Trauriges Schicksal einer Familie"Das Heroin riss meine Familie auseinander - und nahm mir zwei Söhne!"

Eine Mutter erzählt, wie sie trotz ihrer unvorstellbar schweren Situation Hoffnung gefunden hat und was sie alle anderen Mütter wissen lassen will.

Abschied nehmen von den eigenen Kinder: so schwer, sieht doch auch die Natur eine andere Reihnfolge vor!
Abschied nehmen vom eigenen Kind: Ein unendlich schwerer Gang für Eltern, sieht doch die Natur eine ganz andere Reihnfolge vor.
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Inhalt
  1. Die guten, alten Tage
  2. Wie alles anfing
  3. Ihre Geschichten
  4. Meine schreckliche Wirklichkeit
  5. Die Schande der Sucht
  6. Die Wahrheit sagen
  7. Hoffnung finden

Bei der Beerdigung meines Sohnes Patrick im letzten Sommer, las ich diese Passage von Washington Irving: 

"Es ist eine dauerhafte Zärtlichkeit in der Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, die alle anderen Zuneigungen des Herzens übersteigt. Sie wird jeden Komfort zu seinem Vorteil opfern; sie wird jede Freude zu seinen Gunsten aufgeben; sie wird seinen Ruhm rühmen und seinen Wohlstand erhöhen; und wenn ihm Unglück wiederfährt, wird sie es auf sich nehmen wollen; und wenn er Schande über den Namen bringt, wird sie ihn trotzdem lieben und schätzen; und wenn die ganze Welt ihn verstößt, wird sie für ihn die ganze Welt sein."

Diese Wörter über die bedingungslose Liebe einer Mutter, könnten nicht passender für meine Geschichte sein.

 

Die guten, alten Tage

Louie - mein Ehemann - und ich zogen unsere drei Söhne, Patrick, Kevin und James in Middleboro MA groß. Die drei Jungs waren das Alter betreffend recht nah beieinander, sodass sie mich, wie ich sagen muss, ziemlich auf Trab hielten. Wir fuhren ständig Hinn und Her zwischen Schul,- Sport- und Sommerlagern. Drei Tage pro Woche arbeitete ich Rehabilitationsberater für Behinderte. An meinen "leichten Tagen" zog ich mich ordentlich an, ging zur Arbeit - meine kleine Pause vom dreckige-Hände-sauber-machen und Schiedsrichter spielen. Für den Rest der Woche war ich die coole Mutter, die nach der Schule gesunde Snacks servierte und anschließend die nachtbarschaftlichen Baseball- und Fussballspiele im Vorgarten beobachtete. Ich hatte das Beste aus beiden Welten.

Louie und ich versuchten den Kindern ein schönes Familienleben zu schaffen. Sie wuchsen in einer großen Familie auf, besuchten gute Schulen und hatten viele Freunde. Wenn wir an Feiertagen, Geburtstagen oder Sommerfesten Besuch bekam, gab es immer nur sehr wenig Alkohol. Ich war so stolz darauf, dass meine Jungs lernten Spaß zu haben ohne zu trinken. Damals habe ich es immer mit einem Wirbelwind verglichen, drei kleine Jungs zuhause zu haben. Ich hätte allerdings niemals damit gerechnet, dass sich daraus im Teenageralter ein Wirbelwind der Sucht entwicklen würde. 

 

Wie alles anfing

2002 bracht sich Jame, unser jüngster Sohn, bei einem Fußballspiel in der Schule das Schlussbein und zog sich außerdem einen Bänderiss zu. Der Arzt verschrieb ihm Oxycontin. Zu der Zeit war es nicht ungewöhnlich für Ärzte, 60 bis 90 Pillen bei einem solchen Fall zu verschreiben. Ich dachte, ich wäre eine gute Mutter, wenn ich ihn dazu ermutigte, die Pillen zu nehmen, die seine Schmerzen lindern sollten. Ich wusst es nicht besser. Niemand hatte uns gesagt, dass dieses Medikament süchtig machen kann.

Ich weiß nicht genau, wann James dazu überging Heroin zu konsumieren, aber seine Tage zwischen Teenager-Dasein und dem Erwachsenwerden waren geprägt von Reha-Aufenthalten und Versuchen endlich wieder clean zu werden.

"Ich dachte, ich wäre eine gute Mutter, wenn ich ihn dazu ermutigte, die Pillen zu nehmen, die seine Schmerzen lindern sollten."

Patricks Abhängigkeitsgeschichte begann ungefähr zeitgleich mit der von James. Er war ein Experimentator und hatte schon immer eine waghalsige Persönlichkeit. Er war das Kind, welches von einer Brücke springen oder einen Wurm essen wollte, um es ausprobiert zu haben. Dann hing er mit Kindern rum, die Pillen probierten und so wurde er süchtig. In den frühen Zwanzigerjahren erholte er sich von verschreibungspflichtigen Opiaten, aber fing mit 26 Jahren wieder damit an verschiedene Pillen einzunehmen. Erst vor wenigen Jahren wechselte er zu Heroin.

