SorgearbeitUnbezahlte Arbeit ist immer noch Frauensache

Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer
Haushalt, Erziehung, Pflege: unbezahlte Arbeit ist in Deutschland Sache der Frauen
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Inhalt
  1. Unbezahlte Arbeit ist Frauendomäne
  2. Theorie und Praxis klaffen auseinander
  3. Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt
  4. Was kann ich als Frau tun?

Als "unbezahlte Arbeit" gelten Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Verwandten. In Deutschland ist es häufig noch "Frauensache" - und laut Forschern ein Armutsrisiko.

Eine Studie (mit rund 11.000 Teilnehmern über 12 Monate durchgeführt) des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergibt, dass Frauen (18 bis 64 Jahre) über 50 Prozent mehr Zeit für die Pflege von Verwandten aufwenden. Ähnliche Werte ergeben sich bei dem Zeitaufwand für die Kindererziehung und die Hausarbeit. Alles in allem werden diese Tätigkeiten als "Care" bzw. "Sorgearbeit" bezeichnet.

Am deutlichsten wird diese Arbeitsteilung sichtbar bei Paaren, bei denen der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau Teilzeit. In dieser Konstellation schultern die Frauen den größten Anteil der Erziehungs-, Pflege- und Hausarbeit. "Die oft nicht existenzsichernde Teilzeitarbeit ist unter heutigen Bedingungen mit vielen Nachteilen bis hin zur Rente verbunden. So wurden Einkommensnachteile von  Teilzeitarbeit und  beträchtliche 'Vernarbungseffekte' mit Langzeitwirkung im Lebensverlauf gezeigt", heißt es im Studien-Bericht.

 

Unbezahlte Arbeit ist Frauendomäne

Schön und gut, könnte man meinen, bei Teilzeit hat man schließlich mehr Zeit als bei Vollzeit. Was selten bedacht wird: Für die Kinder- und Verwandtschaftsbetreuung sowie die erledigte Hausarbeit bekommen Frauen keinen Cent bezahlt.

Laut der WSI-Studie lautet das traurige und gleichzeitig erschreckende Fazit: Männer in Vollzeit bekommen 73 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit bezahlt - Frauen in Teilzeit lediglich 43 Prozent. "Problematisch ist die geringere Teilhabe an bezahlter Arbeit vor allem für das individuelle Einkommen, die beruflichen Chancen und die Altersversicherungsansprüche der Frauen", sagt WSI-Expertin Christina Klenner. 

"Ein  Ziel  von  Gleichstellungspolitik (der Europäischen Kommission)  ist  seit langem (2009),  die  unbezahlte  Arbeit  gleichmäßiger  zwischen  Frauen  und  Männern  zu  verteilen", heißt es in dem Bericht der Hans-Böckler-Stiftung.

"Arbeit" ist die Summe von Energie- und Zeitaufwand, die für eine Tätigkeit aufgebracht wird. "Unbezahlte Arbeit ist sowohl Hausarbeit, die solche Tätigkeiten wie Essenszubereitung, Reinigung der Wohnung und der Kleidung umfasst als auch Fürsorgearbeit, die die Versorgung und Betreuung von Kindern und Hilfebedürftigen sowie die häusliche Pflege einschließt", lautet die berechtigte Definition der Hans-Böckler-Stiftung. Ehrenamtliche Tätigkeiten - die ebenfalls als "Arbeit" gelten - wurden in der Studie ausgeklammert.

 

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Die Studie fand heraus: "Immer mehr Frauen wollen beruflich tätig sein, eigenes Einkommen erwerben und den erheblichen Armutsrisiken entgehen, die mit einer Konzentration auf die Sphäre der unbezahlten Arbeit und die Abhängigkeit vom Einkommen des Partners verbunden sind." Und ebenso: "Immer mehr Männer wollen stärker in der Familie integriert sein und ihren Anteil an der Familienarbeit leisten. Partnerschaftliche Arbeitsteilung findet zunehmend Zustimmung." Was sehr wünschenswert klingt, sieht in der Praxis allerdings ganz anders aus: "Faktisch haben in einer Mehrheit der Haushalte die Männer immer noch  die  Rolle  des  Familienernährers inne, indem sie das Haupteinkommen erwerben."

Die Hans-Böckler-Stiftung schlussfolgert: "Damit sowohl Frauen als auch Männer in beiden Sphären, im Beruf wie in der Familie und Fürsorge für andere Menschen, tätig sein können, bedarf es vieler gesellschaftlicher Veränderungen. Es erfordert aber auch, die bezahlte und die unbezahlte Arbeit gleichmäßiger zwischen Frauen und Männern zu teilen."

 

Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt

Dabei sind die Folgen der ungleichmäßig verteilten "Gratis-Arbeit" verheerend, wie es im Studien-Bericht heißt: "Dass die überwiegende Übernahme der unbezahlten Arbeit durch Frauen in engem Zusammenhang zu den Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt steht, ist statistisch belegt. Je größer die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bei der unbezahlten Arbeit, desto größer sind die Ungleichheiten auch bei der Arbeitsmarktbeteiligung, bei Teilzeitarbeit und prekärer Beschäftigung sowie beim Lohn."

 

Was kann ich als Frau tun?

Laut aktuellem Forschungsstand, ändert sich die ungleiche Verteilung der unbezahlten Tätigkeiten, wenn die Frau den ersten Schritt tut: "Der 'Time availabilty'-Ansatz, der die verfügbare Zeit der Partner in Betracht zieht, legt nahe, dass sich die Anteile von Frauen und Männern an der unbezahlten Arbeit verschieben, wenn Frauen mehr Zeit in die Erwerbsarbeit investieren.

 

(ww7)

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