Ein InterviewFrauen an den Herd! Was wir von Spitzenköchinnen lernen können

"Frauen an den Herd!" lautet die Botschaft von Stephanie Bräuers gleichnamigen Buch. Dafür hat die Autorin 24 Chefköchinnen interviewt - wie haben sie es an die Spitze geschafft? Lässt sich Küche und Kind vereinen? Und wenn ja, wie? Warum die Männerdomäne ein Klischee ist und was jede Frau auch außerhalb der Küche von den Köchinnen lernen kann, hat sie Wunderweib verraten...

Acht Länder, 24 Köchinnen, 46 Rezepte. So lässt sich das Buch "Frauen an den Herd" wohl in Zahlen zusammenfassen. Doch darin steckt viel mehr. Selten schaut man hinter die Fassaden der Sterneküche - und wenn sieht man meist Männer. Dabei gibt es auch tolle Frauen, die es zu Spitzenköchinnen gebracht haben. Ihre Erfolgsrezepte - kulinarisch und karrierebedingt - wollte Stephanie Bräuer herausfinden. Dafür ist sie zu jeder von ihnen gereist, um sich mit ihnen zu unterhalten - von Frau zu Frau. Nun hat sie mit uns geredet. Denn heraus kam eine Botschaft an alle Frauen - ob am Herd oder Schreibtisch. 

 

Stephanie Bräuer im Interview zu "Frauen an den Herd!"

Frauen an den Herd – das hört man heute ja eher seltener…

„Bei der Entstehung dieses Buchs gab es Diskussionen im Verlag – witzigerweise gerade unter den jüngeren Frauen – wie könnt ihr so einen Titel machen? Das ist natürlich ironisch gemeint. Wir können auch über uns selber lächeln. Und das schaffen wir manchmal noch nicht so, wie wir sollten.“

Was ist Ihre Botschaft? Warum haben Sie das Buch geschrieben?

„Mir war ganz wichtig zu sagen, dass man auch mal machen muss. Ich glaube, eins der größten Probleme ist gar nicht so sehr dieses „wir dürfen nicht“ oder „die Männer unterdrücken uns“, - natürlich gibt es das manchmal. Aber ich finde, oft liegt es daran, dass wir uns nicht trauen. Wir trauen uns nicht, Verantwortung zu übernehmen, einfach zu sagen: Ich kann und ich mache das jetzt.“

Ist die Männerdomäne für Frauen also gar nicht so schlimm?

„Leider ist es so, dass es sich oft wirklich auf das Thema beschränkt: Erzählen Sie mal, wann jemand richtig böse zu ihnen war. Und mir ging es darum zu sagen: Es gibt einfach tolle Frauen. Und die haben unterschiedliche Geschichten. 

Irgendwann habe ich mich aber selbst dabei ertappt, wieso frage ich eigentlich jede Frau: Wie sieht‘s aus mit der Familienplanung? Würde ich das einen jungen Koch fragen? Nein.“

Wie ist das denn bei dem Thema: Ist da die Gleichberechtigung so weit, dass man den Beruf und Familie unter einen Hut bekommen?

„Nein. Ganz eindeutig nicht. Das Thema Familienplanung ist das größte Thema tatsächlich.

Es gibt im Buch aber auch Beispiele, die mir zeigen, dass es funktioniert. Da ist das Interview mit der Veronica Canha-Hibbert aus Südafrika, die zum Beispiel erzählt, dass sie ihre Kinder auch ab und zu mit in die Frühbesprechung genommen hat. Das ist ein 5-Sterne-Haus in Kapstadt. Wenn ich mir ein 5-Sterne-Haus in Deutschland vorstelle und da würde eine Küchenchefin sagen, ist es okay, wenn ich meine Kinder mitbringe – da würde wahrscheinlich kommen, entscheiden Sie sich, Familie oder Karriere. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber kann ich mir schlecht vorstellen.“

Schwierig. Dann sind es also die Arbeitgeber, die die Familienplanung erschweren…

„Auch, aber das Zweite ist: Ich weiß, was es bedeutet, mit einem Küchenchef verheiratet zu sein. Das bedeutet, man ist mindestens fünf Tage die Woche den Abend allein – manchmal auch sechs und einer oder zwei davon sind Freitag und Samstag. Oder Feiertage oder Geburtstage. Weil er einfach in der Küche stehen muss – Punkt aus.

