LuftverschmutzungFahrverbot: Dürfen hier bald keine Dieselautos mehr fahren?

Erst Stuttgart, jetzt Hamburg. Hier soll es ab 2018 ein Fahrverbot geben, um der Luftverschmutzung entgegenzuwirken. Sämtliche Dieselautos wären vom Fahrverbot betroffen.

Aufgrund der hohen Luftverschmutzung wird es bald ein Fahrverbot für bestimmte Autos geben.
Aufgrund der hohen Luftverschmutzung wird es bald ein Fahrverbot für bestimmte Autos geben.
Foto: iStock

Das Verwaltungsgericht Suttgart hat ein Fahrverbot für Dieselautos verhängt. Geklagt hat die Deutsche Umwelthilfe. Das Fahrverbot tritt schon zum 1. Januar 2018 in Kraft. Die begründung des Richters: "Nur Diesel-Fahrverbote seien ein wirksamer Schutz gegen eine gesundheitsschädliche Stickoxid-Belastung."

Wer ein Dieselauto fährt, muss sich ab nächstem Jahr ganz genau überlegen, auf welchen Strecken er fährt. Denn manche Straßen sollen für Dieselfahrer dann tabu sein. Das hat die Landesregierung in Baden-Württemberg am Dienstag beschlossen.

Ab 2018 soll es somit ein Fahrverbot für Dieselautos geben. Das gilt unter bestimmten Bedingungen: Bei Feinstaubalarm dürfen bestimmte Verkehrsrouten mit besonders hoher Belastung demnach nicht mehr befahren werden. Betroffen sind alle Dieselfahrzeuge ohne die Abgasnorm Euro 6.

Unterschätzt: 10 versteckte Luftverschmutzer in deiner Wohnung!

Wer meint, das würde ohnehin nur selten zutreffen, irrt: Allein 2017 soll bereits an über 30 Tagen der Feinstaubalarm in Stuttgart ausgelöst worden sein. Bereits ab einer Anzahl von 35 Tagen im Jahr drohen Strafen durch die EU. Aus diesem Grund will die Landesregierung nun eingreifen und die Luftqualität mit gezielten Maßnahmen wieder verbessern.

Der Beschluss basiert auf einem neuen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Luftverschmutzung in Stuttgart. Des Weiteren steht eine neue blaue Plakette zur Debatte, die explizit Dieselautos mit einem geringen Schadstoffausstoß kennzeichnen soll.

Auch in Berlin und Nordrhein-Westfalen denkt die Landesregierung über ein ähnliches Fahrverbot für Dieselautos nach, insbesondere im innerstädtischen Bereich. Bisher ist hier allerdings noch keine Entscheidung gefallen.  

Luftverschmutzung in Deutschland: In diesen Städten ist die Luft schlecht!

 

Auch Hamburg führt ein Fahrverbot ein

Nun hat auch Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan einen sogenannten "Luftreinheiteplan" veröffentlicht. Und das gerade rechtzeitig, denn das Verwaltungsgericht sitzt der Stadt im Nacken - bis spätestens Juni wurde Hamburg angehalten, einen entsprechenden Maßnahmenplan zur Reduzierung der Luftverschmutzung vozulegen. Einen Monat vor Fristende ist dieser nun fertig. 

Um die festgelegten Grenzwerte bis 2015 einhalten zu können, kommen nun auch auf die Hamburger Fahrverbote zu. Insbesondere stark befahrene Straßen im Hamburger Westen (Max-Brauer-Allee, Stresemannstraße) sind betroffen. Dort soll es zukünftig eine Durchfahrtsbeschränkung für Diesel-LKWs ohne die Abgasnorm Euro 6 geben, teilweise zusätzlich für Dieselautos.

Ganz durchgesetzt ist die Maßnahme allerdings noch nicht. In nächster Instanz muss das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abstimmen. Das Urteil soll im Herbst 2017 gefällt werden.

 

Welche Städte erwägen noch ein Diesel-Fahrverbot oder eine "blaue Plakette"?

Obwohl das Bundesverwaltungsgericht noch kein endgültiges Urteil gefällt hat, begrüßen immer mehr Städte ein Diesel-Fahrverbot. Andere wiederum sehen das Verbot kritisch.

Einige Städte befürworten die Einführung der "blauen Plakette". Die bekommen allerdings nicht mal alle Benziner - einige werden ausgeschlossen, etwa die ohne Direkteinspritzung unter Euro-Norm 3 oder diejenigen mit Direkteinspritzung unter Euro-Norm 6.

  • Düsseldorf: Diesel-Fahrverbote werden in Erwägung gezogen; eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus
  • München: sieht ein Diesel-Fahrverbot als alternativlos an
  • Köln: will sich noch nicht festlegen, bevor das Bundesverwaltungsgericht kein urteil gefällt hat
  • Kiel: ist grundsätzlich gegen ein Diesel-Verbot; stattdessen will die Stadt an anderer Stelle den Stickoxidgehalt minimieren, z.B. durch den Bau von Tunneln
  • Reutlingen: Debatte über die Einführung einer "blauen Umweltzone" mit blauer Plakette für Diesel-Autos, die der Euro-Norm 6 entsprechen und Benzin-Autos der Euro-Norm 3 (weitrere Infos zur blauen Plakette findest du HIER)
  • Leipzig: Diskussion über blaue Plakette; auf der Harkortstraße dürfen künftig keine Autos über 3,5 Tonnen mehr fahren (gerichtlicher Beschluss)
  • Dresden: Diskussion über blaue Plakette
  • Chemnitz: Diskussion über blaue Plakette

Die 7 Städte mit der höchsten Stickoxid-Belastung (Grenzwert des Umweltbundesamtes liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel) in Deutschland sind:

  1. Stuttgart (82 Mikrogramm)
  2. München (80 Mikrogramm)
  3. Reutlingen (66 Mikrogramm)
  4. Kiel (65 Mikrogramm)
  5. Köln (63 Mikrogramm)
  6. Hamburg (62 Mikrogramm)
  7. Düsseldorf (58 Mikrogramm)

Insgesamt überschreiten in Deutschland 28 Gebiete den vorgeschriebenen Grenzwert, darunter auch Berlin und zahlreiche Großstädte in Nordrhein-Westfalen.

 

(ww4) / (ww7)

Kategorien: