GeldDie Debatte um den 500-Euro-Schein: Wird das Bargeld abgeschafft?

Der 500-Euro-Schein wird abgeschafft. Folgen 200, 100, 50, 20 und 10-Euro-Scheine? Was wirklich passiert, wenn unser Bargeld abgeschafft wird.

Inhalt
  1. Warum gilt der 500er als Schein des Bösen?
  2. Wer profitiert tatsächlich von der Abschaffung des 500-Euro-Scheins?
  3. Wird das Bargeld komplett abgeschafft?
  4. Wie lange ist der 500-Euro-Schein noch gültig?

Schon im Mai 2016 hat die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen, dass der 500-Euro-Schein bis Ende 2018 durch kleinere Banknoten ersetzt werden soll. Schon seit 2014 wird der 500 Euro-Schein nicht mehr produziert.

Auf den ersten Blick, scheint die Abschaffung des 500 Euro-Scheins wenig relevant für den Otto-Normalverbraucher zu sein (laut einer Umfrage der EZB haben 56 Prozent aller Bürger diesen Schein noch nie in Händen gehalten). Schon seit längerem weigern sich ohnehin viele Geschäfte, 500-Euro-Banknoten anzunehmen: Zum einen, um das Wechselgeld-Problem zu vermeiden. Zum anderen aus Angst vor Falschgeld.

Als Grund werden Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, die Mafia, Drogenfinanzierung und Terrorfinanzierung genannt. Mario Draghi, Präsident der EZB, sagte mal: "Der 500 Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten." Doch ob die Abschaffung dieses größten Euro-Scheins tatsächlich "illegale Aktivitäten" eindämmt, ist - sogar unter EZB-Experten - umstritten, da es keine Beweise für den Zusammenhang gibt. Zum einen funktionieren auch illegale Geschäfte inzwischen gut bargeldlos (z.B. über Scheinfirmen), zum anderen kann der 200 Euro-Schein beinahe ebenso gut für kriminelle Geschäfte genutzt werden.

500 Euro Schein: Wird das Bargeld abgeschafft?
Der 500 Euro-Schein gehört bald der Vergangenheit an: Wird das Bargeld abgeschafft? 
Foto: iStock

Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo), Prof. Clemens Fuest, vermutet den Grund für die Bargeld-Abschaffung an anderer Stelle: "Für die EZB würde es ohne Bargeld einfacher, die Negativzinsen weiter herunterzufahren. Denn Bargeld kennt keine Negativzinsen, wohl aber elektronische Konten", sagte Fuest.

 

Warum gilt der 500er als Schein des Bösen?

Bargeld kann anonym seinen Besitzer wechseln, hinterlässt keine Spuren - ganz im Gegensatz zu Geld-Überweisungen per Konto, wo alle Daten gespeichert werden. Und weil illegale Geschäfte mit hohen Summen hantieren, eignen sich 500 Euro-Scheine nun mal besser dafür, als die Kleineren, da sie "platzsparender" sind: Wenn man z.B. mit 100.000 Euro dealen muss, reichen schon 200 Stück der 500-Euro-Scheine - statt 1.000 Stück 100-Euro-Scheine.

Je höher die Summe des Geldgeschäftes, desto größer wird der Unterschied: Bei 10 Millionen Euro bräuchte man z.B. 200.000 Stück 50-Euro-Scheine - was 184 kg ergibt. Da lassen sich die 10 Millionen Euro einfacher mit 500-Euro-Scheinen übergeben: Es genügen 20.000 Stück, die zusammen "nur" rund 22 kg wiegen, die praktischerweise in einen Koffer passen können.

 

Wer profitiert tatsächlich von der Abschaffung des 500-Euro-Scheins?

Zum einen die Gelddruckereien: Die 500-Euro-Scheine sollen durch 100er und 200er ersetzt werden. Die Druckkosten werden auf rund eine halbe Milliarde Euro (!) geschätzt. Denn: Zwar machen 500-Euro-Noten nur etwa 3 Prozent aller Euro-Scheine aus. Allerdings ergeben sie gleichzeitig fast 30 Prozent des Euro-Bargeldwertes, nämlich etwa 300 Milliarden Euro.

Zum anderen befürchten Kritiker, dass nach und nach das Bargeld abgeschafft wird und die einzigen Profiteure die Banken sein werden, die den Kunden auf ihre Geldkonten Negativzinsen aufbrummen. Solche führt gerade sogar die Hamburger Sparkasse (Haspa) ein, die nach ihrer Bilanzsumme und den Kundeneinlagen als größte Deutsche Sparkasse gilt.

Für Einlagen bei der Haspa müssen Kunden (erst einmal nur Firmenkunden und institutionelle Anleger) nun Zinsen bezahlen, statt sie - wie bisher - von der Bank zu bekommen. Zur Begründung sagte die Sprecherin der Haspa, Stefanie von Carlsberg, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Die auf Dauer angelegte Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht es auch für uns notwendig, für größere Guthaben (…) Verwahrentgelt zu nehmen." Privatkunden der Haspa sollen aber "so lange wie möglich" von den Negativzinsen verschont bleiben.

