Skandalöser VergleichEx-Weihbischof Laun vergleicht Segen für homosexuelle Paare mit dem für ein KZ

Mit einem Vergleich zwischen dem Segen für homosexuelle Paare und dem Segen für ein KZ sorgt der österreichische Ex-Weihbischof Laun für sehr viel Aufregung.

Inhalt
  1. Erzkonservativer Bischof spricht homosexuellen Paaren den Segen ab
  2. Ex-Bischof Laun bereut seine Aussagen nicht
  3. Evangelische Kirche fordert strafrechtliche Ermittlungen

 

Anfang Februar 2018 sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, gegenüber dem bayrischen Radiosender B5, dass in Einzelfällen nun auch eine Segnung von homosexuellen Paaren möglich sein soll. Wortwörtlich sagte Marx: "Ich sehe da eigentlich keine Probleme."

Schon im Januar 2018 äußerte sich Franz-Josef Bode, der Osnabrücker Bischof, zu der Ehe für alle. Er erklärte, dass diese "nun politische Realität" sei und man sich damit auseinandersetzen müsse, wie man homosexuellen Menschen, die sich zum Teil auch in der Kirche engagieren, nun begegnen wolle. Gleichzeitig wies er jedoch auf die Unterschiede zwischen dem Konzept der gleichgeschlechtlichen Ehe und dem kirchlichen Verständnis der Ehe hin. 

Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass sich die Kirche in einer Phase der Veränderung befindet. Aber dies gefällt nicht allen - insbesondere nicht den Erzkonservativen, wie dem österreichischen emeritierten Weihbischof Andreas Laun.

 

Erzkonservativer Bischof spricht homosexuellen Paaren den Segen ab

Auf dem erzkonservativen Portal kath.net fand er ganz deutliche Worte dafür, was er davon hält, homosexuelle Menschen zu segnen: "Lieber Kardinal Marx und lieber Bischof Rode, es gibt nur eine katholische Antwort: Nein! Und eure Zufügung 'im Einzelfall' ist absolut wertlos, hat keine argumentative Kraft."

Den Segen Gottes könne man zwar für Menschen, seien sie nun Heilige oder Sünder, wie auch für Gegenstände und Handlungen erbitten. Für die Sünde selbst sei dies allerdings nicht möglich. Schockierend sind aber vor allem die weiteren Ausführungen des emeritierten Weihbischofs:

"Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind. Darum ist klar, man darf auch nicht eine Verbindung segnen, die sündhaft ist, nicht die Mafia, keinen Segen für Vereinigungen oder Einrichtungen geben, die Abtreibung fördern und durchführen oder glaubensfeindliche Ideologien verbreiten, antisemitische Inhalte und andere Formen rassenfeindlichen Denkens."

Mit diesem völlig unpassenden Vergleich zwischen dem Segen für eine homosexuelle Ehe und dem Segnen eines Konzentrationslagers (KZ) sorgte Andreas Laun nicht nur bei Befürwortern der gleichgeschlechtlichen Ehe, sondern auch bei seinen Glaubensbrüdern für Fassungslosigkeit. 

Via Twitter wies der Wiener Kardinal Christoph Schönborn Laun zurecht: "So zu reden ist inakzeptabel." Man könne den "Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen" nicht in Verbindung mit der Mafia oder auch einem KZ nennen. Auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner reagierte betroffen: "Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen." Es könne nicht nachvollzogen werden, wie man "systematische Verbrechen gegen die Menschheit in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen bringen kann".

 

Ex-Bischof Laun bereut seine Aussagen nicht

Auf Nachfrage des Spiegels erklärte Andreas Laun: "Ich missachte keinen Menschen, der homosexuelle Neigungen hat. Diese Menschen können ja auch die Heilige Messe besuchen und gesegnet werden." Die eheliche Verbindung zwischen gleichgeschlechtlichen Partner ist jedoch eine Sünde, die in seinen Augen nicht gesegnet werden darf. Verletzen wollte Laun mit seinen Äußerungen niemanden. Sollte dies geschehen sein, täte es ihm leid. 

Bereuen tut der Weihbischof seine Worte aber nicht. Gegenüber dem Spiegel sagte er, dass er nicht wisse, was er bereuen solle. "Ich habe doch niemanden beleidigt, um Gottes willen! Ich habe nur ausgesprochen, was die katholische Kirche nicht segnet. Ich habe drastische Vergleiche gewählt, ja. Die hysterische Reaktion ist mir aber unverständlich."

Weder Launs Meinung noch seine mehr als schockierende Darstellung dieser sollten jedoch überraschen. Schon in der Vergangenheit hat Laun homosexuelle Personen einmal als "gestörte Männer und Frauen" bezeichnet. Er warnte auch bereits vor ein paar Jahren davor, dass sich die Gesellschaft homosexualiseren würde. Außerdem äußerte er sich, als über ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare debattiert wurde. Laun erklärte damals, dass die Gefahr, dass ein Kind missbraucht würde, in einer Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern größer sei, als wenn es bei einem heterosexuellen Paar aufwachsen würde. 

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Evangelische Kirche fordert strafrechtliche Ermittlungen

Der Chef der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, fordert indessen strafrechtliche Ermittlungen gegen Andreas Laun einzuleiten. In einer Stellungnahme gegenüber dem Evangelischen Pressedienst sagte Hennefeld: "Bei diesen Aussagen und diesem Vergleich eines kirchlichen Würdenträgers handelt es sich aber nicht um eine Meinung sondern um Verhetzung."

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