ver.di kritisiertBiomärkte: Mitarbeiter klagen wegen Unterbezahlung und Überstunden

Biomärkte werben mit fair produzierten, ökologischen Lebensmitteln. Doch bei den Mitarbeitern trifft das nicht zu: Unterbezahlung, Überstunden und fehlende Betriebsräte sind ein Problem der Branche.

Biomärkte: Mitarbeiter oft unterbezahlt, Betriebsräte unerwünscht
denn's Biomarkt zählt zu den größten in Deutschland.
Foto: iStock

Biomärkte boomen: Im letzten Jahr wurden laut des Bundesverbands Naturkost Naturwaren 10 Milliarden Euro Umsatz mit Biolebensmitteln gemacht. Während die fair produziert sind, sieht es im Umgang mit den Mitarbeitern anders aus. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert schlechte Konditionen für die Mitarbeiter.

 

Mitarbeiter in Biomärkten: Wenig Urlaub, geringer Lohn

Der ver.di-Bundesfachgruppenleiter für den Einzelhandel, Orhan Akman, erklärte gegenüber ,Deutschlandfunk': „Wir haben enorme Arbeitsbelastungen wegen der Öffnungszeiten, weil viele Unternehmen bis in die Nachtstunden öffnen, wir haben immer größere Flächen und immer weniger Personal und dann auch immer weniger in Vollzeit." Außerdem kritisiere er, dass die Entscheidungskraft über Urlaub und Einsatzpläne allein bei den Arbeitgebern liege, wenn kein Betriebsrat vorhanden sei. 

Und das ist häufig der Fall. Aus diesem Grund wollten Mitarbeiter einer Alnatura-Filiale in Bremen, die zweitgrößte Biokette Deutschlands, 2015 einen Betriebsrat gründen. Der Grund: Unfaire Entlohnung und Überstunden. Doch Alnatura verwehrte das Vorhaben, hieß es von ehemaligen Mitarbeitern. Das Unternehmen selbst gab an, dass die Mehrheit der Beschäftigten in der Bremer Filiale keinen Betriebsrat wollten. Außerdem wies das Unternehmen alle Vorwürfe in einem öffentlichen Statement zurück. Bis heute gibt es nur einen Betriebsrat in Freiburg. Insgesamt hat die Biokette in Deutschland etwa 133 Geschäfte.

 

Biomarkt denn's bekommt ersten Betriebsrat

Zu den drei verkaufsstärksten und beliebtesten Biomärkten gehören denn's, Alnatura und Bio Company. Auch Marktführer denn's der Firma Dennree, steht in der Kritik. So wandten sich nach Informationen der ,Zeit' vor über einem Jahr Mitarbeiter an die Gewerkschaft ver.di und hätten unter anderem von unbezahlten Überstunden sowie schlechter Bezahlung berichtet. Bisher hatte die Biomarktkette keinen Betriebsrat, doch das ändert sich ab Mai 2019. Für den Lagerstandort in Töpen wird einer gewählt.

Und auch die drittgrößte Kette, Bio Company, reagierte, nachdem ver.di bereits 2012 die schlechte Bezahlung der Mitarbeiter kritisiert hatte: Ein einberufener Betriebsrat wirkt seitdem jedes Jahr an einer Betriebsvereinbarung mit, die die Bezahlung der Mitarbeiter regelt.

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