Neues GesetzEine Mutter treibt ihr Baby ab, weil sie es sich nicht leisten kann

Eine Mutter hat ihr Baby abgetrieben wegen einem neuen Gesetz, das in Großbritannien in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz zwingt inzwischen viele Eltern ihre Familienplanung zu überdenken. 

Sally aus Großbritannien hat der britischen Tageszeitung "Mirror" die Geschichte von ihrer Abtreibung erzählt. Sie und ihr Partner hatten sich wahnsinnig auf ihr drittes Kind gefreut, ihre beiden Söhne sollten endlich eine kleine Schwester bekommen. Doch dann trat in England das "Universal Credit"-Gesetz in Kraft. Es sieht vor, dass der Staat nur noch Kinderfreibeträge und Sozialleistungen und zwei Kinder pro Familie zahlt. 

 

Keine Unterstützung für sozial schwache Familien

Für Sally und ihren Mann war dieses neue Gesetz eine Katastrophe. Da sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, kann sie den Beruf, in dem sie die letzten zwölf Jahre tätig war, nicht mehr ausüben. Sallys Partner lässt sich gerade zum Personal Trainer umschulen, weil er in seinem alten Job keine Arbeit mehr gefunden hat. Das Paar bezieht Sozialleistungen vom Staat für ihre vier und fünf Jahre alten Söhne. "Eine dritte Schwangerschaft war hatten wir nicht unbedingt geplant, aber wir haben uns riesig gefreut, als wir davon erfuhren", erzählt Sally. 

Doch das neue Gesetz änderte alles: "Ich war vier Monate schwanger und plante, was wir noch für das Baby kaufen müssen. Dann erzählte mir meine Freundin, dass man kein Geld mehr für ein Kind, das nach 2017 geboren wurde, bekommt", so Sally weiter. Sie und ihr Partner mussten eine schwere Entscheidung treffen. "Wir kommen selbst gerade so über die Runden", sagt sie. Ein Leben in Armut wollte sie ihren Kindern ersparen. 

 

Sally entschließt sich zu einer Abtreibung

Sie weinte bei jedem Besprechungstermin beim Arzt und nach der Abtreibung. "Ich denke, das ist etwas, das ich mir nie verzeihen werde. Ich weiß, ich hätte es von Anfang an verhindern sollen", sagt sie. Die Schuld gibt sie aber auch dem System und der Politik, die ihr keine andere Wahl gelassen haben, als ihr gewollte Schwangerschaft abzubrechen. "Ich werde dafür bestraft, dass ich arm bin. Ich bin angewidert von der Regierung, ein Zwei-Kinder-Limit ist krank und ekelerregend."

Finanzielle Schwierigkeiten, Unsicherheit im Job oder die Wohnsituation sind die häufigsten Gründe, dass sich Frauen für eine Abtreibung entscheiden. Das "Universal Credit"-Gesetz verstärkt diese Problematik meint Clare Murphy, Direktorin der außerbetrieblichen Angelegenheiten bei British Pregnancy Advisory Service: "Minister sprechen davon, dass die Menschen sich für eine Anzahl von Kindern ‘entscheiden’ müssen. Dazu muss man anmerken, dass Frauen in England nicht so einfach eine Abtreibung machen können", erklärt sie. Denn nur wenn zwei unabhängige Ärzte dem Eingriff zustimmen, kann eine Abtreibung vorgenommen werden. 

Sally und ihr Partner können ihre Entscheidung nicht rückgängig machen. Und selbst wenn dieses umstrittene Gesetz doch wieder gekippt wird, die Schulgefühle kann ihnen niemand nehmen. 

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