Sie waren beide hübsche, starke und intelligente Jungs. Aber als die Sucht ihren Tribut zollte, wurde James immer labiler. Er nahm stark an Gewicht zu, schwitze extrem und war immerzu ängstlich, während Patrick extrem dünn wurde und serh blass war. Du realisierst, dass die Person, die vor dir steht, nicht länger dein Sohn ist, wie Du ihn jahrelang kanntest.

 

Ihre Geschichten

Bevor Patrick im vergangenen Sommer im Alter von 32 Jahren starb, dachte ich eigentlich, dass er mit seiner Genesung auf einem guten Weg wäre. Er war seit fast einem Jahr sauber und absolvierte ein Rehabilitationsprogramm in New Hampshire. Seine Verlobte und sein 4-jähriger Sohn, wollten dorthin gehen, um bei ihm sein zu können. Er hatte alles, wofür es sich lohnt zu leben. Aber die Sucht suchte ihn Heim: Er starb Sekunden nachdem er sich selber Fentanyl injiziert hatte - ein Opitat, stärker als Heroin.

Zwei Jahre vor Patricks Tod, starb James im Alter von 26 Jahren an einer Überdosis Heroin im Badezimmer seiner damaligen Freundin nur fünf Tage nach seiner Rückkehr aus einem Suchtprogramm in Las Vegas. Und zwei Monate vor James's Tod, starb Louie, der Mann mit dem ich 31 Jahre verheiratet war, an Glioblastom, einer endgültigen Form von Hirntumoren.

Manchmal ist der Schmerz, drei der wichtigsten Menschen in meinem Leben innerhalb von zwei Jahnren verloren zu haben, kaum auszuhalten. Es gibt Tage an denen ich in mein leeres Haus zurückkehre, zusammenbreche und auf dem Boden sitzend weine, weil sie mir so sehr fehlen. Aber ich finde Stärke in meinem Glauben und in meinem mittleren Sohn Kevin. Er hat letztes Jahr geheiratet und ich bin glücklich ein Teil seiner Zukunft sein zu können. Wir sind jetzt die Familieneinheit und wir sind gemeinsam durch diesen Albtraum gegangen.

 

Meine schreckliche Wirklichkeit

Die Umgang mit Sucht ist vergleichbar mit dem Teufel. James und Patrick konnten keinen ihrer Jobs halten, Freunde wendeten sich ab und sie bekamen immer wieder Schwierigkeiten mit dem Gesetz. Ich musste um die Zukunft meiner Söhne trauern: keine Hochschulabschlüsse, keine Hochzeiten oder erste große Jobs. Ich verlor meine Kinder bereits bevor ich sie schlussendlich begrab.

Außerdem hatte in der Zeit, in der es nur noch elf Monate bis zu Louies Tod 2013 waren, zwei suchtkranke Söhne, die meine Energie beanspruchten, die ich eigentlich für meinen sterbenden Ehemann brauchte.

"Aber ich finde Stärke in meinem Glauben und in meinem mittleren Sohn Kevin."

Die Hilfe einer Hospizkrankenschwester in Anspruch nehmen zu müssen, weil ich meine Söhne nicht bitten konnte, mir bei der Pflege ihres Vaters zu helfen, war ein besonders trauriger Moment. Kevin war der Einzige auf den ich mich verlassen konnte. Ich musste Louies Medikamente vor James und Patrick verstecken. Ich verbarg Morphium in einer Tasche zusammen mit gefrorenen Erbsen, damit sie es nicht stehlen würden. Zwei Wochen vor dem Tod meines Mannes stand die Polizei vor der Tür, um mir zu sagen, dass mein Schmuck verpfändet wurde.

An meinem letzten Muttertag mit allen drei Söhnen stürzte Louie im Badezimmer und Kevin und ich konnten ihn nicht alleine hochhelfen. Wir riefen nach Patrick, aber er hatte das Haus verlassen, um sich einen Schuss zu organisieren, wie ich später herausfand. Einmal versprach James, im Haus zu sein, um für seinen Vater zu sorgen, aber er tauchte nicht auf. Ich musste früh morgens arbeiten und entsprechend zeitig los, um pünktlich dort zu sein. Im Wesentlichen übernahmen Kevin und ich den Großteil der 24/7 Pflege meines Ehemanns, um eine gewisse Form der Normalität aufrecht zu erhalten.

