Lauterbach empört

Corona-Hammer: Briten dürfen trotz Delta-Explosion durch Europa reisen!

Sollten die Briten davon abgehalten werden, in Europa Urlaub zu machen? Angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante fordert Gesundheitsexperte Karl Lauterbach „harte EU-weite Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien“.  

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In Deutschland und großen Teilen Europas flacht die dritte Corona-Welle ab. Weniger Neuinfektionen führen zu spürbaren Lockerungen. Immer weniger Länder gelten in Deutschland als Corona-Risikogebiete und können als Reiseziele für den Sommerurlaub 2021 gebucht werden. 
Genau hier sehen Experten ein Problem. Denn auch Urlaubswillige aus Großbritannien dürfen durch die EU reisen – obwohl in England derzeit die Delta-Variante des Coronavirus’ für steigende Infektionszahlen sorgt. 

Karl Lauterbach warnt vor Delta-Variante aus Großbritannien

„Angesichts der dramatischen Corona-Entwicklung im Vereinten Königreich mitten in der Hauptreisesaison wäre ein Reise-Embargo aus dem Vereinigten Königreich nach Europa ratsam“, erklärte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Interview mit der „Bild“-Zeitung. „Es ist komplett unverständlich, warum es keine harten EU-weiten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien gibt.“  

Corona in England: Infektionsgeschehen nimmt Fahrt auf

In Großbritannien verschlechtert sich die Lage zusehends: Am Samstag (26. Juni) lag die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei 18.270 neuen Fällen – so viele wie seit Anfang Februar nicht mehr. Vor Ort dominiert die Delta-Variante inzwischen das Infektionsgeschehen und macht über 90% aller COVID-19-Infektionen aus. 

Englands 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell über 100. Zum Vergleich: In Deutschland meldet das RKI am 28. Juni einen Wert von 5,6. 

Corona-Mutation: Symptome der neuen Delta-Variante!

Chaos um Reisebeschränkungen

Knackpunkt der Diskussion sind die derzeit extrem ungleichen Reisebeschränkungen. Auf der einen Seite gilt Großbritannien in Deutschland als Virusvariantengebiet. In der Folge dürfen lediglich deutsche Staatsangehörige oder Menschen mit Wohnsitz in Deutschland aus Großbritannien einreisen. Dabei besteht eine 14-tägige Quarantänepflicht, die nicht vorzeitig beendet werden kann. 

Auf der anderen Seite führt die britische Regierung eine so genannte grüne Liste mit Gebieten, die ohne Quarantäneregelungen bereist werden dürfen. Auf dieser grünen Liste stehen unter anderem die Balearen (Spanien) – mit den Inseln Formentera, Ibiza, Mallorca und Menorca –, Malta und Madeira (Portugal). Diese Gebiete sind Teil der Europäischen Union und dürfen auch von Deutschland aus besucht werden. 

Diese Schnittpunkte könnten dazu führen, dass sich die Delta-Variante im Sommer leichter verbreitet. 

Risikofaktor Corona-Impfung

Zumal die Impfquote in Deutschland längst nicht so hoch ist, dass man von einer Herdenimmunität sprechen könnte. In Deutschland sind gerade einmal 53,3% der Bevölkerung zum ersten Mal und 34,8% zum zweiten Mal geimpft (Stand 26.06.) – viel zu wenig, um die Delta-Variante erfolgreich in Schach zu halten. 

Karl Lauterbach fordert deswegen strengere Reisebeschränkungen. „Das Mindeste wäre eine 10-tägige Quarantäne mit erstem Test nach fünf Tagen für Briten in allen EU-Ländern“, so der Experte. „Es kann nicht sein, dass in der letzten Phase vor der Impfung noch ganz Europa im Urlaub der Delta-Variante aus England ausgesetzt wird!“

Corona-Mutation: Neue Warnung wegen rasanter Ausbreitung der Delta-Variante

Corona-Impfung auch für Kinder

Was die Delta-Variante betrifft, warnt Karl Lauterbach übrigens nicht nur vor Urlaub machenden Briten in der EU. Der Gesundheitsökonom spricht sich dafür aus, hierzulande auch Kinder gezielt zu impfen, um sie vor der Mutation zu schützen. „Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, sagte Lauterbach im Gespräch mit der „Rheinischen Post“

Der Anteil, den die Delta-Variante unter den Gesamtinfektionen in Deutschland ausmacht, wächst von Woche zu Woche. In KW 20 (17. bis 23. Mai) waren lediglich 3,1% der Neuinfektionen Delta-Fälle, in KW 23 (7. bis 13. Juni) schon 15,1%. Das geht aus dem aktuellen „Bericht zu Virusvarianten voN SARS-CoV-2 in Deutschland“ des RKI hervor. 

Der Anteil, den die Delta-Variante unter den Gesamtinfektionen in Deutschland ausmacht, wächst von Woche zu Woche. In KW 20 (17. bis 23. Mai) waren lediglich 3,1% der Neuinfektionen Delta-Fälle, in KW 23 (7. bis 13. Juni) schon 15,1%. Das geht aus dem aktuellen„Bericht zu Virusvarianten voN SARS-CoV-2 in Deutschland“des RKI hervor.

Die Delta-Variante ist aber nicht nur ansteckender als die anderen Mutanten, sondern führe auch häufiger zu Klinikeinweisungen. „Das Robert-Koch-Institut geht von einer Hospitalisierungsquote von 11 Prozent aus, das ist doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante. Gerade bei Jüngeren ist der Unterschied groß, damit wird die Delta-Variante vor allem für Kinder zu Problem“, mahnt Lauterbach. 

Es bleibt abzuwarten, ob Deutschland den Kampf gegen die Delta-Variante gewinnt. Die kommende Reisesaison wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. 

Foto: iStock / jarun011

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