt in Deutschland als arm?

Von Armut bedroht sind Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Bei 50 Prozent ist man offiziell arm. In Zahlen bedeutet das: Ein Single-Haushalt, der weniger als 892 Euro pro Monat zur Verfügung hat, gilt als arm. Bei Familien mit zwei Kindern liegt die Armutsgrenze laut Paritätischer Wohlfahrtsverband bei 1872 Euro pro Monat. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, wer einen Euro mehr zu Verfügung hat, gilt offiziell nicht mehr als arm. 

 

Wie können Familien vor Armut geschützt werden?

Die Bertelsmann-Stiftung macht sich seit Langem für eine radikale Neuausrichtung der Familienförderung in Deutschland stark.  Jörg Dräger, Stiftungsvorstand bei Bertelsmann, fordert daher die Einführung des sogenannten "Teilhabegeldes". Es sollte sowohl das Kindergeld als auch die bisherigen Leistungen der Sozialhilfe für Kinder ersetzen und gezielt arme Kinder und Jugendliche erreichen. Anders als das bisherige Kindergeld soll es jedoch nicht mehr unabhängig vom Einkommen an alle Eltern gezahlt werden, sondern nur solchen mit geringem Verdienst. Mit zunehmendem Einkommen soll auch das Kindergeld sinken. 

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert angesichts der alarmierenden Zahlen der Studie eine Grundsicherung, die das Existenzminimum von Kinder unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Familie, der Familienform (alleinerziehend oder nicht) und dem bisherigen Unterstützungsystem gewährleistet. 

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