GesundheitEinsamkeits-Epidemie: Deutsche Politiker sagen Einsamkeit den Kampf an

Immer mehr Menschen droht die Vereinsamung. Dabei erhöht sie die Sterblichkeit und fördert Krankheiten. Politiker wollen dagegen ankämpfen.

Inhalt
  1. Einsamkeit macht krank
  2. Einsamkeit ist kein Altersproblem
  3. Tiefe Beziehungen beugen Einsamkeit vor
  4. Politik soll Einsamkeit bekämpfen
  5. Zusammenhang zwischen Armut und Einsamkeit

"Es gibt keine Altersgruppe, in der sich Menschen nicht einsam fühlen", sagt die Psychologie-Professorin Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum. In ihrer 2016 veröffentlichten Studie fand sie heraus, dass sich jeder Siebte zwischen 45 und 65 Jahren einsam fühlt. Bei den über 85-Jährigen ist es sogar jeder fünfte. Bei den 26- bis 35-Jährigen fühlt sich etwa jeder achte einsam.

 

Einsamkeit macht krank

Diese Fakten hören sich nicht nur traurig an, sondern rufen auch Gesundheitsexperten auf den Plan. Denn Einsamkeit ist ein Krankmacher. "Die Einsamkeit in der Lebensphase über 60 erhöht die Sterblichkeit so sehr wie starkes Rauchen", sagt etwa Karl Lauterbach, Mediziner und SPD-Politiker, gegenüber der BILD-Zeitung. Wer einsam ist, erkrankt laut Lauterbach häufiger an Demenz und stirbt früher.

Dass die Folgen von Einsamkeit keine Bagatellen sind, wurde spätestens deutlich, als Großbritannien ein Ministerium für Einsamkeit ins Leben rief. Die britische Staatssekretärin für Sport und Ziviles, Tracey Crouch, soll die Einsamkeit in Großbritannien bekämpfen. Laut dem Roten Kreuz fühlen sich 9 Millionen Briten häufig einsam. Wie in Deutschland, lautet also das Ergebnis: ca. jeder Siebte ist einsam.

 

Einsamkeit ist kein Altersproblem

US-Forscher sprechen inzwischen von einer Einsamkeits-Epidemie, das Rote Kreuz von einer "Epidemie im Verborgenen", - denn kaum einer spricht über die Einsamkeit. Die, die es trifft, möchten oder können nicht darüber sprechen. Oder sie haben niemanden, an den sie sich wenden können. Ob nach einer Trennung, dem Jobverlust oder bei Todesfällen: Einsamkeit ist - im Gegensatz zu vielen Vermutungen - kein Seniorenproblem. Einsamkeit kann jeden treffen, in jeder Lebensphase - unabhängig auch davon, ob man im Getümmel einer Großstadt lebt oder auf rar besiedeltem Land.

"Kinder sind keine Garantie gegen Einsamkeit"

Psychologie-Professorin Luhmann, weiß: "Auch Kinder sind keine Garantie gegen Einsamkeit. Gerade wenn sie selber noch Kinder haben oder weit weg wohnen." Was wirklich gegen Einsamkeit hilft, sind andere Menschen: "Prinzipiell sind Menschen weniger einsam, je mehr tiefe Beziehungen sie haben und je mehr sie sich zugehörig fühlen", sagt Luhmann.

 

Tiefe Beziehungen beugen Einsamkeit vor

Somit sind soziale Netzwerke nur eine kleine Hilfe bei dem Kampf gegen die Einsamkeit. Denn häufig bleiben gerade diese Verbindungen eher oberflächlich. "Einsame Leute wieder in die Gesellschaft zu holen, ist eine Aufgabe, die man nicht einfach kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Partnerschaftsbörsen überlassen darf", sagt der Präsident der Diakonie Ulrich Lilie. "Wir brauchen ein Bündnis aus Politik und gesellschaftlichen Gruppen, wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen", forderte Lilie laut der Funke Mediengruppe. Es sei Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass Einsamkeit bekämpft wird.

 

Politik soll Einsamkeit bekämpfen

Der Politiker Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU / CSU-Bundestagsfraktion, fordert, Einsamkeit mehr zu thematisieren: "Wir müssen uns des Themas Einsamkeit annehmen, Forschung hierzu fördern, Programme auflegen, neue Konzepte entwickeln." Das Thema müsse "enttabuisiert" werden.

Da chronische Einsamkeit zu psychischen und körperlichen Schäden führen kann, soll das Gesundheitsministerium für diesen Themenbereich zuständig sein. Denn auch die Lebensgestaltung einsamer Menschen ist häufig gesundheitsschädigend: "Einsame Personen rauchen häufiger, sind eher in Gefahr, übergewichtig zu sein und berichten weniger körperliche Aktivität", sagt etwa Anne Böger vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA). Damit gehen auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko und Herzgefäß-Probleme einsamer Menschen einher. Auch Depressionen und die Flucht in erhöhten Alkoholkonsum können eine Folge von Einsamkeit sein - und gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.

 

Zusammenhang zwischen Armut und Einsamkeit

In der von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebenen Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD, sind alleinlebende Menschen gelistet (Schlüssel Z60.2). Das Alleinleben fällt unter die "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen." Als Ursache werden sozioökonomische und psychosoziale Umstände genannt.

Diakonie-Präsident Lilie begründet: "Armut und Vereinsamung hängen ganz klar zusammen." Viele Mieter hätten Angst, sich ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können und bei einem Umzug aus ihrer Umgebung gerissen zu werden. "Da finden Verdrängungswettbewerbe statt, bei denen wir nicht einfach zugucken können."

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(ww7)

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