Wegen DigitalisierungDie Niederlande schafft das Telefonbuch ab - das hat Konsequenzen für Senioren

140 Jahre gibt es das Telefonbuch auf Papier in den Niederlanden. Nun schaffen unsere Landesnachbarn es ab - das könnte zum Problem für die ältere Generation werden.

Wann hast du zum letzten Mal ein Telefonbuch in der Hand gehabt, geschweige denn, eine Nummer dort herausgesucht? Wir können uns jedenfalls nicht erinnern... So geht es auch der Mehrheit der Niederländer: Zwei Prozent benutzen noch das Telefonbuch, die Mehrheit suche sich Nummern in der Online-Ausgabe des "Telefoongids" heraus. Daher wird das niederländische Telefonbuch abgeschafft. 

Mit der Einstanzung geht eine Ära zu Ende. Die erste Ausgabe erschien 1881, dort standen 49 Adressen. In den 1980er Jahren wurden sieben Millionen Exemplare gedruckt. "Es ist das einzige Buch in den Niederlanden, in dem praktisch jeder einmal gestanden hat", sagte Herausgeber Erik Wiechers einem Radiosender.

Die Niederlande schafft das Telefonbuch ab iStock

 

Kein Telefonbuch mehr - ein Problem für die Senioren

Im Februar wird das Telefonbuch zum letzten Mal in den niederländischen Haushalten verteilt. Das könnte vor allem für eine Altersgruppe Schwierigkeiten mit sich bringen: Die Senioren. Sie sind das analoge Nachschlagewerk gewohnt. Laut der Zeitung "Algemeen Dagblad" wolle man daher älteren Einwohnern Schulungen anbieten, in den sie lernen, Telefonnummern online zu finden.

 

Senioren sind unsicher im Umgang mit den neuen Medien 

Ob Deutschland dem Beispiel wohl bald folgen wird? Möglich wäre es, doch bei uns ist die Lage ähnlich wie in den Niederlanden, denn in Deutschland haben laut des Informatik-Professors Herbert Kubicek von der Uni Bremen 20 Millionen ältere Menschen ein Problem mit dem Umgang neuer Medien. Kubicek erforscht seit 20 Jahren, wie das Internet und Co. Senioren nähergebracht werden können. „Es wird bereits viel für die digitale Bildung von Schülern getan. Die Senioren dürfen dabei aber nicht vergessen werden“, sagte der Professor, der ein Projekt startete, das ältere Menschen mit Hilfe von Tablets in die digitale Welt einführen sollte. Dort zeigte sich unter den 400 Senioren ab 70 Jahren, dass die meisten Teilnehmer ganz einfach unsicher im Umgang mit diesen Medien seien und Angst vor möglichen Problemen hätten. 

Herbert Kubicek möchte eine bundesweite Tablet-Aktion durchsetzen, doch es fehle an Geld. „Wenn Milliarden für die Schulen versprochen werden, dann sollte der Bundesregierung auch dieser Zweck diese Investition wert sein“, fordert der Informatiker. Zudem solle eine regelmäßige Unterstützung für ältere Menschen geben, da sich die Technik so schnell verändere.

Kategorien: