Österreich

Cannabis zur Arzneipflanze des Jahres 2018 ernannt

Cannabis wurde zur österreichischen Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt. Hanf wird zur Krebsbehandlung, Schmerzlinderung und Muskelentspannung verschrieben.

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Während in Deutschland die erkältungsmildernde Pflanze Andorn zur Heilpflanze des Jahres 2018 ernannt wurde, wählte die österreichische Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA), ein wissenschaftliches Netzwerk im Bereich pflanzlicher Arzneimittel, Cannabis zur Heilpflanze des Jahres 2018.

Auswahlkriterien für die Ernennung einer Pflanze sind neue Studien, die wirtschaftliche Bedeutung und der Bezug zu Österreich. In Österreich sind Zubereitungen aus Cannabisextrakten laut § 14 Ziffer 3 der Suchtgiftverordnung ärztlich verschreibbar.

Auch in Belgien, den Niederlanden, in Spanien, Italien, Finnland, Portugal, der Tschechischen Republik, Israel, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und 20 US-Staaten können Cannabis oder seine Wirkstoffe medizinisch genutzt werden.

Österreich: Cannabis zur Arzneinpflanze des Jahres 2018 ernannt
Cannabis ist eine Gattung in der Familie der Hanfgewächse. Es zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Foto: iStock

Aus den Stängel-Fasern der Cannabis-Pflanze können Seile hergestellt werden, aus den Hanfsamen Speiseöl und aus destillierten Blättern und Blüten kann ätherisches Öl gewonnen werden. Auch zur Dämmung von Häusern kann Hanf verwendet werden, sowie als Hanf-Papier (übrigens die erste Verwendung von Papier überhaupt, vor über 2100 Jahren in China). Zudem kann aus Cannabis Kleidung hergestellt werden, ebenso wie Verbandstoffe.

Cannabis: THC und CBD heilen

Am bekanntesten ist Hanf als Nahrungs-, Rausch- und zu guter letzt auch Arzneimittel - denn Cannabis enthält über 400 Inhaltsstoffe, die derzeit erforscht werden. Vor allem zwei Wirkstoffe werden untrer die Lupe genommen:

  • Der psychoaktive Cannabis-Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) wird bei der Krebsbehandlung eingesetzt. THC hilft nachweislich gegen Übelkeit und steigert den Appetit (z.B auch bei Magersucht einsetzbar). Zudem kann THC Schmerzen lindern und die Muskeln entspannen. In den USA wird Cannabis schon seit den 1990er Jahren gegen schmerzhafte Spastik und Multiple Sklerose eingesetzt.
  • Der kaum psychoaktive Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) hilft bei frühkindlicher Epilepsie und Schizophrenie. Zudem wird CBD auch bei Knochenmarktransplantationen eingesetzt, sobald eine Spender-gegen-Empfänger-Reaktion auftritt. Im Jahr 2019 kommt in Österreich das erste Medikament mit dem CBD-Wirkstoff auf den Markt.

Jüngst hat eine Studie der Universität Bonn und der Hebräischen Universität Jerusalem gezeigt, dass geringe Mengen THC den natürlichen Alterungsprozess des Gehirns verlangsamen.

Cannabis Hanf: Medikament
Im Hanf steckt die psychoaktive Substanz THC (Tetrahydrocannabinol), sowie die kaum psychoaktive Substanz Cannabidiol (CBD) Foto: iStock

183 Mio. Menschen konsumieren Cannabis

Die getrockneten Blütentrauben der weiblichen Cannabis-Pflanze - Marihuana ("Gras") genannt - sind ein Rauschmittel (wegen des THC).

In Deutschland ist Marihuana verboten - und ist somit die häufigste konsumierte illegale Droge. Laut dem Weltdrogenbericht 2017 konsumieren weltweit rund 183 Millionen Menschen Cannabis als Rauschmittel. Die Hauptexportländer der Cannabis-Droge sind Marokko und Afghanistan. Der Anbau von Hanf im Freiland ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten.

In der Europäischen Union (EU) ist eins der Zuchtziele, Cannabis mit einem möglichst geringen THC-Anteil (weniger als 0,2 Prozent THC) zu züchten, um die psychoaktive Wirkung zu vermindern.

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