Ihr Vater erschoss ihre MutterBrüder schreiben Brief ans Jugendamt weil sie nicht ins Heim wollen

In nur wenigen Minuten änderte sich ihr ganzes Leben: Als ihr Vater ihre Mutter erschoss, verloren die beiden Brüder Emilios (13) und Adam (12, Namen von der Redaktion geändert) ihre Familie. Jetzt kämpfen sie darum, nicht ins Heim zu müssen. 

Am 15. September 2016 stiegt Tanja S. in ihren Wagen und wollte zur Arbeit fahren. Vor dem Haus lauert ihr Ex-Mann Georgios S. und feuert mit einem Schrotgewehr drei Schüsse auf die zweifache Mutter ab, die ihn verlassen hatte und für die beiden gemeinsamen Söhne das Sorgerecht beantragt hatte. Ein Gericht hat Georgios S. wegen Mordes verurteilt, obwohl er bis heute seine Unschuld beteuert. Doch nicht einmal seine eigenen Söhne glauben ihm: "Unsere Mutter wurde von unserem Vater vor unserer Haustür erschossen", schreibt der ältere Sohn in einem Brief an die "Bild"-Zeitung. 

 

Die Brüder schildern in einem Brief ihre Verzweiflung

Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter und der Verhaftung ihres Vaters wurden die Brüder von der Polizei abgeholt. Das Jugendamt sagte ihnen, was passiert war. Wenig später wurden sie in eine Pflegefamilie gesteckt. Doch dort wollten sie nicht bleiben. Sie liefen weg und fuhren mit Bus und Bahn zum Lebensgefährten ihrer toten Mutter, Holger Schmidt.

"Nachdem die Kinder abgehauen waren, lebten wir in ihrem Elternhaus mit der Oma zusammen. Aber mit ihr gab es immer wieder Streit", sagt der Stiefvater der beiden, der ein Jahr lang mit Tanja S. zusammen war. Emilios und Adam mussten daraufhin für drei Monate in eine psychiatrische Klinik für Kinder. "Als der vom Gericht eingesetzte Vormund entschied, dass die Jungs von dort aus in ein Heim gebracht werden sollen, liefen sie erneut weg und kamen wieder zu mir."

 

Amt will sie in eine Pflegefamilie stecken

Holger Schmidt lebt mittlerweile mit seiner neuen Lebensgefährtin Inga in Schleswig-Holstein. Emilios und Adam dürfen bei ihnen bleiben - bisher, doch das könnte sich jetzt ändern. Denn in einem Gutachten heißt es, die Kinder würden durch den Verbleib bei ihrem Stiefvater "ihre vollständige Herkunftsfamilie mit höchster Wahrscheinlichkeit verlieren, was wiederum zu einer Abspaltung ihrer Identität führen muss".  Die Gutachterin empfiehlt daher eine Pflegefamilie.

"Es ist seit eineinhalb Jahren konstanter Wille der Kinder, bei Herrn Schmidt zu bleiben", versichert deren Anwalt Phillip Pröbsting. "Aber ich fürchte leider, dass das Gericht dem Gutachten folgen wird."

Der Abschlussbericht der psychiatrischen Klinik, in der Emilios und Adam drei Monate verbracht haben, widerspricht dem Gutachten entschieden. "Unseres Erachtens ist die Entscheidung nicht am Kindeswohl orientiert." Die Klinik fordert daher, die Kinder bei Stiefvater Holger Schmidt zu lassen. 

Und das ist auch der sehnlichste Wunsch von Emilios und Adam: "Wir haben schon Mama verloren, wir wollen nicht auch noch Holger und Inga verlieren. Wir haben sie lieb und sie lieben uns auch. Wir wollen endlich wieder ein normales Leben haben."

Weiterlesen: 

Kleine Tochter von Ski-Star Bode Miller im Pool ertrunken

Nürnberg: Tödliches Familiendrama zwischen Mutter und Sohn

Familiendrama: Wenn Eltern ihre Kinder töten

Kategorien: