KinderwunschEin Kind adoptieren – wie geht das eigentlich? 

Kind adoptieren - wie geht das?
Foto: damircudic / iStock
Inhalt
  1. Wer darf ein Kind adoptieren? 
  2. Die Kontaktaufnahme zum Amt
  3. Adoptions-Infoveranstaltung für interessierte Paare 
  4. Die Motivation der Paare für eine Adoption
  5. Schwierige Motivationslagen, wenn man ein Kind adoptieren möchte
  6. Das Prüfungsverfahren für Adotionsbewerber
  7. Anforderungen an die Bewerber 
  8. Können nur Besserverdiener ein Kind adoptieren?  
  9. Die Chancen für die Bewerber
  10. Zur Adoption freigegebene Kinder und ihre Eltern
  11. Kontakt zu den leiblichen Eltern? 
  12. Wann es amtlich wird
  13. Verbleib der Adoptionsunterlagen

Ein Kind zu adoptieren bedeutet, einem nicht leiblichem Kind ein Zuhause zu geben – vor allem einer Riesenportion Liebe. Wie geht man dieses Abenteuer an? 
Eine Adoption bedeutet, ein nicht leibliches Kind anzunehmen und es auf seinem Lebensweg zu begleiten. Und zwar mit allen Rechten und Pflichten für Eltern und Kind, wie es auch bei leiblichen Kindern der Fall ist. Damit sich das Kind in einer neuen Familie möglichst gut entwickeln kann, suchen staatlich anerkannte Adoptionsvermittlungsstellen nach den Bewerbern, die am besten zu diesem Kind passen könnten. Wie genau das in Deutschland funktioniert und welche Voraussetzungen Menschen erfüllen müssen, um ein Kind adoptieren zu können, erklärt uns Gudrun Schröder, Leiterin der Adoptionsvermittlungsstelle in Hamburg. Unsere Redakteurin Marthe Kniep hat sich für Wunderweib mit ihr getroffen. 

Die Hamburger Adoptionsvermittlungsstelle liegt genau am wunderschönen Stadtpark, in dem gerade Tausende Rhododendronblüten leuchten. Ich begebe mich zum Eingang und werde sofort herzlich von der Leiterin Frau Schröder in Empfang genommen. Ihre fröhliche, offene und annehmende Art gefällt mir sofort. Das verspricht kein trockenes Gespräch über behördliche Formalien zu werden. Die Frau hat Ausstrahlung und Erfahrung und ist mit Herz bei der Arbeit. Ich stelle mir vor, dass an einer Adoption interessierte Eltern anfängliche Unsicherheiten bereits nach dem ersten „Hallo“ mit Frau Schröder ablegen können. 
Im Gespräch mit ihr wird schnell klar, wie facettenreich das Thema Adoption ist und dass es DEN einen Weg zur Adoption nicht gibt. Vieles muss bedacht werden, was interessierten Adoptions-Laien wie mir zwar schnell einleuchtet, sich aber vorher als Frage nicht aufgedrängt hat. Das ganze Adoptionsverfahren lässt sich deshalb nicht in wenigen Worten erklären. Es ist ein längerer Prozess – vorrangig einer der inneren Auseinandersetzung mit allem, was dazu gehört, ein fremdes Kind anzunehmen. 

Hier sehen Sie eine besonders schöne Adoptionsgeschichte (Artikel geht unter dem Video weiter): 

 
 

Wer darf ein Kind adoptieren? 

In Deutschland dürfen nur Ehepaare, mittlerweile auch gleichgeschlechtliche, gemeinschaftlich ein Kind adoptieren, über die nach einem ausführlichen Prüfungsverfahren einen positiven Bericht erstellt wurde. Der Weg dorthin beginnt mit der Kontaktaufnahme zu der Adoptionsvermittlungsstelle, der man vom Wohnort her zugeordnet ist. 

 

Die Kontaktaufnahme zum Amt

Die Kontaktaufnahme ist unkompliziert und natürlich noch unverbindlich. Denn erst mal geht es ja darum, sich gut zu informieren. „Manche Eltern rufen für den Erstkontakt an, andere kommen persönlich ins Amt oder schreiben eine Mail.“ erklärt Frau Schröder. Alles drei sei okay. Sie rät dann den Interessierten, sich zunächst gut durch Bücher, Erfahrungsberichte aus Foren oder Artikeln zu informieren und darüber zu lesen, was andere Paare auf dem Weg zur Adoption eines Kindes in diesem Prozess erlebt haben. Und sich früh zu fragen: Ist das wirklich unser Weg? 

 

Adoptions-Infoveranstaltung für interessierte Paare 

Dann folgt der nächste Step: „Die Paare, die den Mut für den nächsten Schritt fassen, bekommen einen persönlichen Termin für einen Gruppeninformationsnachmittag bei uns, der ein bis zwei Mal im Monat stattfindet. Dann bekommen sie die Bewerbungsunterlagen mit und müssen sich erneut mit der Frage auseinandersetzten: Wollen wir uns bewerben? Ist das unser Weg?
Nicht selten dauert es ein halbes Jahr, bis dann wirklich die Unterlagen bei uns eingehen. Mit allen Urkunden, Führungszeugnis, Verdienstnachweisen, Meldebestätigung und was noch alles dazugehört.“ Wichtig sei auch der sogenannte „Lebensbericht“. Er sollte wichtige biografische Stationen beinhalteten und die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie – auch in Bezug auf Erziehung. Außerdem muss darin noch mal jeder Ehepartner für sich seine Motivation formulieren, warum er ein Kind adoptieren möchte. Sind die Unterlagen vollständig, kann es weitergehen. 

 

Die Motivation der Paare für eine Adoption

Die Motivation für eine Adoption könne sehr verschieden sein, erklärt Frau Schröder. Oft sei es ungewollte Kinderlosigkeit. Es gäbe aber auch Familien, die gern einem fremden Kind ein zu Hause geben möchten, das keinen leichten Start ins Leben hatte. Oder Paare, bei denen die Geburt eines leiblichen Kindes vielleicht so problematisch war, dass keine weitere Schwangerschaft riskiert werden kann. 
 „Haben sie sich wirklich schon von dem Gedanken an ein leibliches Kind verabschiedet? Von der Idee, die eigenen Gene weiterzugeben? Diese Frage spricht Sozialpädagogin Schröder mit den Bewerbern schon ziemlich zu Anfang an. Es sei wichtig, diesen Weg beschritten zu haben“, erklärt sie. Denn andernfalls passiere nicht selten das Phänomen, dass die Frau schwanger wird, kurz nachdem sie ein fremdes Kind angenommen hat. Weil das Paar „mehrgleisig gefahren“ ist und alle Möglichkeiten offenlassen wollte. „Und dann kommt etwas auf die Familie zu, was sie so auch nicht wollte. Deshalb raten wir Paaren in dieser Zeit zu verhüten, auch wenn das irgendwie paradox klingen mag. Aber das adoptierte Kind soll einfach die Chance haben, für eine gewisse Zeit im Mittelpunkt zu stehen. So wie wir es leiblichen Kindern auch wünschen.“ 

 

Schwierige Motivationslagen, wenn man ein Kind adoptieren möchte

Weil bestimmte Motive als Motivation auch ungünstig für das Kind sein können, ist Gudrun Schröder und ihren KollegInnen wichtig, dass eine ungewollte Kinderlosigkeit von den an einer Adoption interessierten Eltern auf gewisse Weise als Schicksal begriffen werden und angenommen werden konnte. Wird die Kinderlosigkeit noch als minderwertiges Gefühl erlebt, sei das ungünstig. „Denn das Kind soll ja nicht etwas bei der Mutter heilen müssen sondern die Mutter soll für das Kind da sein. Und es muss klar sein, dass ich das Kind nicht brauche, um mir oder anderen etwas zu beweisen.“ 
Auch ein zu starres Bild davon, wie das Kind sein sollte, sei ungünstig für dessen Entwicklung. „Das ist es gerade nicht, was wir wollen.“ betont Schröder erneut. Denn es geht für die Adoptionsvermittlungsstelle immer darum, die im Vergleich am besten geeigneten Eltern für ein bestimmtes Kind zu finden. Und nicht umgekehrt!  

 

Das Prüfungsverfahren für Adotionsbewerber

„Wichtig zu verstehen ist, dass das ganze Prüfungsverfahren prozesshaft ist und nicht im Zeitraffer abgewickelt werden kann“, erklärt die Leiterin der Adoptionsvermittlungsstelle. Zu dem Prozess gehören unter anderem Hausbesuche, Hausaufgaben, Einzelgespräche. Diese Phase dauert wenigstens drei bis sechs Monate. 
Ein entscheidender Punkt in den Paar- und Einzelgesprächen sei weiterhin „die Auseinandersetzung mit der Frage: Was können Sie sich vorstellen in Bezug auf das Kind? Denn viele der zu vermittelnden Kinder haben besondere Bedürfnisse.“ Sie sind zum Beispiel in der Schwangerschaft dem Drogenkonsum der Mutter ausgesetzt gewesen und haben nach der Geburt wochenlange Entzugserscheinungen. Schreien viel, sind unruhig und müssen ärztlich beobachtet oder behandelt werden. Bei vielen wisse man anfangs nicht, wie weit das Kind in der Zukunft besonderen Unterstützungsbedarf haben könne. 
„In der Prüfung geht es deshalb auch darum, wo die persönliche Grenze ist, wenn man nicht weiß, wie sich das Kind entwickelt. Man muss sich auch darüber Gedanken machen, was es heißt, ein Kind anzunehmen, das fremde Gene hat, in denen man sich selbst nicht wiederfindet. Was heißt für uns eigentlich fremd? Und was wird das Umfeld sagen? Je fremder das Äußere, desto eher kommen Fragen. Wie ist das für uns? Ist uns das egal? Oder wollen wir ein Kind, dass uns möglichst ähnlich sieht?“ Wer hier mal in sich geht, merkt schnell, dass dies keine einfachen Fragen sind.   

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: 

 

Anforderungen an die Bewerber 

„In erster Linie brauchen wir Eltern, die offen sind im Geist und die Eltern werden wollen“, betont Schröder. Aber natürlich gibt es einen ganzen Katalog von Aspekten, die im Vorfeld angeschaut werden müssen. Dazu gehören die Persönlichkeit der Bewerber, ihr Alter, die Gesundheit, Lebensziele und eine gewisse Zufriedenheit. Die Partnerschaftliche Stabilität und die Frage, ob schon Kinder da sind. Erziehungsleitende Vorstellungen, das Umfeld, Wohnverhältnisse, die berufliche Situation, wirtschaftliche Verhältnisse, Vorstrafen und die Möglichkeit der Aufnahme von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. 
Eine Familie muss sich darauf einstellen können, dass die Berufstätigkeit eines Elternteils für ein oder perspektivisch auch mehrere Jahre ausgesetzt werden muss, wenn dies die unvorhersehbaren Bedürfnisse des Kindes erfordern. Es sollte auch nach der Aufnahme in einem angemessenen Zeitraum ein eigenes Zimmer für das Kind zur Verfügung gestellt werden können. Das Alter der aufnehmenden Eltern sollte zu dem des Kindes passen (Richtwert: Eltern nicht mehr als 40 Jahre älter als das Kind). Es gibt einiges zu beachten und gedanklich durchzuspielen für alle Beteiligten. Wann genau es losgehen wird und ob überhaupt, ist dabei für viele Paare über einen längeren Zeitraum offen. 

 

Können nur Besserverdiener ein Kind adoptieren?  

Mir drängt sich da schnell der Gedanke auf, dass sich bei diesen hohen Anforderungen nur die sogenannten Upper-Class-Eltern eine Adoption leisten können. Doch dies sei überhaupt nicht so, betont die Einrichtungsleiterin. „Es sind Bewerber aus allen Schichten da. Und das ist auch so gewünscht.“ Aus ihrer Erfahrung mit den Familien weiß sie: „Offenheit im Geist hat mit Geld nichts zu tun. Es geht uns um die Herzenswärme. Und dass sich die Paare vorstellen können, ein fremdes Kind zu lieben und es auf seinem Weg zu begleiten. Und das geht auch mit wenig Geld.“ 

 

Die Chancen für die Bewerber

Geprüfte Adoptionsbewerber kommen für maximal drei Jahre auf die Liste der für eine Adoption in Frage kommenden Eltern. Eine Vermittlungsgarantie ist das jedoch nicht. Es kann auch sein, dass kein Kind vermittelt wird. Wer in diesem Wissen gern mehrgleisig fahren möchte, um seinen Chancen zu erhöhen, kann sich deshalb als geprüfter Bewerber auch bei Adoptionsvermittlungsstellen in anderen Bundesländern bewerben, vorwiegend in umliegenden Bundesländern, wegen der kurzen Wege. 

Diese Ratschläge kann jeder gebrauchen (Artikel geht unter dem Video weiter): 

 
 

Zur Adoption freigegebene Kinder und ihre Eltern

826 Kinder wurden in 2016 zur Adoption vorgemerkt, für die es 5.266 vorgemerkte Adoptionsbewerbungen gab. In Adoptionspflege befanden sich gut zweitausend Kinder. Von den knapp viertausend ausgesprochenen Adoptionen in diesem Erhebungszeitraum wurden 1.149 Kinder von nichtverwandten Eltern adoptiert. Etwa drei Viertel aller bundesweiten Adoptionen werden durch Verwandte übernommen. Am häufigsten ist die Stiefelternadoption. 
Abgesehen von den etwa 100 Stiefelternadoptionen werden in Hamburg im Durchschnitt etwa 20 Kinder pro Jahr vermittelt, für die etwa 60 Paare mit positivem Sozialbericht auf der Liste stehen. Eine Warteliste gibt es nicht. Es wird immer vorrangig geschaut, welche Eltern gut zu dem Kind passen. Und das ist unabhängig von der Nummer auf der Liste und der Vermittlungsnummer, die jedes Paar bekommt. 
Von den 20 Kindern waren im vergangenen Jahr alle Säuglinge oder Kleinkinder unter einem Jahr. Davon wurden vier dieser Kinder anonym geboren, vier Kinder vertraulich und eins in die Babyklappe gelegt. Diese Bedingungen bringen mit sich, dass die Adoptionsvermittlungsstelle nur wenig oder fast nichts über die Herkunftsfamilie und die Umstände der Schwangerschaft erfährt. In der Praxis heißt das für das Team der Vermittlungsstelle, „dass wir kaum recherchieren können, weil ja auch die Hebammen oder die Beraterinnen der Schwangerschaftskonfliktberatung der Schweigepflicht unterliegen. Ein Arzt darf uns nur Auskunft über das Kind geben. Ob es einen Drogenentzug durchmachen muss oder ähnliches können wir daher schon erfahren. Aber das ist nun mal sehr wenig. Ein ausführliches Profil des Kindes zu erstellen, ist bei diesen Kindern kaum möglich.“ 
Und deshalb ist es auch in diesen Fällen besonders schwer einzuschätzen, welche Eltern sich gut darauf einstellen können, dass sie keinerlei Informationen darüber haben, was diesem Kind möglicherwiese in die Wiege gelegt wurde. 
„Lieber sind uns deswegen die halboffenen Adoptionen“, führt Schröder aus. Denn dabei nehmen die abgebende Mutter und die Adoptionsvermittlungsstelle meist noch vor der Geburt Kontakt miteinander auf. Dies beinhaltet die Möglichkeit, viel über die Herkunftsfamilie zu erfahren. Außerdem können sich die in Frage kommenden Eltern und die abgebenden Eltern  kennenlernen. Mit Vornamen, damit „das Inkognito“ gewahrt wird. Diese Treffen sind sehr wertvoll, um später dem Kind etwas über seine Mutter oder vielleicht auch seinen Vater erzählen zu können.  
Mit den abgebenden Eltern wird im Vorfeld der Adoption besprochen, was sie sich für ihr Kind wünschen. Dies sei meist genau das, was sie selber dem Kind nicht geben können: ein traditionelles Familienbild, in das das Kind hineinkommen sollte. Geld sei eher kein Thema. Aber ein schönes Zuhause oder dass die neuen Eltern dem Kind in der Schule helfen können. 

 

Kontakt zu den leiblichen Eltern? 