Seit März 2016 können sich Banken bei der EZB Geld zu einem Leitzins von 0 Prozent leihen. Lassen sie ihr Geld bei der EZB allerdings liegen, müssen sie Strafzinsen zahlen - die sie sich, wie nun auch die Haspa, von den Kunden zurückholen wollen.

 

Wird das Bargeld komplett abgeschafft?

John Michael Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, sagte bei einem Wirtschaftsforum in Davos, dass es in zehn Jahren kein Bargeld mehr geben würde, da es "ineffizient" wäre. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger fordert, das Bargeld abzuschaffen. Und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble setzt sich ohnehin dafür ein, dass Barzahlungen in Deutschland bei 5.000 Euro gedeckelt werden sollten - schließlich läge diese Grenze in Frankreich sogar bei nur 1.000 Euro ("Bargeld-Obergrenze").

Für die Verbraucher wäre eine Welt ohne Bargeld allerdings nicht nur rosig. In Deutschland werden immer noch drei Viertel aller Transaktionen bar bezahlt.

  • Wir verlieren unsere Freiheit: Die Banken haben immer eine Übersicht, wer, wann, wem, wohin, wie viel Geld von Konto zu Konto überweist. Wenn wir gezwungen sind, beim Einkaufen stets mit EC-Karte zu bezahlen, stapeln sich die privaten Daten über uns (kommerzielle Nutzung, Verbraucherprofil etc.) - wir werden zu gläsernen Menschen für die Wirtschaft (Datenschutz!).
  • Wir sind Banken unterworfen: Da wir nicht mehr auf das Bargeld umsteigen könnten, wären Banken frei, immer höhere Negativzinsen auf unsere Konten zu erheben. Die Folge: Das Geld auf unserem Konto wird immer weniger wert sein. Zudem würden Negativzinsen die Firmen und Verbraucher dazu nötigen, mehr Geld in Investitionen und Konsum zu stecken (um die Wirtschaft anzukurbeln), statt es zu sparen. Negativzinsen empfinden viele Menschen als eine Form der Erpressung.
  • Sparen wird schwieriger: Bargeld schafft für viele Verbraucher Transparenz. Wer mit Karte bezahlt, verliert schneller den Überblick über seine Ausgaben.
  • Einer muss in Vorleistung treten: Bargeld erlaubt Zug-um-Zug-Geschäfte, während beim digitalen Bezahlen eine Partei in Vorleistung treten muss.
  • Wir werden zur Kasse gebeten, wenn eine Bank in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Zur Rettung der Bank könnten dann auch Einlagen der Sparer  herangezogen werden (Stand heute: Wenn sie über 100.000 Euro betragen).
  • Wir sind abhängig von der Technik: Fallen Computersysteme mal aus, können wir keine Geldgeschäfte vornehmen - auch nicht einkaufen.

Ein wenig Hoffnung bleibt allerdings für das Bargeld:

  • Verfassungsrechtliche Bedenken: Bargeld ist eine Art "Grundwert der Marktwirtschaft".  Begrenzt man Bargeldzahlungen, greift man in das Grundrecht der Vertragsfreiheit ein. Das geht allerdings nur, wenn ein Eingriff "dem Wohl der Allgemeinheit dient und verhältnismäßig ist."
  • Verbraucherschützer glauben: Auch in Zukunft wird es noch Bargeld geben. Für Kleinigkeiten, Taschengeld oder Spenden eignet es sich nun mal besser als eine EC-Karte.
 

Wie lange ist der 500-Euro-Schein noch gültig?

Am heutigen Freitag (26.04.2019) stellt die Deutsche Bundesbank die Produktion und Ausgabe der 500-Euro-Scheine ein. Auch die Scheine, die sich noch im Umlauf befinden, sollen nach und nach eingestampft werden. Durch die Abschaffung des 500-Euro-Scheins verspricht sich die Europäische Zentralbank (EZB) die Eindämmung von kriminellen Aktivitäten wie dem Drogen- und Waffenhandel sowie der Geldwäsche.

Die 500-Euro-Scheine, die sich noch im Umlauf befinden, behalten auch weiterhin unbegrenzt ihre Gültigkeit und können als Zahlungsmittel genutzt werden. Immerhin waren laut der Deutschen Bundesbank im März noch 540 Millionen lilafarbene Scheine im Wert von 270 Milliarden Euro im Umlauf. Wer selbst noch im Besitz eines 500-Euro-Scheines ist, kann diesen in kleinere Scheine umtauschen lassen. Wobei nicht jede Bank die großen Banknoten noch annimmt.

Deutschland und Österreich sind die beiden letzten Euro-Staaten, die die Ausgabe der 500-Euro-Scheine einstellen. Alle anderen Länder der Währungsunion haben sich von dem lila Schein bereits im Januar 2019 verabschiedet.

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