LebensmitteltricksereienClean Labels: Sind diese Lebensmittel wirklich frei von Zusatzstoffen?

Clean Labels oder auch saubere Etiketten versprechen dem Verbraucher Produkte, die frei von speziellen Zusatzstoffen sind. Aber kann man diesen Etiketten wirklich trauen?

Inhalt
  1. Ohne Geschmacksverstärker
  2. Frei von Farbstoffen
  3. Ohne künstliche Aromastoffe
  4. Frei von Konservierungsstoffen
  5. Ohne xy laut Gesetz
  6. Das Wundermittel Milch

 

Durch Clean Labels, zu Deutsch saubere Etiketten, werden Lebensmittel deklariert, die auf künstliche Geschmacksverstärker, Konservierungs- und Farbstoffe verzichten. Aber sind diese Lebensmittel wirklich gesunder, besser und natürlicher und vor allem komplett ohne Zusatzstoffe?

Die Wahrheit ist: Leider handelt es sich hierbei zumeist nur um einen Marketingtrick, um den Verbraucher zu täuschen.
Gerne werden diese Clean Labels als Häkchenliste gut sichtbar auf den Produkten platziert, aber was meint eigentlich ‚frei von ….‘? Einige Hersteller werben also nur noch damit, was nicht drin ist und nicht mehr, welche Zusätze wirklich enthalten sind.

 

Ohne Geschmacksverstärker

Wir wollen es alle gerne glauben, aber die Geschmacksverstärker in den Lebensmittel werden durch scheinbar unverdächtige Zutaten mit vergleichbarer Wirkung ersetzt.

Verwendet werden also Hefeextrakt, Sojaproteine und Maisproteinhydrolysat, welche ebenfalls natürliches Glutamat enthalten.

Ist Hefeextrakt wirklich gesünder als Glutamat?​

 

Frei von Farbstoffen

Auch wenn dein Kirschjoghurt so eine tolle Färbung hat, müssen wir dich leider enttäuschen: Auch dieser wird Farbstoffe auf natürlicher Basis enthalten.

Durch Konzentrate oder Pulver aus Obst und Gemüse gelingt eine tolle Farbe, ohne das Produkt mit einer E-Nummer kennzeichen zu müssen. Der Grund: Diese Konzentrate gelten nicht als Zusatz sondern als Zutat und müssen daher nicht als Farbstoff deklariert werden.

 

Ohne künstliche Aromastoffe

Hier trügt ebenfalls der Schein. Bei Produkten ohne künstliche Aromastoffe werden Geschmacksstoffe genutzt, die der Gesetzgeber als nicht künstlich definiert.

Dabei stammen diese dennoch aus dem Labor und werden auch aus natürlichen Ausgangsstoffen gewonnen, nur oftmals nicht aus dem Stoff, nach dem es schmeckt. Neben Lebensmitteln werden also auch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen zur Aromagewinnung genutzt.

 

Frei von Konservierungsstoffen

Produkte mit der Deklaration ‚frei von Konservierungsstoffen‘ enthalten trotzdem Säuerungsmittel oder Antioxidationsmittel, denen man eine konservierende Wirkung nachsagt.

Viele Ersatzstoffe müssen in den Zusatzstofflisten gar nicht deklariert werden. 
Foto: iStock
 

Ohne xy laut Gesetz

Leider ist diese Aussage irreführend, denn bei solchen Produkten sind die Zusatzstoffe laut Gesetz bereits verboten. Der Hersteller macht sich also dabei eine Selbstverständlichkeit zu Nutze und wirbt damit.

Der Grund: §11 des Lebensmittelgesetzbuches verbietet, Lebensmittel mit irreführender Werbung zu verkaufen. Mit der Deklaration ‚ohne xy laut Gesetz‘ können sie das Verbot der Irreführung umgehen.

 

Das Wundermittel Milch

Der Rohstoff Milch erweckt beim Verbraucher meist einen gesunden und natürlichen Eindruck.

Durch chemische Bearbeitungen kann man jedoch aus ihr Emulgatoren, Stabilisatoren, Schaumbildner und Gelbinder erzeugt, die ausschließlich mit ‚Milcheiweißerzeugnis‘ deklariert werden müssen. Außerdem werden Milchsäurebakterien genutzt, um den Geschmack und die Haltbarkeit zu erhalten oder um Produkte zu konservieren. Diese Bakterien tauchen auf der Zusatzliste gar nicht auf.

Also Achtung, viele saubere Etiketten sind nur eine Mogelpackung und sollen ein Produkt nur hochwertiger erscheinen lassen. Einzelne Menschen, die unter Asthma oder Neurodermitis leiden, können auf diese Ersatzstoffe empfindlich reagieren.
 

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