 

Die Schande der Sucht

Kein Kind wächst mit der Absicht auf einmal süchtig zu werden. Süchtige wissen sehr genau, dass sie eine Verlegenheit für ihre Familien sind. Sie wissen um ihre Schuld und die Schande, die ihr Verhalten mit sich bringt und kämpfen Tag für Tag gegen einem Dämon, der in vielen Fällen so viel stärker ist als sie es sein können. Sie hassen sich selbst mehr als jeder andere. 

Vor dreizehn Jahren, waren Louie und ich als respektable und aufrichtige Eltern bekannt. Aber mit der Sucht, kamen auch die Zweifel der Leute, dass mit uns etwas nicht stimmen kann. Mein Mann wollte keine Beedigung, weil wir von einigen aus der Familie und der Gemeinde wegen der Süchte unserer Söhne geächtet wurden. Ein paar Wochen vor Louies Tod schrie James: "Dad verdient ein richtiges Begräbnis, aber wir haben ihn aussehen lassen wie einen Narren!"

Auch für Kevins Leben hatte die Sucht seiner Brüder ihre Folgen. Wir wollten ihm immer alles geben, aber oft waren wir zu sehr mit James und Patrick beschäftigt. Die Leute fragten Kevin manchmal "Wie hast Du es geschafft, clean zu bleiben?"  Er wurde defensiv und sagte: "Das hat nichts mit meiner Mutter und meinem Vater zu tun, sie sind großartige Eltern!" Doch egal wie gut er ist, es scheint, dass Güte nie das Böse überwiegen kann, das sie damit in unser Leben gebracht haben.

 

Die Wahrheit sagen

Als James im Jahr 2013 starb, bat ich die Person, die die Lobrede (unsere Nachbarin und eine enge Freundin) schrieb, um das Thema der Sucht keinen Bogen zu machen. Bei Patricks Beerdigung im Jahr 2015 ging ich noch einen Schritt weiter. Ich rief die Zeitung an und lud einen Reporter ein. "Meine Familie ist von Sucht auseinandergerissen worden", sagte ich zu ihm. "Ich denke, du musst den Schmerz sehen und spüren, den wir erleben."  Es war mir wichtig, dass Patrick als jemand anerkannt wurde, der als kleiner Junge mit dem Fahrrad fahren anfing, auf dem Trampolin sprang und zur Schule ging, seine Mutter umarmte, mit seinem Vater Versteck spielte und mit seinen Brüdern kämpfte. Ein Reporter und Fotograf tauchte auf und veröffentlichte einen Artikel über die Erfahrung, die wir gemacht haben.

 

Hoffnung finden

Mütter lieben ihre Kinder mehr als sie sich selbst lieben und ich sehe das heute noch genauso, wie gestern. Ich will Kevin genug lieben, um ihn frei zu lassen und seine eigene Familie genießen kann. Das Muttersein lebt noch immer in mir und ich werde weitermachen, um ihn und meine Enkel in der Zukunft begleiten zu können.

Ich liebe James und Patrick immer noch so sehr. Indem ich die Geschichten meiner schönen, liebenden Söhne und des Kampfes der Familie mit Sucht teile, hoffe ich, das Schweigen zu beenden, das Stigma zu brechen und Ehre - nicht Schande - über unserer Familie zu bringen.

LIEBE ANDERE MÜTTER: BITTE BEDENKT DAS

  1. Bauchgefühl Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Drogen komsumiert, liegen Sie damit wahrscheinlich richtig. Nehmen sie nicht an, dass nur weil ihr Kind immer ein gutes Kind war, dass es in Ihrer Familie nicht passieren kann. Denken Sie "Ich muss die Liebe zu meinem Kind zur Seite schieben und der Wahrheit ins Auge sehen." Wenn mein Instinkt mir sagt, dass etwas nicht stimm, wird es höchstwarscheinlich auch so sein. 
  2. Arztrezepte hinterfragen Von Schmerzmittel kann eine hochgradige Suchtgefahr ausgehen. Fragen Sie sich deshalb "Müssen diese Tabletten wirklich sein?" Ich finde, dass Medikamente nicht immer die Antwort auf Schmerzen sein müssen.
  3. Denke nicht, dass Du nicht an meiner Stelle sein könntest Es spielt keine Rolle woher Du kommst oder wie Deine Finanzen aussehen. Es spielt keine Rolle, denn Sucht kreuzt alle Barrieren.
  4. Hinterfragen Sie ihre Einstellung Behandeln Sie Sucht wie eine medizinische Frage, nicht wie ein soziales Problem. Die Schuld bei einer Person zu suchen, wird nicht zu einer Lösung führen.
  5. Kümmern Sie sich um die richtige Unterstützung Es gibt Unterstützungsgruppen für Eltern von Abhängige, die Ihnen helfen, Versicherung, Krankenhäuser, Behandlung und rechtliche Probleme zu navigieren. Die Stigmatisierung und das Trauma der Sucht ist einzigartig!

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