SpracheDialekt sprechen: Vor- oder Nachteil für das Kind?

In den 1960er Jahren galt Dialekt sprechen als Makel - Hochdeutsch war erwünscht. Ein Dialekt wurde mit einem niedrigen sozialen Status assoziiert und als schadhaft für die Sprachentwicklung angesehen. Aber entspricht das noch der Realität?

Kinder sprechen Dialekt
Foto: iStock // romrodinka
Inhalt
  1. Dialekt sprechen fördert die geistige Entwicklung
  2. Besseres Verständnis für gesprochene und geschriebene Worte
  3. Die richtige Mischung aus Hochdeutsch und Dialekt 

Ein fröhliches "Griaß Di" klingt aus einem Kindermund ziemlich süß. Aber ist so ein Dialekt für die sprachliche Entwicklung von Kindern überhaupt gut? Welche Vor- oder Nachteile kann es haben, wenn ein Kind mit Mundart aufwächst?

Lange Zeit galt der Dialekt als Nachteil in der Kindererziehung. Diese Ansicht stammt aus den 1960er Jahren, als man davon ausging, dass sich ein Dialekt negativ auf die Sprachentwicklung auswirkt und für schlechte Noten in der Schule sorgt. Mittlerweile ist das allerdings widerlegt und man weiß, dass Kinder, die zusätzlich zum Hochdeutsch einen Dialekt sprechen, sogar im Vorteil sind.

 

Dialekt sprechen fördert die geistige Entwicklung

Wird einem Kind das Sprechen von einer Standardsprache und einem Dialekt beigebracht, zählt das als Mehrsprachigkeit. Spricht ein Kind mehrere Sprachen, ist das für die geistige Entwicklung absolut förderlich. Es führt sogar dazu, dass diese Kinder in der Schule leichter eine Fremdsprache erlernen als ihre Klassenkameraden. Denn wer eine Mundart spricht, hat einen größeren Wortschatz und kennt mehrere Begriffe für ein bestimmtes Wort. 

Kinder kommen wesentlich besser mit unterschiedlichen Sprachsystemen zurecht als Erwachsene. Gibt man ihnen also die Möglichkeit zweisprachig aufzuwachsen, sorgt man sogar dafür, dass sie ein deutlich umfangreicheres Vokabular aufbauen können und ein besseres Verständnis für grammatikalische Strukturen entwickeln.

 

Besseres Verständnis für gesprochene und geschriebene Worte

Kinder, die mit einem Dialekt aufwachsen, können den Unterschied zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort besser erfassen. Das ist wichtig für die sprachliche Entwicklung, weil in der Hochsprache längst nicht alles so geschrieben, wie es ausgesprochen wird. 

Ein gutes Beispiel dafür ist das Wort "Vogel". Obwohl es sich nach "Fogel" anhört, wird es nicht so geschrieben. Wenn Kinder ausschließlich Hochdeutsch sprechen und keine Mundart kennenlernen, fällt es ihnen oft schwerer das gesprochene Wort zu verschriftlichen.

 

Die richtige Mischung aus Hochdeutsch und Dialekt 

Im optimalen Fall kann ein Kind problemlos und situationsbedingt zwischen Dialekt und der entsprechenden Hochsprache wechseln. Eltern, die einen Dialekt sprechen, sollten nicht krampfhaft versuchen, diesen von ihrem Kind fernzuhalten oder sie dazu zwingen, ausschließlich Hochdeutsch zu sprechen. Kinder werden in ihrem Alltag oft genug mit Hochdeutsch konfrontiert, z. B. durch Hörspiele, Vorlesen, Singen, Radio und Fernsehen.
 

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