Jetzt stellen Sie sich vor, ein Mann aus einer anderen Branche lernt eine Köchin kennen und sie sagt: Du Schatz, fünfmal die Woche komme ich um 12 halb 1 nachhause. Welcher Mann würde das in unserer Gesellschaft wirklich akzeptieren? Ich meine das nicht böse – es ist einfach eine Tatsache. Und da sind noch nicht einmal Kinder. Kommen da Kinder dazu, muss der Mann sich abends um sie kümmern – und morgens bitte auch mit ihnen aufstehen. Da wird es dann völlig abstrus.

Wenn es denn dann Männer gibt, die Elternzeit nehmen – fragen Sie sich mal, wie blöd die Arbeitgeber schauen. Das ist die Problematik.“

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Wie kann man es denn trotzdem schaffen, als Köchin Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen?

„Es geht eigentlich nur im eigenen Betrieb. Schwierig wird es, wenn man angestellt ist. Also es braucht die Selbstständigkeit. Und es braucht einen Partner, der das eben auch mit lebt. 

Also man kann es schaffen, wenn man a) die richtigen Menschen um sich hat und b) es wirklich möchte. Was nicht funktioniert, ist die Einstellung: Wir armen Frauen. Was funktioniert, ist: Wir tollen Frauen.“

Was hat Sie denn während der Interviews am meisten beeindruckt?

" Frauen an den Herd" von Stephanie Bräuer, erschienen im Christian Verlag, erhältlich für 39,99 Euro.
"Frauen an den Herd" von Stephanie Bräuer, erschienen im Christian Verlag, erhältlich für 39,99 Euro.
Foto: Christian Verlag/ Annette Sandner

„Was mich wirklich fasziniert hat, ist, dass jede Geschichte anders ist.

Was mich sehr positiv überrascht hat, dass die meisten gesagt haben, es liegt nicht am Ton in der Küche oder der ach so schweren Arbeit. Die hat sich mittlerweile einfach technisch geändert. Und ja, es gibt sicherlich noch den einen oder anderen Küchenchef, der einen raueren Ton hat – aber da hat sich einfach in den letzten 20 Jahren wahnsinnig viel getan.

Ich rede jetzt von gehobener Gastronomie – wie es in der Wirtschaft ist, kann ich nicht beurteilen. Aber das hat mich insofern gefreut, dass da eine Chance besteht, dass es sich rumspricht und sich wieder mehr Frauen für den Beruf interessieren.“ 

Sie schreiben wenig über die negativen Dinge, die man der Küche als Männerdomäne nachsagt…

„Ich habe überhaupt nichts verschwiegen oder beschönigt – aber es wird natürlich immer gerne gelesen, wenn es darum geht, dass irgendein Küchenchef irgendwen geohrfeigt hat – es ist aber eben einfach anders geworden. Dass Stress in der Küche ist, ist logisch. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass in anderen Berufen alle nur lieb zueinander sind. Da ist es in der Küche manchmal sogar ehrlicher als hinten herum.“

Warum wählen Frauen den Beruf der Köchin – auch wenn er nicht immer einfach ist?

„Fast alle durch die Bank haben gesagt, dass sie es lieben, dass sie mit dem, was sie machen, Menschen so glücklich machen kann. Wenn man was kocht und dann sieht man die Reaktion der Gäste und wie ein Lächeln über das Gesicht geht. Wo hat man so direktes Feedback?“

Was ist Ihr Lieblingsrezept aus dem Buch?

„Ich muss dazu sagen – wir haben uns bei den Rezepten dazu entschieden, auch Sternerezepte zu machen. Ich will mit dem Buch ja zeigen, was für tolle Köchinnen wir haben, dann sag ich ihnen nicht, brecht mal eure Rezepte herunter, dass jeder sie nachkochen kann. Ich durfte alle probieren - es war alles sehr lecker. Aber tatsächlich etwas sehr Schlichtes war der Kaiserschmarrn von Lisl Wagner-Bacher. Das war so, dass ich dachte: Boah, da setze ich mich jetzt rein! Und den kann man auch nachkochen. Ich habe es auch schon probiert. Geht ganz einfach!“

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