ArmutDie Obdachlosenzahl in Deutschland ist auf knapp eine Million angestiegen

Inhalt
  1. Zahl der Obdachlosen kann bis 2018 auf 1,2 Millionen steigen
  2. 32.000 Kinder und Jugendliche leben auf der Straße
  3. Zuwanderung ist nicht die wesentliche Ursache des Anstiegs

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland ist laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe auf 860.000 Menschen gestiegen. Seit 2014 ist dies ein Anstieg um 150 Prozent.

Nach neusten Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe (BAG W) gab es 2016 ca. 422.000 Wohnungslose in Deutschland. Im Vorjahr waren es 367.000 und 2014 rund 335.000. Hinzu kommen für 2016 etwa 420.000 wohnungslose Flüchtlinge, weshalb insgesamt 860 000 Menschen obdachlos sind. „Auch ohne Berücksichtigung der Wohnungslosigkeit von Flüchtlingen müssen wir leider davon ausgehen, dass der Anstieg der Wohnungslosenzahlen zwischen 2015 und 2016 unseren früheren Prognosen entsprochen hat. Die Zuwanderung hat die Gesamtsituation dramatisch verschärft, ist aber keinesfalls alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot“, erklärte Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG W.

 

Zahl der Obdachlosen kann bis 2018 auf 1,2 Millionen steigen

Die BAG W schätzt, dass es 2017 bis 2018 einen weiteren Zuwachs um 350.000 Menschen auf insgesamt dann 1,2 Millionen Obdachlose geben wird - das macht eine Steigerung um 40 Prozent: „Da nachhaltige und vor allem ausreichende Maßnahmen zur Verbesserung der wohnungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen und zur Wohnungsversorgung aller Wohnungslosen, inklusive der Flüchtlinge ohne Wohnungen, in den Vorjahren nicht eingeleitet worden sind, wird es zu einem weiteren Anstieg der Zahl der wohnungslosen Menschen auf knapp 1,2 Millionen bis zum Jahr 2018 kommen", warnt Thomas Specht. 

Die Obdachlosenzahl in Deutschland ist auf knapp eine Million angestiegeniStock

 

32.000 Kinder und Jugendliche leben auf der Straße

Zu den genannten Zahlen zählen Menschen, die in einer Notunterkunft leben oder komplett auf der Straße. Letztere Zahl, ohne Einbezug der wohnungslosen Flüchtlinge, beläuft sich auf 52.000 Menschen, seit 2014 waren es noch 39.000 Menschen, die gar kein Dach über dem Kopf hatten. Etwa 70 Prozent sind laut BAG W alleinstehend, etwa 30 Prozent leben mit dem Partner oder Kinder(n) zusammen auf der Straße. Die BAG W schätzt die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen auf 32.000, die der Erwachsenen auf 390.000. 

 

Zuwanderung ist nicht die wesentliche Ursache des Anstiegs

Die Ursachen für den drastischen Anstieg der Obdachlosenzahl sieht Geschäftsführer Specht in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: „Die Zuwanderung wirkt zwar verstärkend, aber die wesentlichen Ursachen für Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit liegen in einer seit Jahrzehnten verfehlten Wohnungspolitik in Deutschland, in Verbindung mit der unzureichenden Armutsbekämpfung“, erklärt Specht. „Das Angebot an bezahlbarem Wohnraum ist unzureichend, der Sozialwohnungsbestand schrumpft ständig. Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen um 60 Prozent gesunken. Zusätzlich haben Kommunen, Bundesländer und der Bund eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft. Damit haben sie Reserven bezahlbaren Wohnraums aus der Hand gegeben.“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe fordert mehr Verantwortung in der Wohnungspolitik und Förderprogramme des Bundes und der Bundesländer, sowie einen entsprechenden neuen Gesetzentwurf.

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