ForschungBrustkrebs-Früherkennung durch Bluttest möglich - oder doch nicht?

Meilenstein in der Früherkennung von Brustkrebs, so wurde es angekündigt. Mit einem großen PR-Event gaben Forscher der Uniklinik Heidelberg an, einen Bluttest entwickelt zu haben, der Brustkrebs erkennen kann. Doch nun stehen genau diese Forscher in der Kritik, denn offfenbar ist er weder marktreif noch von den Forschern entwickelt worden.

Inhalt
  1. Bluttest wirkte wie die Revolution in der Krebsfrüherkennung
  2. Bluttest ist noch nicht marktreif
  3. Die Forscher Sohn und Scott ernteten falschen Ruhm
  4. Blamage für die deutsche Forschung

Die Nachricht war die Sensation im Februar 2019: Forscher der Uniklinik Heidelberg verkündeten mit dem sogenannten "Heiscreen" einen Bluttest entwickelt zu haben, der frühzeitig Brustkrebs im Blut nachweisen kann. Doch der Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung ist noch gar nicht marktreif und wurde auch nicht von den Forschern entwickelt, die sich dafür feiern ließen - ein riesiger Skandal der sogar zum Thema des Wissenschaftsausschusses in Baden-Württemberg wurde.

 

Bluttest wirkte wie die Revolution in der Krebsfrüherkennung

Die Wissenschaftler Sohn und Scott gaben an, einen Bluttest entwickelt zu haben, der Brustkrebs in einem frühen Stadium erkennen sollte. Vor allem bei jungen Frauen wurde der Test als extrem zuverlässig angepriesen: Er reagiert besonders bei Frauen unter 50 Jahren sehr sensitiv, hat hier eine Treffsicherheit von 86 Prozent", erklärte Professor Sohn im Interview mit der Bild. Die Genauigkeit sei damit vergleichbar mit der Diagnose durch einer Mammografie, aber er ist mit deutlich weniger Aufwand verbunden und der Körper wird nicht durch die Röntgenstrahlen belastet.

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Bluttest ist noch nicht marktreif

Bei solch eine bahnbrechenden medizinischen Sensation überschlugen sich die Medien natürlich mit Nachrichten über die angebliche Revolution in der Krebsfrüherkennung – doch dann stellte sich heraus, dass der Bluttest noch gar nicht marktreif war. Schlimmer noch: Laut der Süddeutschen Zeitung soll es bisher noch nicht einmal einen Prototypen geben. Und auch die Uniklinik Heidelberg räumte anschließend ein: Es existiere noch kein Testkit, der so weit entwickelt ist, dass er reif für den Markt ist.

Die Firma Heiscreen, dei den Test produziert, widersprach dem zwar und behauptete, es gäbe bereits einen Bluttest für Brustkrebs, aber das Ganze wirkt doch sehr dubios.

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Die Forscher Sohn und Scott ernteten falschen Ruhm

Hinzu kommt: Die Wissenschaftler Sohn und Scott ließen sich für die Entwicklung des Tests zur Früherkennung feiern. Eigentlich wurde der Bluttest jedoch von der chinesischen Wissenschaftlerin Rongxi Yang entwickelt, die in Sohns Team arbeitete. 2017 soll sie sich aber aus der Forschung herausgedrängt gefühlt haben und sie hing zurück nach China.

 

Blamage für die deutsche Forschung

Das gesamte Vortäuschen falscher Tatsachen wirft riesige Schatten auf die deutsche Forschung. Das Wirrwarr um den Bluttest soll deshalb nun auch ernsthafte Konsequenzen haben: Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat sich gerade erst in einem Ausschuss mit diesem Thema befasst hat. Laut Bauer müsse die Öffentlichkeit vernünftig über den Vorfall aufgeklärt werden und die Affäre müsse Konsequenzen nach sich ziehen.

Wir hoffen natürlich trotzdem, dass der Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs keine abstrakte Wunschvorstellung ist, sondern tatsächlich bald in den Einsatz kommen kann.

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