ErziehungErziehung: Warum Eltern öfter NEIN sagen sollten - und was Smartphones damit zu tun haben

Seit 1995 leben wir in einer digitalen Welt. Das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile: Erwachsene neigen dazu, ihren Kindern ein Smartphone in die Hand zu drücken, wenn sie quengeln.

"Ich sehe seit dem Jahr 1995 eine Tendenz, dass Eltern die Launen ihrer Kinder immer weniger ertragen und ihnen einfach schnell das geben, was sie wollen, damit sie ruhig sind“, sagt der Kinderpsychiater Michael Winterhoff gegenüber Business Insider. Denn in diesem Jahr setzte die digitale Revolution ein. Und die ist mittlerweile so extrem, dass wir wie Smombies durch die Welt rennen: Wir sind Smartphone-Zombies. Das Jugendwort des Jahres 2015 trifft nicht nur auf die jüngere Generation zu. Erwachsene laufen mit gebeugten Köpfen über die Straße, checken ihre Mails noch bevor sie überhaupt den ersten Kaffee oder eine Dusche hatten und wenns piept, greifen wir sofort zum Handy.

Unter diesen Verhaltensweisen leiden nicht Menschen, die einen achtsameren Umgang mit Smartphones, Tablets und PCs pflegen sollen - sondern vor allem auch die Kinder. "Erwachsene agieren heutzutage nicht mehr. Sie reagieren nur. Auf ihr Smartphone, auf ihr Tablet, auf ihren Computer, auf ihr Kind. Und sie reagieren sofort", sagt Winterhoff. „Man ist ständig im Katastrophenmodus und deshalb versucht man, Kinder auch schnellstmöglich ruhig zu stellen. Im schlimmsten Fall setzt man sie noch vor den Fernseher oder vor ein Tablet, dann sind sie für mehrere Stunden beschäftigt.“

Aus einer Studie der BLIKK-Medien geht hervor, das 75 Prozent der deutschen Kinder zwischen zwei und vier Jahren täglich 30 Minuten (!) mit dem Smartphone spielen.

Smartphone & Co:: Wie Kinder durch die digitale Welt verlernen, was NEIN bedeutetiStock

 

Erwachsene müssen wieder lernen, Nein zu sagen

Winterhoff sieht darin eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung. Er plädiert dafür, dass Erwachsene wieder lernen, Nein zu sagen - auch, wenn das Kind dann schreit und bockig wird. Unsere sogenannte Frustrationstoleranz ist sehr in der heutigen Zeit sehr niedrig. Sobald wir in eine Situation geraten, die uns nervt und stresst, knallen manchmal die Sicherungen durch, wir rasten aus. „Die Frustrationstoleranz sollte bei Kindern schon ab dem achten oder neunten Monat ausgebildet werden“, empfiehlt Psychologe Winterhoff. Geben wir zu schnell nach, wenn das Kind etwas will, hat das auch Konsequenzen für die Zukunft. „Wir haben jetzt schon fast 60 Prozent an jungen Erwachsenen, die nicht arbeits- und lebenstüchtig sind und es werden in naher Zukunft sicher noch mehr.“ Winterhoff sieht auch die Lehrer und Schulen in der Verantwortung. 

Was hilft, ist, sich selber Ruhephasen zu schaffen, um mit stressigen Situationen gelassener umgehen zu können. Damit das Handy da bleibt, wo es ist: In der Tasche. 

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