Diese halboffene Variante der Adoption lässt auch den Austausch von Bildern, Briefen oder Geschenken zu. Wenn es von beiden Seiten und insbesondere vom Kind gewünscht ist,  auch persönlichen Kontakt. Die Übermittlung oder das Arrangieren von Treffen übernimmt dann die Adoptionsvermittlungsstelle, damit die Anonymität darüber hinaus gewahrt wird. Die Pädagogin weiß, wie wichtig es für die Kinder ist, dass die leiblichen Eltern nicht ausgeblendet werden. Genauso wie ein möglichst offener Umgang damit, dass das Kind adoptiert ist. Denn dies über Jahre geheim zu halten, würde sonst häufig als gravierender Vertrauensmissbrauch empfunden. 
Wenn ein adoptiertes Kind hingegen hört, dass seine leibliche Mutter die neue Familie extra für es ausgesucht hat, ist das vielen Kindern ganz wichtig zu wissen. Darin stecke auch die Botschaft: Du warst deiner Mutter nicht egal. Sie hat genau geschaut, bei wem du aufwachsen sollst.“ Dass diese Botschaft beim Kind ankommen kann hat viel mit der ausführlichen Beratung der Paare im ganzen Verfahren zu tun“.

 

Wann es amtlich wird

Kommen die abgebenden Eltern, die zur Adoption ausgewählten Eltern und das Amt zu dem Ergebnis, dass alle Umstände passend erscheinen, wird das Kind für die sogenannte Adoptionspflegezeit in die neue Familie übergeben. Dann ist es endlich soweit, und alle können damit beginnen, zu einer Familie zusammen zu wachsen. Das Amt begleitet die Familie, bis das gerichtliche Adoptionsverfahren beendet ist. Diese „Adoptionspflegezeit“ kann in der Praxis zwei bis drei Jahre dauern. 
Mit Abschluss des gerichtlichen Adoptionsverfahrens gibt es einen gerichtlichen Adoptionsbeschluss. Durch ihn bekommen die neuen Eltern das volle Sorgerecht und können den eigenen Familiennamen für das Kind eintragen lassen. In diesem Zuge wird auch eine neue Geburtsurkunde erstellt, die keine Rückschlüsse auf eine Adoption zulässt. Dann ist formell alles so, wie es auch bei einem leiblichen Kind wäre und dann geht das Jugendamt aus der Familie raus. Für Anliegen zur Klärung der frühen Vergangenheit bleibt die Adoptionsvermittlungsstelle jedoch weiterhin zuständig, ebenso für alle Fragen, die auch in Zukunft im Zusammenhang mit der Adoption noch so auftreten könnten.

 

Verbleib der Adoptionsunterlagen

Beruhigend klingt, dass alle Akten 100 Jahre ab der Geburt des Adoptierten aufbewahrt werden, sodass jeder noch zu Lebzeiten – aber nur der Adoptierte persönlich – rauskriegen kann: Wie war das damals? Ab dem 16. Lebensjahr hat das adoptierte Kind ein eigenständiges Recht von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, wenn es will auch ohne Wissen und Einwilligung der Adoptiveltern.  Manche kommen aber auch erst viel später, wenn sie selbst erwachsen sind und eigene Kinder haben.
Die mittlerweile „großen“ adoptierten Kinder über die Umstände ihrer Adoption zu informieren, läuft ausschließlich in Gesprächen mit erfahrenen Fachkräften und erfordert ein großes Einfühlungsvermögen durch die Mitarbeiter der Behörde. In Hamburg fühlte ich mich in dieser Hinsicht gut aufgehoben. Und ich wünsche allen Menschen, die sich auf diesen Weg machen, dass sie auch auf so offene und mutmachende Menschen wie Frau Schröder treffen. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass der Weg durch die Prüfung bis zum Adoptionsbeschluss zwischendurch ganz schön an den eigenen Grundfesten und der Stabilität des Paares rütteln kann. Hut ab also vor allen, die es angehen und sich mit einer Adoption der Aufgabe annehmen wollen, ein fremdes Kind als ihr eigenes Kind ohne Wenn und Aber anzunehmen.    
Autorin: Marthe Kniep

Kategorien: