IQB-BildungstrendDeutschland: Grundschüler schlecht in Mathe und Deutsch

Laut des Ergebnisses eines deutschlandweiten Tests haben sich die rund 30.000 getesteten Grundschüler im Bereich Lesen und Rechnen verschlechtert.

Inhalt
  1. IQB-Test ist deutsches Pendant zur Pisa-Studie
  2. Die bundesweiten Ergebnisse des IQB-Tests "Deutsch" auf einen Blick
  3. Mädchen und Jungen sind gleich gut im Zuhören
  4. "Bundesweiter Handlungsbedarf in Deutsch und Mathe"

Rechnen, schreiben, lesen, zuhören - Grundschüler haben bei einem bundesweiten Test schlechter abgeschnitten, als noch im gleichen Test im Jahr 2011. Geprüft wurden Schüler der vierten Klasse in allen Bundesländern an über 1.500 zufällig ausgewählten Grundschulen. Insgesamt nahmen 29.259 Schüler an dem Test teil, der im vergangenen Jahr (2016) durchgeführt wurde.

 

IQB-Test ist deutsches Pendant zur Pisa-Studie

Der Test wurde im Auftrag der Kulturminister der Länder durchgeführt - vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, kurz IQB. "Ziel des Ländervergleichs ist es, festzustellen, inwieweit Schüler (...) Bildungsstandards erreichen und wo Steuerungsbedarf besteht", lautet es am IQB. Der IQB-Bildungstrend, wie der Test heißt, ist quasi das deutsche Pendant zur internationalen Pisa-Studie.

Im Fokus standen diesmal die Kenntnisse von Viertklässlern in den Fächern Deutsch und Mathematik. In dem Fach Deutsch wurde das Lesen, Zuhören und Schreiben getestet. In Mathematik wurden die Kompetenzen der Kinder in "Zahlen und Operationen", "Raum und Form", "Muster und Strukturen", "Größen und Messen" sowie "Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit" geprüft (HIER gibt es einige Beispielaufgaben aus dem Test).

 

Die bundesweiten Ergebnisse des IQB-Tests "Deutsch" auf einen Blick

Zuhören

  • 68 Prozent erfüllen den Mindeststandard
  • 10 Prozent der Schüler erfüllen den Optimalstandard
  • 11 Prozent der Schüler verfehlen den Mindeststandard

Lesen

  • 65,5 Prozent der Schüler erfüllen den Mindeststandard
  • 10 Prozent der Schüler erfüllen den Optimalstandard
  • 13 Prozent der Schüler verfehlen den Mindeststandard

Schreiben

  • 54 Prozent erfüllen den Mindeststandard
  • 9 Prozent der Schüler erfüllen den Optimalstandard
  • 22 Prozent der Schüler verfehlen den Mindeststandard

Vergleicht man dieses Ergebnis mit dem Ergebnis vom Jahr 2011 bedeutet das: Im Zuhören und Schreiben haben sich die Viertklässler "signifikant" verschlechtert - um 5 Prozentpunkte (Lesen) bzw. 10 Prozentpunkte (Schreiben).

Teilt man die Schüler nach Bundesländern auf, kommt man zu folgendem Ergebnis (in Prozent; Schüler, die den Bildungsstandard in Deutsch erreichen):

  1. Bayern: 73,9 Prozent
  2. Sachsen: 73,9 Prozent
  3. Schleswig-Holstein: 69,7 Prozent
  4. Hessen: 68,2 Prozent
  5. Sachsen-Anhalt: 68,1Prozent
  6. Saarland: 67,4 Prozent
  7. Thüringen: 66,9 Prozent
  8. Mecklenburg-Vorpommern: 66,4 Prozent
  9. Hamburg: 65,0 Prozent
  10. Brandenburg: 64,1Prozent
  11. Rheinland-Pfalz: 63,8 Prozent
  12. Niedersachsen: 63,6 Prozent
  13. Baden-Württemberg: 63,4 Prozent
  14. Nordrhein-Westfalen: 60,5 Prozent
  15. Berlin: 57,0 Prozent
  16. Bremen: 47,6 Prozent

Auch im Bereich Mathematik haben sich die Schüler im Vergleich zum Jahr 2011 verschlechtert - um durchschnittlich sechs Prozentpunkte. Bundesweit erreichen 62 Prozent der Viertklässler den Mindeststandard im Bereich Mathematik; 15 Prozent der Schüler verfehlen den Standard; 13 Prozent erfüllen allerdings sogar den Optimalstandard (schneiden also viel besser ab als der Durchschnitt).

Teilt man die Schüler nach Bundesländern auf, kommt man zu folgendem Ergebnis (in Prozent; Schüler, die den Bildungsstandard in Mathematik erreichen):

  1. Bayern: 73,3 Prozent
  2. Sachsen: 72,7 Prozent
  3. Sachsen-Anhalt: 67,2 Prozent
  4. Saarland: 66,2 Prozent
  5. Thüringen: 63,6 Prozent
  6. Schleswig-Holstein: 63,2 Prozent
  7. Brandenburg: 63,0 Prozent
  8. Baden-Württemberg: 62,7 Prozent
  9. Hessen: 61,5 Prozent
  10. Rheinland-Pfalz: 61,0 Prozent
  11. Mecklenburg-Vorpommern: 60,4 Prozent
  12. Hamburg: 57,7 Prozent
  13. Niedersachsen: 57,7 Prozent
  14. Nordrhein-Westfalen: 57,5 Prozent
  15. Berlin: 48,8 Prozent
  16. Bremen: 41,4 Prozent
 

Mädchen und Jungen sind gleich gut im Zuhören

Klischeehafterweise sind - teilt man die Testergebnisse nach Geschlechtern auf - Mädchen besser in Deutsch (vor allem im Lesen und Schreiben) als Jungen; und Jungen besser in Mathematik als Mädchen. Wobei die Motivation der Schüler anscheinend keinen Einfluss auf ihre Leistung hat, wie die Studienmacher bestätigen: Mädchen und Jungen interessieren sich gleichermaßen für beide Fächer.

Einzige Ausnahme: das Zuhören. Hierbei schneiden Mädchen und Jungen durchschnittlich gleich gut ab.

 

"Bundesweiter Handlungsbedarf in Deutsch und Mathe"

Das Fazit der Studienmacher: "Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik."

Der Verband Bildung und Erziehung macht die Bildungspolitik für das schlechte Bildungsniveau der Kinder verantwortlich. Die Fortbildung der Lehrkräfte sei mangelhaft, es herrsche zudem Lehrermangel - der zu Unterrichtsausfall führe - und die Ausstattung der Schulen sei ebenfalls nicht ausreichend. Zudem würden die Fähigkeiten der Schüler nicht genug gefördert.

>>> HIER geht's zum kompletten IQB-Bericht

Auch interessant:

>> Schreiben nach Gehör: Wird die Lehrmethode in NRW bald abgeschafft?

>> Toilettenmangel: Schule in Berlin schließt für zwei Tage

>> Bezahltes Schulklo: Kölner Grundschule verlangt Toilettengeld

(ww7)

Kategorien: