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Corona: Zahl der Impfungen so niedrig wie Februar!

Obwohl es inzwischen mehr als genug Corona-Impfstoff gibt, lassen sich immer weniger Menschen immunisieren. Die Diskussion um die Impfmüdigkeit in Deutschland bringt das Thema Einschränkungen für Ungeimpfte auf. 

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Die deutsche Impfkampagne startete im Dezember 2020 und lief schleppend an. Extremer Impfstoffmangel sorgte in den ersten Monaten dafür, dass bei weitem nicht jede*r Impfwillige immunisiert werden konnte. Inzwischen gibt es Impfstoff en masse und trotzdem gehen immer weniger Menschen zur Erstimpfung. 

Zahl der Impfungen so niedrig wie Februar

Am Sonntag (25. Juli) ließen sich laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums 30.671 Bundesbürger:innen zum ersten Mal gegen Corona impfen. Das entspricht dem geringsten Tageswert seit Februar – damals herrschte allerdings krasser Impfstoffmangel. Aktuell schätzen Experten, dass mehr als 15 Millionen Impfdosen ungenutzt zum Verimpfen bereitstehen. 

88.705 Personen erhielten am 25. Juli ihre Zweitimpfung, was eine Gesamtzahl von 119.376 Impfdosen ergibt. Zum Vergleich: Den Höchstwert an Impfungen erzielte Deutschland am 9. Juni 2021 mit insgesamt 1.416.949 Dosen. Seit über 30 Tagen fällt der Sieben-Tage-Durchschnitt aller Impfungen: von zwischenzeitlich 844.000 Erst- und Zweitimpfungen pro Tag auf aktuell unter 450.000.

Herdenimmunität scheint unerreichbar

Zu Beginn der Impfkampagne hieß es, Deutschland müsse eine Impfquote um die 70% erreichen, damit die Herdenimmunität die Pandemie eindämmen könne. Inzwischen haben Experten diesen Wert nach oben korrigiert: Das Robert Koch-Institut schätzt, dass mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der mindestens 60-Jährigen vollständig geimpft sein müssten. 

Aktuell haben allerdings lediglich 50.643.772 Personen (60,9 % der Gesamt­bevölkerung) mindestens eine Impf­dosis erhalten, während 41.073.682 Personen (49,4 %) vollständig geimpft sind. Das Problem: Zeitgleich zur Impfmüdigkeit in Deutschland breitet sich die hochansteckende Delta-Variante immer schneller aus und treibt das Infektionsgeschehen nach oben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt für den Herbst sogar Inzidenzwerte um 800 voraus. 

Einschränkungen für Ungeimpfte?

In die Diskussion um die ins Stocken geratene Impfkampagne mischen sich immer mehr Stimmen, die Sonderrechte für Geimpfte beziehungsweise Einschränkungen für Ungeimpfte fordern. 

Thomas Fischbach, der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, brachte laut „tagesschau.de“ „kein Urlaub ohne Quarantäne, kein Theater-Besuch ohne PCR-Test“ ins Spiel. Er glaubt, „dass am Ende Kinder und Jugendliche wieder die Fußabtreter sind“, wenn sich nicht endlich mehr Erwachsene in Deutschland impfen lassen und so die Zahl der Neuinfektionen drücken.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) betonte gegenüber dem „RND“, Ungeimpfte könnten in Zukunft keine Gleichstellung mit vollständig Geimpften mehr erwarten.
„Von vollständig Geimpften geht eine wesentlich geringere Ansteckungsgefahr aus als von Nichtgeimpften. Man kann daher von ihnen auf Dauer nicht die gleichen Einschränkungen erwarten“, so der Politiker. „Dann wird es so sein, dass Impfverweigerer mehr Einschränkungen haben: Sie müssen zum Beispiel für Schnelltests zahlen oder können nicht an jeder Veranstaltung teilnehmen. Es kann nicht sein, dass sich für Geimpfte nichts ändert, nur weil die Gesellschaft dauerhaft Rücksicht auf die Verweigerer nehmen muss.“  

Ulrich Weigeldt, der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, drängt indes darauf, die Diskussion zielführender zu gestalten. „Ich vermisse in Deutschland eine Kommunikation, die motiviert durch positive Botschaften und nicht immer nur auf Katastrophenalarm setzt“, sagte Weigeldt ebenfalls gegenüber dem „RND“.   

Wann ist Corona endlich vorbei?

Kommt die Impfpflicht in Deutschland?

Droht Deutschland eine Impfpflicht, wenn die Corona-Zahlen weiterhin steigen, während die Impfquote sinkt? Nicht, wenn es nach NRWs Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) geht. Der Kanzlerkandidat sprach sich im „ZDF-Sommerinterview“ sowohl gegen eine Impfpflicht als auch gegen Einschränkungen für Ungeimpfte aus: „Ich halte nichts von einer Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen.“ Die Politik müsse Menschen „freiwillig und mit Anreizen, aber nicht mit Zwang“ zum Impfen bewegen. 

Artikelbild und Social Media: iStock/Lacheev

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