Staatlich gesponsortes UrlaubgeldElterngeld: Wer kann uns eigentlich vorschreiben, was wir mit unserem Geld machen?

Ein langer Urlaub in der Elternzeit? Eine Autorin der SZ findet, dass das ein abolustes No-Go ist. Wie das Verhältnis von Müttern und Vätern in Deutschland aussieht.

Es ist 2017: Väter nehmen Elternzeit, Mütter können trotz Kleinkindern in Führungsebenen arbeiten und wir lieben den Babyboom. Aber Stopp! Ein Autorin der Süddeutschen Zeitung sieht das offensichtlich ganz anders!

Als ich einen Kommentar zum Thema Elterngeld in der Süddeutschen Zeitung gelesen habe, ist mir ganz übel geworden. Nicht, weil ich schwanger bin, sondern weil ich es unglaublich finde, dass sich Eltern anstatt entstandene Freiheiten genießen zu können offensichtlich immer noch rechtfertigen müssen diese Freiheiten auch tatsächlich wahrzunehmen. Wer kann uns eigentlich vorschreiben, wie wir unser Elterngeld nutzen?

 

"Elterngeld ist kein staatlich gesponsortes Urlaubsgeld"

Ausgerechnet eine Frau - vielleicht sogar Mutter - lässt sich darüber aus, dass immer mehr Väter ihr Elterngeld für einen staatlich finanzierten Familienurlaub nutzen. Und so an der Realität des Mutterseins vorbeileben würden. Traumstrände anstatt voller Windeln, exotisches Essen statt Babybrei und ganz viel Entspannung anstatt des alltäglichen Horrors, den die Elternzeit so mit sich bringt.  Kurz vergisst sie dabei auch, dass ein Baby selbst beim schönsten Sonnenuntergang keine Rücksicht auf die Interesse seiner Eltern nimmt: Ist die Windel im Traumurlaub voll, muss sie genauso gewechselt werden, wie im heimischen Kinderzimmer.

 

Papas fahren in den Urlaub und Mamas schuften Zuhause

„Väter nutzen ihre staatlich geförderten zwei Partnermonate Elterngeld hauptsächlich um einen tollen Urlaub zu machen“, so die Autorin. 80 Prozent der Väter nähmen auch tatsächlich nur zwei Monate frei und würden so "nur" ihre Partnermonate nutzen, anstatt die Mutter durch eine längere Elternzeit zu entlasten und ihr so den Einstieg in das Arbeitsleben zu erleichtern. Und aus diesen zwei Monaten würden sie dann mit einem netten Urlaub noch eine "Elternzeit light" machen. Ohne wirkliche Verpflichtungen und auf Kosten des Staats.

Mal ganz ehrlich: Welche Mutter stellt es sich schön vor vom Abstillen direkt ins Büro zu rennen?  Wer möchte wirklich sein kleines Würmchen nach nur ein paar Monaten allein lassen? Natürlich ist ein Baby mit dem Papa nicht allein. Aber, wer abstreiten möchte, dass man als Mama gerade in den ersten Lebensmonaten mit seinem Baby so viel Zeit wie möglich verbringen möchte, der hat wenig Empathie für die Gefühle einer Mutter.

 

Lassen uns die Väter echt im Stich mit ihrer "Spaß-Elternzeit"?

Vielleicht ist es gar keine Entscheidung, die Männer treffen: Ich als Mutter möchte einfach gerne länger Zeit mit meinem Kind verbringen und will nicht nach nur ein paar Monaten wieder in den Job hetzen und mich von meinem Säugling trennen.

Wenn die Autorin dafür plädiert, der Mutter den Einstieg in den Job zu erleichtern, indem der Vater länger "echte" Elternzeit macht, frage ich mich, warum es für mich leichter sein soll nach wenigen Monaten in den Beruf zurückzukehren als nach zehn oder zwölf? Der Abschied fällt immer schwer und der Druck auf Mütter im Job ist immer gleich hoch. Egal, ob Papi nun einen Urlaub in seiner Elternzeit gemacht hat oder sich ein halbes Jahr mit dem Baby daheim beschäftigt hat. Vielleicht sind wir sogar ein bisschen erholter und entspannter, wenn wir einen längeren gemeinsamen Urlaub gemacht haben?

 

Sozial schwächere Eltern können keinen Urlaub machen

Und ein weiterer Dorn sticht ins Auge der Autorin: Das Elterngeld bezieht sich auf das Nettogehalt. Wer mehr verdient, bekommt auch mehr Elterngeld. Das sind bis zu 67 Prozent des Nettogehalts. Maximal 1800 Euro. Demnach bekommen Eltern mit geringerem Einkommen auch weniger Elterngeld und hätten demnach überhaupt nicht die Chance die gemeinsame Elternzeit für einen Urlaub zu nutzen. Hier stellt sich dann laut Autorin schon die Frage: "Ob sie sich die Anschaffung wie ein neues Babybett überhaupt leisten können".

Dürfen dann besser verdienende Eltern generell keinen Urlaub machen? Oder müssen sie sich anstatt vier Wochen am Stück zwei Urlaube à zwei Wochen buchen, damit es nicht so aussieht, als würden sie ihr Elterngeld verprassen?

 

Eltern, lasst uns unsere Elternzeit genießen - egal, wie!

Warum gibt es immer wieder Menschen, die uns vorschreiben wollen, wie wir unser Leben zu leben haben? Was wir mit unserem Geld, das wir uns durch unseren Job erarbeitet haben, zu tun haben? Warum muss sich jemand, der mehr verdient, dafür rechtfertigen, was er mit seinem Elterngeld macht? Was kommt als Nächstes? Werden jetzt Mütter angefeindet, die mehr als 1000 Euro für ihren Kinderwagen ausgegeben haben?

Ich finde, wir sollten die Freiheiten, die wir als Eltern haben so nutzen können, wie wir wollen. Ich möchte mich als Mutter nicht schlecht fühlen müssen, weil ich damit einverstanden bin, dass mein Mann "nur" zwei Monate beim Kind bleibt. Genauso wenig möchte ich angefeindet werden dafür, dass ich einen Urlaub plane. Und dass auch ohne den Höchstsatz von 1800 Euro.

 

Frei entscheiden anstatt neidisch zu verurteilen

Eltern sollten im Jahr 2017 das Recht haben, mit dem staatlichen Geld, das ihnen zu Verfügung steht, machen zu dürfen, was sie wollen. Der eine will einen Monat in Thailand verbringen, der andere bleibt lieber Zuhause und kauft eine Kinderausstattung für mehrere tausend Euro. Und das gilt genauso für sozial schwächere Eltern: Auch die haben das Recht ihr Geld so einzuteilen, wie sie es für richtig halten. Jeder setzt seine Prioritäten selbst.

Anstatt neidisch zu gucken, was andere mit ihrem Elterngeld machen, versuche ich selbst glücklich zu sein in meiner Elternzeit. Ob nun mit 800 Euro oder 1800 Euro. Wichtig ist nicht, ob ich meine Zeit an einem Traumstrand oder wo auch immer verbringe, sondern, dass ich frei und ohne Vorurteile entscheiden kann, wie ich meine Elternzeit erlebe.

 

 

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