GeldGeldabheben abends teurer? Banken berechnen Gebühren nach Tageszeiten

Ist Geldabheben abends teurer als morgens?
Bald kommt es auf die Uhrzeit an: Erste Banken führen Geldautomaten-Gebühren ein, die nach Tageszeiten variieren
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Wer Geld vom Bankautomaten abheben möchte, sollte künftig erst einen Blick auf die Uhrzeit werfen. Erste Banken passen ihre Automat-Gebühren den Tageszeiten an.

Wer nach Feierabend noch schnell Geld vom Bankautomaten abheben will, sollte es sich in Zukunft vielleicht nochmal anders überlegen - jedenfalls, wenn er Geld sparen will.

Mehrere Banken in Hessen führen Gebühren ein, die je nach Uhrzeit steigen oder sinken. So kostet z.B. die Bargeld-Abhebung der Frankfurter Volksbank zwischen 18 Uhr und 8 Uhr etwa 35 Cent. Auch ein "Wochenendzuschlag" schlägt hier mit 35 Cent zu buche. Ähnliches gilt für die Raiffeisenbank in Oberursel.

Warum tun Banken ihren Kunden das an? "Abends ist die Frequenz des Geldabhebens sehr viel höher, weil die Leute in die Kneipe gehen, weil sie einkaufen gehen müssen und dann das Bargeld brauchen. Die Banken nutzen dieses Wissen aus, um die Leute und ihre eigenen Kunden abzuzocken", sagt Banken-Experte Horst Biallo gegenüber RTL.

Die Banken selbst begründen ihre neuste Gebühren-Falle dagegen wie folgt: Außerhalb der Öffnungszeiten müsse nun mal ein Sicherheitsdienst und eine spezielle Hotline aktiv sein, wobei Kosten anfallen. Über die zusätzlichen Gebühren werden sie nun an die Kunden weitergereicht.

Je nach Kontomodell fallen auch bei rund 40 Instituten der Sparkasse Gebühren zwischen 19 Cent bis 100 Cent an. Der Sparkassenverband betont: "Das Abheben an einem der rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen ist für Kunden der Sparkassen natürlich nach wie vor kostenlos." Nur ein bestimmtes Kontomodell beinhaltet Zahlungen für Abbuchungen. Ähnlich äußerten sich die Volks- und Raiffeisenbanken.

Richtig fies: Ob und wie hoch die anfallenden Kosten sind, sieht der Kunde nicht auf den ersten Blick. Denn die sogenannte "Buchungskosten-Gebühr" muss nicht auf dem Automaten angezeigt werden.

Dass solche versteckten Kosten nicht unbedingt auf Zustimmung der Bank-Kunden stoßen, überrascht wenig. So hat etwa die Raiffeisenbank Offenbach solche Tageszeit-abhängigen Gebühren zwar eingeführt - aber am 13. April 2017 wieder abgeschafft. Die Offenbacher Raiffeisenbank hat die Gebührt der Bargeld-Abhebung zwischen 13 und 14 Uhr - also in der Mittagspause vieler Angestellter - auf 40 Cent erhöht. Die Aufregung der Kunden war so groß, dass die Bank wieder zurück ruderte.

 

Werden wir bald alle für das Geldabheben zahlen müssen?

Dirk Schiereck, Bankprofessor der Technischen Universität Darmstadt, sagt: "Eine kostenlose Bargeldversorgung wird es künftig wohl nicht mehr geben."

Verbraucherschützer fürchten, dass die Banken nach und nach solche Gebühren einführen - und anschließend die Gebühren immer mehr steigen lassen. Denn: Die Zinsen sind zur Zeit sehr niedrig - die Banken wollen auf diese Weise ihre Einnahmen steigern. 

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, rät den Kunden: "Genau hinschauen und die Bank wechseln, wenn die Kosten immer weiter steigen. Es bleibt allerdings immer das Risiko, dass auch bei der nächsten Bank die Gebühren steigen werden."

Bei den privaten Instituten der Cash Group - dazu gehören Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank und die Postbank - ist das Geldabheben am Automaten für Kunden nach wie vor kostenfrei. Laut dpa gäbe es auch keine Pläne, dies zu ändern.

 

(ww7)

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