StudieDespressionen: Was erhöht das Risiko, depressiv zu werden?

Manche Menschen neigen eher zu Depressionen als andere. Was erhöht das Risiko, depressiv zu werden? Eine Studie zeigt, warum Menschen mit bestimmten Eigenschaften gefährdeter sind.

Depressionen sind nicht sichtbar. Sie sind nicht messbar. Doch eins können sie ganz besonders gut – den Betroffenen fühlen lassen, dass etwas nicht stimmt. Denn Depressionen sind vor allem spürbar.

Und den meisten kommen sie unglaublich unfair vor. Wieso gerade ich/meine beste Freundin/mein Partner?, fragen sich viele Betroffene und Angehörige. Doch Depressionen kann man sich nicht aussuchen.

Sie scheinen wahllos zuzuschlagen – doch ist dem wirklich so? Forscher der Tamagawa University in Tokyo haben sich nun dieser Frage gewidmet und eine Studie zu den Risikofaktoren für Depressionen veröffentlicht. Wieso werden manche Menschen depressiv und andere nicht?

Die Ergebnisse, die nun im Wissenschaftsmagazin „Nature Human Behavior“ erschienen, legen nahe, dass tatsächlich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale das Risiko beeinflussen, depressiv zu werden. Das Schlüsselwort: Empathie.

Während die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, prinzipiell etwas Positives ist, kann das Mitgefühl auch zur Last werden. Leiden andere, leidet man mit. Empathische Menschen sind oft verständnisvoll und aufopfernd, doch gerade diese Eigenschaften führen dazu, dass letztendlich nicht nur der eigene Kummer, sondern auch der seiner Mitmenschen zu tragen gilt.

Selbstlose Menschen neigen eher zu Depressionen.
Selbstlose Menschen neigen eher zu Depressionen.
Foto: iStock

Zu dieser Schlussfolgerung kamen die Forscher basierend auf einem Spiel, bei dem die Probanden sich für das Selbst- oder das Allgemeinwohl entscheiden mussten. Dabei wurden die Hirnströme gemessen. Das Ergebnis: Teilnehmer, die besonders selbstlose Entscheidungen trafen und die die Ungerechtigkeit andernfalls stark mitnahm, neigten später eher dazu, depressiv zu werden. 

Empathie allein spielt also eine Rolle, besonders ausgeprägt ist das Risiko, an Depressionen zu erkranken, jedoch bei jenen, die speziell auf Ungerechtigkeit empfindlich reagieren. Die Welt ist voller Ungerechtigkeit. Jeder Mensch geht anders damit um – nimmt sie uns besonders mit, neigt man eher dazu, depressiv zu werden. 

Die Ergebnisse sind logisch. Doch leider – oder glücklicherweise – lässt sich dieses Persönlichkeitsmerkmal nicht abschalten. Und bei genauerer Betrachtung will man das auch nicht, denn eine Welt ohne Empathie würde erstrecht zu einer Welt der Ungerechtigkeit werden.

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