UmweltEU-Kommission will Plastikgeschirr verbieten - was bedeutet das für uns in Deutschland?

Um den umweltschädigenden Plastikmüll zu bekämpfen, will die EU-Kommission zehn Plastikartikel verbieten. Zudem ist eine Plastikmüllabgabe für jedes EU-Land geplant.

Plastikmüll ist - genau wie Zigaretten - ein weltweites Problem für unsere Umwelt. Im Jahr 2050 werden mehr Plastikteile in den Meeren schwimmen, als Fische. "Jede Sekunde landen etwa 700 Kilogramm Plastikmüll in unseren Ozeanen", warnte EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans. Nun hat die EU-Kommission ein Maßnahmen-Paket vorgestellt, dass bestimmte, oft angespülte Plastikartikel verbieten will. "Es ist wichtig, dass wir den Gebrauch dieser Produkte massiv einschränken", sagte Timmermanns. 

Dazu zählen u.a. diese Produkte für die es bezahlbare Alternativen gebe:

  • Plastikgeschirr
  • Plastikbesteck
  • Strohhalme aus Plastik
  • Wattestäbchen
  • Plastikhalterungen von Luftballon
  • Getränkeflaschen

Für andere Plastikprodukte sollen Warnhinweise auf den Verpackungen stehen, die über die Umweltrisiken aufklären. Einzige Ausnahme bilden Verpackungen von beispielsweise Imbissbuden. Allerdings sollen die Hersteller von Fast-Food-Verpackungen die Kosten für die Müllentsorgung tragen und Umwelt-Aufklärungskampagnen finanzieren.

 

Plastikgeschirr: Plastikmüllabgabe für EU-Staaten 

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger plant zudem eine Plastikmüllabgabe, die nicht direkt uns als Verbraucher betrifft (und nicht Teil des EU-Maßnahmepakets ist), sondern die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. „Unser Vorschlag ist, dass jeder Mitgliedstaat pro Kilogramm nicht recyceltem Plastikmüll einen bestimmten Betrag an den EU-Haushalt abführt. Damit entsteht ein Anreiz für die nationale Politik zu prüfen, wie Plastikmüll reduziert werden kann - über  Verbote, Aufklärung, eine nationale Steuer oder eine Gebühr etwa auf Plastik-Tragetaschen", sagte Oettinger.“, erklärte Oettinger gegenüber der Funkemedien Gruppe. Etwa 80 Cent pro Kilogramm seien dies. „Wir glauben, dass wir diesem zentralen neuen Umweltproblem damit Rechnung tragen: Plastik im Meer, in Gewässern und in der Natur ist eine große Gefahr für die Tierwelt, aber auch für Menschen und die Nahrungskette.“

Die Einzelstaaten und das EU-Parlament müssen über den Gesetzesvorstoß noch verhandeln, weshalb eine endgültige Regelung wohl noch einige Monate dauern wird.

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So viel Kunststoffmüll produziert jeder Deutsche im Jahr

Allein in Deutschland produziert laut der Organisation Care Elite jeder Bürger durchschnittlich 37 kg Plastikmüll nur aus Verpackungsmüll pro Jahr. Davon werden nur etwa 42 Prozent recycelt. Europa macht ein Viertel des weltweiten Plastik-Verbrauchs aus. Die EU-Kommission hatte bereits Anfang des Jahres einen Plan vorgelegt, nachdem bis 2030 alle Kunststoffverpackungen in der EU recyclingfähig sein sollen. 
Die Deutsche Umwelthilfe sieht die Maßnahmen als positiv an, gibt aber zu bedenken, dass aus Einweg-Plastikgeschirr nicht Bioplastik werden darf, da auch diese Herstellung viele Ressourcen verbraucht und sich nur sehr langsam zersetzt. 

Insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff wurden weltweit laut Care Elite seit 1950 produziert. Das entspricht einem Gewicht von 80 Millionen (!) Blauwalen.

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