Geschlechter-VergleichEU-Vergleich: In Deutschland werden Frauen extrem ungerecht bezahlt

Frauen verdienen weniger als Männer. Im EU-Vergleich schneidet Deutschland sehr schlecht ab: Hier ist die Ungerechtigkeit besonders hoch.

Inhalt
  1. Gender-Pay-Gap: Deutschland vernachlässigt Frauen
  2. Gehälterkluft in Deutschland weit unter EU-Durchschnitt
  3. Deutsche Wirtschaft stark - Frauen in Deutschland schwach
  4. Gleichberechtigung: Armutszeugnis für Deutschland
  5. Einkommenskluft fördert Gewalt gegen Frauen

In keinem Land der Welt bekommen Frauen das gleiche Gehalt wie Männer - sogar bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation. Um die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern genauer zu erfassen, hat die EU eine europaweite Studie in Auftrag gegeben. Sie soll zeigen, um welche EU-Länder es am schlimmsten steht.

 

Gender-Pay-Gap: Deutschland vernachlässigt Frauen

Das Ergebnis ist für Deutschland vernichtend: Im Vergleich mit den 28 EU-Ländern landet Deutschland auf dem drittletzten Platz! Deutschland schafft es gerade mal auf Platz 26, wie die EU-Kommission jüngst veröffentlichte.

Die durchschnittliche Stundenlohn-Differenz zwischen Frauen und Männern in Deutschland liegt bei satten 22 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 16,3 Prozent.

 

Gehälterkluft in Deutschland weit unter EU-Durchschnitt

Die zwei einzigen EU-Länder, die noch ungerechtere Löhne bieten, sind Tschechien - welches erst 1993 gegründet wurde - und Estland - ein ehemaliges Sowjet-Land (Tschechien weist eine Lohn-Differenz von 22,5 Prozent auf, Estland 26,9 Prozent).

Vorreiter in der EU sind dagegen Italien und Luxemburg. Hier gibt es "nur" eine Stundenlohn-Differenz von 5,5 Prozent zwischen den Geschlechtern.

 

Deutsche Wirtschaft stark - Frauen in Deutschland schwach

Der EU-Gehälter-Vergleich ist ein Armutszeugnis - gerade für Deutschland:

  • Gerade Deutschland, das wirtschaftsstärkste Land der Europäischen Union (!), hinkt bei der Lohn-Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern weit zurück.
  • Gerade Deutschland, das Land, das berühmte Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer, Edith Stein und Clara Zetkin hervorgebracht hat, schafft es nicht, im Jahr 2017 faire Löhne zu zahlen.
  • Gerade Deutschland, das Land, das von einer Frau geführt wird - namentlich Angela Merkel - und das seit über zwölf Jahren! - vernachlässigt die Gleichstellung berufstätiger Frauen.
 

Gleichberechtigung: Armutszeugnis für Deutschland

Das Lohngefälle hat in den letzten Jahren allerdings nicht abgenommen - trotz Bemühungen wie etwa einem Mindestlohn oder Lohntransparenz. Gründe dafür sind Folgende:

  • Immer noch sind es Frauen, die zu Auszeiten im Beruf gezwungen sind (z.B. wegen der Kinder oder pflegebedürftiger Verwandten).
  • Immer noch sind es Frauen, denen gläserne Riegel vor Führungsposten geschoben werden.
  • Und immer noch sind es Frauen, die viel öfter als Männer Niedriglohn-Berufe ausüben. So sind 85 Prozent aller Reinigungskräfte und 73 Prozent aller Verkäuferinnen in Deutschland Frauen.

Doch sogar wenn man die Gehälter von gleich qualifizierten Frauen und Männern in gleichen Positionen betrachtet, bleibt immer noch eine Lohndifferenz von 6 bis 7 Prozent bestehen.

 

Einkommenskluft fördert Gewalt gegen Frauen

Für die nächsten zwei Jahre plant die EU-Kommission das "garantierte Recht auf gleiche Bezahlung" durchzusetzen - sei es, indem man die verantwortlichen Länder und Unternehmen dazu drängt. Zudem sollen EU-weit Projekte zur Förderung von Frauen in Führungspositionen ins Leben gerufen werden. Das Ziel: Frauen und Männer sollen die Gesellschaft gleichmäßig repräsentieren.

Die EU-Kommissarin für Gleichstellung und Justiz, Vera Jourová, sieht einen Zusammenhang zwischen der ungerechten Bezahlung und Gewalt gegen Frauen (inklusive sexueller Belästigung): "Das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern muss beseitigt werden, denn wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ist ihr bester Schutz vor Gewalt." Die Ungerechtigkeiten seien "unfair und in der heutigen Gesellschaft nicht hinnehmbar", lautet das Urteil Jourovás.

Der Erste Vizepräsident der EU-Kommission, der Niederländer Frans Timmermans, erklärte: "Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein in den EU-Verträgen verankertes Grundrecht. (...) Die Frauen in ganz Europa haben ein Recht auf Gleichstellung, auf Stärkung ihrer Position in der Gesellschaft und auf Sicherheit - doch sind diese Rechte für viel zu viele Frauen noch keine Wirklichkeit."

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