EuroCent-Münzen: Italien schafft sie als nächstes ab!

Euro: Italien schafft Cent-Münzen ab
Immer mehr Euro-Länder schaffen kleines Rotgeld ab
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Inhalt
  1. Zu hohe Herstellungskosten von 1- und 2-Cent-Münzen
  2. Will Deutschland die Cent-Produktion auch einstellen?
  3. Teufelskreis der Cent-Stücke

Italien stellt ab Januar 2018 die Ausgabe von 1- und 2-Cent-Münzen ein. Damit ist Italien bereits das fünfte (!) Euro-Land, dass die Cent-Produktion stoppt.

Das europäische Rotgeld besteht aus Eisen (94,35 %) und Kupfer (Ummantelung; 5,65 %). Der Zweck dahinter scheint ganz einleuchtend: Die Legierungen der Münzen sollten

  • nicht rostempfindlich sein
  • sich wenig abnutzen
  • und bei Hautkontakt keine Allergien auslösen.
  • Natürlich sollte der Metallwert der Münze unter dem Nennwert der Münze liegen (damit ja niemand auf die Idee kommt, sie einzuschmelzen und für einen höheren Betrag weiter zu verkaufen).

Die Rostresistenz kriegen die Münzen tatsächlich ganz gut hin. Blöd nur, dass die restlichen schönen Vorhaben in der Realität ganz anders aussehen. Aufgrund ihres hohen Nickelgehalts haben 1- und 2-Euromünzen ein hohes Allergiepotential. Vor allem bei Kontakt mit menschlichem Schweiß überschreitet der giftige Stoff den Grenzwert, den die Europäische Direktive 94/27/EEC für Nickel festgesetzt hat, sogar um das 320-fache! Experten schätzen, dass allein in Deutschland rund 17 Prozent aller Frauen und Männer unter einer Nickelallergie leiden.

 

Zu hohe Herstellungskosten von 1- und 2-Cent-Münzen

Wenn man den Metallwert der Münze mit ihrem Nennwert vergleicht, stellt man zwar fest, dass die Münze tatsächlich mehr wert ist als das pure Metall. Blöd nur, dass bei dem Plan die Produktions- und Transportkosten des Kleingelds nicht bedacht wurden. So kostet die Produktion eines 1-Cent-Stücks etwa 1,65 Euro, wie Irland einst berechnet hat.

Die Herstellungskosten von 1- und 2-Cent-Münzen sind anscheinend zu kostspielig für den Handel. Diesen "Fehler" haben einige Euro-Länder schon längst erkannt und die Produktion der Münzen eingestellt: die Niederlande im Jahr 2004, Irland seit 2015 und Belgien seit 2014. Finnland hat schon direkt mit der Euro-Einführung 2002 auf die 1- und 2-Cent-Produktion verzichtet.

Nun will das nächste Euro-Land die Cent-Produktion stoppen: Italien. Ab dem 1. Januar 2018 will das südeuropäische Land keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr prägen, wie die zuständige Kommission der Abgeordnetenkammer entschied. Der Vorschlag kam von der Demokratischen Partei (Partito Democratico, PD). Dabei ist Italien das bislang größte Land, das diesen Schritt wagt. Zugleich gilt Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Länder, die keine 1- und 2-Cent-Münzen produzieren, runden die Beträge im Handel auf oder ab - auf den nächsten durch 5 Cent teilbaren Wert. Wer in Belgien, den Niederlanden, Irland, Finnland und bald auch Italien dennoch mit 1- und 2-Cent-Münzen zahlen möchte, kann es denn och tun. Da der Euro ein gesamteuropäisches, gesetzliches Zahlungsmittel ist, müssen die Händler das Kleingeld aber trotzdem annehmen (allerdings maximal 50 Stück).

 

Will Deutschland die Cent-Produktion auch einstellen?

Die Geldproduktion der Euro-Länder ist Ländersache. So kam in Deutschland schon 2015 die Debatte auf, die kleinsten Kupfer-Euro-Cents abzuschaffen. Umfragen ergaben damals, dass sie Mehrheit der Bevölkerung (rund 61 %) den Produktionsstopp gutheißen würde. Auch die EU-Kommission hat im Jahr 2013 über die generelle Abschaffung der 1- und 2-Cent-Stücke debattiert. Passiert ist allerdings nichts. Stattdessen kamen Vorschläge, die Materialmischung günstiger zu gestalten oder das Prägungsverfahren zu verändern, um die Herstellungskosten zu minimieren. Auch diese Vorschläge wurden nicht weiter verfolgt. Zu unklar schien es den Verantwortlichen, ob die Abschaffung der Mini-Münzen tatsächlich von Vorteil wäre.

Am Sinn der kleinsten Cent-Beträge zweifeln derweil sogar Bundesbank-Experten. Die winzigen Geldstücke würden beim Bezahlen kaum verwendet werden, dienen in der Regel nur als Wechselgeld an der Kasse. Für 1 Cent oder 2 Cent kann man schon lange nichts mehr erwerben. Das Urteil der Experten: Eine Abschaffung würde den Zahlungsverkehr effizienter machen. Allerdings muss man dazu sagen, dass sich die meisten Bank-Experten für die Abschaffung des kompletten Bargelds aussprechen (weshalb der 500-Euro-Schein nun  europaweit abgeschafft wird).

Kritik gegen die Abschaffung hagelt es in Deutschland vor allem seitens der Händler. Sie glauben, die Kaufentscheidung der Kunden hänge vom genauen Cent-Betrag ab. Ob Milch 64 oder 69 Cent kostet, würde der Kunde schon gerne wissen.

 

Teufelskreis der Cent-Stücke

Dabei tragen die Deutschen das verteufelte Kleingeld nur selten mit sich herum - schließlich wiegen schon 42 Cent so viel wie eine Tafel Schokolade. Also werden sie zu Hause aussortiert, kommen ins Sparschwein oder Marmeladenglas und führen im Endeffekt dazu, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 175 der 1- und 2-Cent-Münzen besitzt. Blöd nur, dass das zu einem Teufelskreis führt: Je mehr Kupfermünzen im Verkehr fehlen, desto mehr werden nachproduziert. So kommt es, dass die 1- und 2-Cent-Münzen in größter Auflage produziert werden: Während "nur" 5,2 Milliarden 2-Euro-Münzen und 6,6 Milliarden 1-Euro-Münzen im Umlauf sind (Stand: 2014), gibt es rund 31 Milliarden 1-Cent-Münzen und 24 Milliarden 2-Cent-Münzen (Stand: 2016)!

 

(ww7)

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