DänemarkDänemark: Kitapflicht für sozial benachteiligte Kinder - gilt das auch bald für Deutschland?

Kinder aus sozialbenachteiligten Haushalten in Dänemark sollen ab dem ersten Lebensjahr eine Kita besuchen müssen. Die neue Regelung gilt ab Mai 2019 und ist Teil eines Programms, mit dem die Regierung die negative Entwicklung bestimmter Gebiete aufhalten will.

Rund 700 Kinder ab dem ersten Lebensjahr aus Dänemark müssen ab Mai 2019 für mindestens 25 Stunden pro Woche die Kita besuchen. Die Eltern müssen nichts bezahlen, ihnen droht aber eine Kürzung des Kindergelds, sofern sie die Initiative ablehnen. Die Parteien der Mitte-Rechts-Regierung sprachen sich für die neue Regelung aus, damit sozial benachteiligte Kinder ab ihrem ersten Lebensjahr Sprachkompetenzen lernen. Zudem sollen sie Wissen über Demokratie und dänische Feiertage wie Weihnachten und Ostern angeeignet bekommen. Die Kinder kommen laut Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen aus 22 "Gettos", der damit Wohngegenden meint, die aus mehr als 50 Prozent Bewohnern aus nicht-westlichen Ländern bestehen sowie mehr als 40 Prozent Arbeitslosigkeit und eine erhöhte Kriminalitätsrate aufweisen.   

Die Kitapflicht ist ein Teil eines Maßnahmenpakets über das Rasmussen sagte: "Wir werden kontrollieren, wer neu zuziehen darf. Wir werden Kriminalität besonders hart bestrafen. Und wir schauen auf die Kinder in den Gettos. Sie müssen raus aus ihrer Isolation. Sie müssen Dänisch lernen, bevor sie in die Schule kommen. Sie müssen in den Kindergarten gehen und einen Sprachtest bestehen, bevor sie in die erste Klasse kommen." 

Die Sozial- und Jugendministerin Mai Mercado befürwortet die Regelung, die "keine Strafe" sei. "Wir wollen nur sichern, dass die Kinder bestimmte Werte und Traditionen leben."

Kitapflicht in Dänemark: Sozial benachteiligte Kinder müssen einen Kindergarten besucheniStock/Symbolbild

 

Kommt die Kita-Pflicht auch nach Deutschland?

Um die Integration zu verbessern soll auch in Frankreich jedes Kind ab drei Jahren verpflichtend eine Vorschule besuchen. In Deutschland fordern das seit einiger Zeit unter anderem der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) und Dieter Lenzen, Vorsitzender des Aktionsrats Bildung.

Allerdings stellte das "Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung" im Rahmen einer Studie fest, dass sechs Prozent Kinder der Kinder, die ab einem Alter von drei Jahren bis zur Einschulung nicht in eine Kindertageseinrichtung, nicht aus sozial schwachen Haushalten kommen. „Es sind Kinder aus Familien mit mittleren, hohen und niedrigen Einkommen, aus allen Bildungsgruppen – Kinder aus der Mitte unserer Gesellschaft. Eine pauschale Kita-Pflicht für alle Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung wäre daher kaum geeignet, gezielt Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten zu fördern“, erklärte Katharina Spieß, Bildungs- und Familienökonomin. Die übrigen 94 Prozent sind Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die in Deutschland eine Kita besuchen. Spieß schlägt daher vor, Kinder mit etwa Sprachschwierigkeiten verpflichtend zu schulen. „Das wäre effizienter und damit auch kostengünstiger zu machen als mit einer Kita-Pflicht."

Ob bei also uns die Kita zur Pflicht wird? Im Moment scheint das nicht der Fall zu sein.

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