David gegen Goliath Friseursalon wäscht Facebook den Kopf

Der Besitzer eines Friseursalons in Hannover hat sich gegen eine so genannte "nicht verwaltete Seite" seines Ladens auf Facebook gewehrt. Mit aussagekräftigem Erfolg. 
 

Friseursalon wäscht Facebook den Kopf
Foto: amesy/iStock

Gezim Ukshin (46) staunte nicht schlecht, als ihn Freunde auf die Facebook-Seite seines Friseursalons 'Sultan' ansprachen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmern hatte er weder für sein Geschäft, noch für sich privat ein Profil bei dem Social-Media-Giganten erstellt. Trotzdem war sie abrufbar: eine Unternehmensseite, auf der Adresse, Telefonnummer und Homepage des Geschäfts sowie verschiedene Bewertungen von 'Sultan'-Kunden zu finden waren. Facebook nennt Pages wie diese "nicht verwaltete Seiten", die ohne das Zutun der beschriebenen Geschäfte erstellt werden. Das Unternehmen erklärt dazu: "Eine Seite kann auch dann für dein Unternehmen existieren, wenn sie nicht von einem anderen Mitarbeiter deines Unternehmens erstellt wurde. Wenn beispielsweise jemand einen Ort besucht, der keine Seite hat, wird eine nicht verwaltete Seite für den Ort erstellt."
Werbung für einen Friseursalon ohne die Zustimmung des Betreibers? Ein Skandal, wie Gezim Ukshin fand. "Ich brauche diese Werbung nicht. Die Kunden kommen auch so", sagte er gegenüber NDR 1 Niedersachsen.  

Kinderfotos auf Facebook? Besser nicht. (Artikel geht unter dem Video weiter): 

 
 

Friseursalon vs. Facebook: Ein spannender Rechtsstreit

Immer wieder sorgen beispielsweise zu Unrecht veröffentlichte Facebook-Fotos für Streitigkeiten und enden nicht selten vor Gericht – im Fall von Gezim Ukshin war es gleich eine ganze, ungewollte Unternehmensseite. Der City-Friseur beschloss, sich gegen die Facebook-Seite seines Ladens zur Wehr zu setzen und verklagte den Internet-Giganten. Das Unternehmen reagierte zunächst mit einer klaren Ansage: Würde sich Gezim Ukshin einen privaten Facebook-Account einrichten, könnte er auf die nicht verwaltete Seite zugreifen und diese löschen. Was nach einer denkbar einfachen Lösung klingt, war für den Friseur aber ein No-Go. "Ich wollte mich nicht erpressen lassen", erklärte er mit Blick auf die Tatsache, dass er keinen privaten Facebook-Account hatte und diesen auch nicht haben wollte. 
Im vergangenen Jahr zog Ukshin also vor Gericht und bekam Recht: Das Landgericht Hannover legte fest, dass Facebook die 'Sultan'-Werbeseite löschen müsse. Das US-Unternehmen kam dieser Aufforderung allerdings nicht nach, noch monatelang war die unerwünschte Page online abrufbar. Daraufhin verdonnerte das Landgericht Facebook zu einem Ordnungsgeld von 50.000 Euro – zu zahlen an die niedersächsische Landeskasse. Nachdem auch dies zunächst ignoriert wurde, bestätigte das Oberlandesgericht Celle das Urteil später erneut und nun muss Facebook das Bußgeld an die Landeskasse zahlen. 
Von dem Geld hat Gezim Ukshin nichts. Er kann sich allerdings damit brüsten, beim Spiel David gegen Goliath den scheinbar übermächtigen Feind in die Flucht geschlagen zu haben – die nicht verwaltete Seite seines Friseursalons 'Sultan' ist inzwischen deaktiviert

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