BordgebührDeutsche Bahn: Satte Preiserhöhung für Ticket-Nachlösungen im Zug

Wer künftig ein Ticket für eine Fernreise in der Deutschen Bahn nachlösen möchte, muss mehr zahlen: Statt 12,50 Euro kostet die Bordgebühr nun 19 Euro. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" kritisiert die Preiserhöhung.

Zeitdruck, ein defekter Automat oder Vergesslichkeit: Wer ohne gültiges Ticket in einen Zug der Deutschen Bahn steigt, konnte die Fahrkarte bisher für einen Aufpreis von 12,50 Euro beim Schaffner nachkaufen. Jetzt soll die sogenannte "Bordgebühr" ganze 6,50 Euro mehr kosten, also 19 Euro. Ein Sprecher der Deutschen Bahn begründete gegenüber der "Bild"-Zeitung die Maßnahme so: "Die freiwerdende Zeit kommt dem Gast durch gesteigerte Serviceleistung zu Gute."  Der Verkauf sei im Zug "zu zeitintensiv". 

 

Deutsche Bahn: Preiserhöhung für Ticket-Nachlösung in der Kritik

Sofern ein Automat nicht funktioniere, würde die Gebühr für eine Ticketnachlösung erlassen werden, so die Deutsche Bahn. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" sieht die Erhöhung dennoch kritisch. "Geschäftsreisenden mag das egal sein", sagte Karl-Peter Naumann nach Informationen der Bild. Doch für andere Kundengruppen sei es das nicht. "Zum Beispiel Senioren, die manchmal mit der Bedienung der Ticketautomaten an den Bahnhöfen nicht zurechtkommen." Neumann fordert einheitlich gekennzeichnete Nachlöse-Abteile in Zügen der Deutschen Bahn. 

 

Bahnbeauftragter der Bundesregierung fordert höhere Bahnpreise

Damit mehr Geld in die hoch verschuldete Deutsche Bahn investiert werden kann, fordert der CDU-Bahnbeauftragter der Bundesregierung Enak Ferlemann eine Preiserhöhung. "Die Bahn könnte ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren", sagte der Staatssekretär der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es könne nicht sein, dass man für 19 Euro quer durch Deutschland fahren könne. "Die Zeiten des ruinösen Wettbewerbs sind vorbei."

Der Fahrverband "Pro Bahn" findet eine Preiserhöhung aus ökologischen Gründen sinnvoll - doch nicht auf Kosten der Bahnkunden. Laut Verbandssprecher Karl-Peter Naumann seien Erhöhungen eher im Straßen- und Luftverkehr nötig. Der Bahnkunden-Verband glaubt, dass eine Preiserhöhung kontraproduktiv sei und nicht - wie von der Bahn gewünscht - mehr, sondern weniger Kunden anlocke. "Ferlemanns Forderung bewirkt jedoch eher das Gegenteil", so Verbands-Präsident Curth. Auch der Grünen Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte den Vorschlag: "Eine Preiserhöhung würde die Entwicklung der Bahn sabotieren." Die Bahn solle eher attraktiver gemacht werden. 

Zuletzt hatte es mit dem Fahrplanwechsel für 2019 eine Preiserhöhung von durchschnittlich 0,9 Prozent. Das Niedersachsenticket für eine Person wurde nun beispielsweise von 23 Euro auf 24 Euro erhöht.

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