Kleinkinder weinen auch malFliegen mit Kleinkindern: Liebe Mitmenschen, habt doch ein bisschen mehr Verständnis

Mit Kleinkindern zu verreisen stellt Eltern vor eine große Herausforderung. Vor allem im Flugzeug können alle Beteiligten schnell an ihre Grenzen kommen. Doch ist ein bisschen Verständnis zu viel verlangt? 

Der erste Flug mit unseren knapp zwei Jahre alten Zwillingen ging von Hamburg nach Stuttgart. Übers Wochenende, zur Taufe meiner Nichte. Eigentlich waren wir gut vorbereitet. Schon Tage vorher hatte ich mir im Internet sämtliche Tipps von Eltern durchgelesen, wie das Fliegen mit Kindern so stressfrei wie möglich über die Bühne geht. Ich hatte Snacks dabei, Kuscheltiere und Bücher, was sollte schief gehen? Doch dann kamen wir am Flughafen an und unsere perfekte Vorbereitung wurde über den Haufen geworfen. 

Als erstes hatte unser Flug zwei Stunden Verspätung. Als es dann endlich ans Einsteigen ging, waren die Jungs quengelig und überdreht zugleich und die Nervosität von meinem Mann und mir steigerte sich mit jedem Meter, den wir uns dem Flugzeug näherten. In der Kabine wurde erst mal alles inspiziert, so weit, so gut. Doch dann kam die Stewardess mit dem Anschnallgurt und das war der Anfang vom Ende. 

 

Beide Kinder brüllten gleichzeitig um die Wette

Wir hatten Mühe, die beiden überhaupt anzuschnallen und dann wurde gebrüllt, gezetert und getreten. Ich konnte meinen Sohn kaum auf dem Schoß behalten. Mit allen Tricks habe ich versucht ihn zu beruhigen, schaukeln, singen, Süßigkeiten - nichts half. Das junge Pärchen neben mir rollte schon genervt mit den Augen, beiden zogen sich ihre Kapuzenpullis über den Kopf und steckten sich ihre Kopfhörer in die Ohren. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Als das Flugzeug auf die Landebahn rollte und dann abhob, wurde mein Sohn nur noch aufgebrachter. Immer mehr Leute drehten sich um, tuschelten, warfen mir genervte Blicke zu. 

 

"Tun Sie endlich etwas gegen das Problem!" 

Meinem Mann, der eine Reihe vor mir saß, erging es nicht besser. Bei ihm strampelte und tobte mein anderer Sohn auf dem Schoß. Hilflos sahen wir uns an und schickten wohl beide Stoßgebete gen Himmel, dass dieser Flug so schnell wie möglich zu Ende gehen würde. Doch nicht bevor mir ein älterer Herr auf dem Weg zur Board-Toilette noch die eindringliche Bitte mit auf den Weg geben konnte, ich möge doch jetzt endlich etwas gegen dieses "Problem" tun, schließlich sei das Geschrei unerträglich. Ich sah ihn verständnislos an und fragte ihn, wie das denn aussehen solle, aussteigen könnte ich ja schließlich schlecht. Kopfschütteln, Unverständnis und dann noch ein Kommentar, den ich zu seinem Glück akustisch nicht verstanden habe. 

Nach einer knappen Stunde landete der Flieger und mein Sohn war erschöpft in meinen Armen eingeschlafen. Ich war dankbar, dass der Flug endlich vorbei war und er sich endlich beruhigt hatte. Ich war so erschöpft, als hätte ich drei Tage nicht geschlafen. Nicht mal der Kampfgeist, sich für den unerhörten Kommentar von dem älteren Mann zu rächen, regte sich in mir. 

An der Gepäckausgabe hörte ich plötzlich das Gebrüll meiner Söhne und dachte schon ich hätte Wahnvorstellungen, schließlich schlummerten beide friedlich in ihren Buggys. Vor uns stand ein junger Typ, der den Tobsuchtsanfall meiner Kinder im Flugzeug mit dem Handy aufgenommen hatte. Er spielte das seinen Freunden vor und alle amüsierten sich köstlich. Mein Mann und ich sehen uns an, überlegten kurz, ob wir den Hipster mit dem Handy für diese Aktion langmachen sollten, entschieden uns aber dagegen und verließen stattdessen kleinlaut den Flughafen. 

 

Der Rückflug lief nicht besser

Zwei Tage später treten wir den Rückflug an. Wir fühlen uns besser bewappnet, haben uns fest vorgenommen, jeden mit einem bösen Blick zu strafen, der es auch nur wagt, uns genervt anzugucken. Am Gate tummeln sich jede Menge Familien mit Kindern. "Wir solidarisieren uns mit den anderen Eltern. Gemeinsam sind wir stark", denke ich. Doch im Flugzeug kämpft dann wieder jeder an seiner eigenen Front.

Diesmal habe ich meinen anderen Sohn auf dem Schoß. Kurz kann ich ihn mit dem Klapptisch ablenken, doch kaum setzt sich das Flugzeug in Bewegung, geht das Gebrüll von vorne los. Und wieder sind da diese genervten Blicke, Kopfschütteln und fiese Kommentare wie: "Muss man denn mit Kleinkindern fliegen?!" Nein muss man nicht, aber sieben Stunden im Auto zu sitzen oder fünf Stunden in der Bahn sind nicht wirklich gute Alternativen. 

Abends wieder zu Hause, als die Kinder im Bett liegen, lassen mein Mann und ich die letzten Tage Revue passieren. Und wir fragen uns: Wird das jetzt immer so sein? Was können wir besser machen? "Abgeklärter und souveräner sein", sagt mein Mann trocken. "Kinder sind nun mal laut", werfe ich schulterzuckend ein. Der nächste Flug wird besser ...

Der nächste Flug wird besser, da bin ich mir sicher. Und er geht schon in wenigen Tagen - in den wohlverdienten Familienurlaub nach Mallorca. Der Flieger wird voll sein mit Familien, gut gelaunten Urlaubern und niemand wird sich an meinen weinenden Kindern stören und wenn doch, dann habe ich mir schon eine ganze Palette an Sprüchen zurechtgelegt, die ich diesen Miesepetern um die Ohren pfeffern werde. In meiner Fantasie bin ich abgeklärt und cool und der Flug wird das reine Kinderspiel, aber in Wahrheit habe ich Angst und hoffe inständig, dass die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergehen werden. 

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