Entscheidendes UrteilGender Pay Gap: Frauen können jetzt "leichter" gleichen Lohn bekommen

Ein neues Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat Auswirkungen auf die Rechte von Frauen in Bezug auf die Bezahlung.

Ein wegweisendes Urteil, das es Frauen ermöglichen könnte, einfacher den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen einzufordern: Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat nun festgelegt, dass Arbeitgeber belegen müssen, dass es sich bei nachweislichen Gehaltsunterschieden nicht um eine Diskriminierung handelt.

 

Frau klagt gegen unterschiedlichen Bezahlung

Zuvor hatte eine Abteilungsleiterin der Landschaftlichen Brandkasse Hannover geklagt. Durch das Entgelttransparenzgesetz erhielt die Frau Einsicht in die Gehälter vergleichbarer männlichen Kollegen. Das Gesetz, das seit Juli 2017 in Kraft ist, sieht einen Auskunfsanspruch in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern vor.

Der Arbeitgeber ist dann dazu verpflichtet, eine Vergleichsgruppe mit mindestens sechs ähnlich qualifizierten Kollegen des anderen Geschlechts zu erstellen und den Median zu ermitteln, der das mittlere Gehalt in der Vergleichsgruppe darstellt. Dadurch konnte die Klägerin in Erfahrung bringen, dass ihr Grundgehalt um 1006 Euro im Monat geringer lag als das Gehalt der Männer in der Gruppe.

 

Arbeitgeber müssen künftig beweisen, dass sie nicht diskriminieren

Die Frau sah die ungleiche Bezahlung als einen Hinweis auf eine Geschlechterdiskriminierung an. Das obersten Arbeitsrichter in Erfurt gab ihr in dem Fall Recht. Künftig müssen Arbeitgeber bei einem Indiz für eine Diskriminierung beweisen, dass es sich eben nicht um diese handelt und andere Gründe für die unterschiedliche Bezahlung vorbringen, zum Beispiel mehr Berufserfahrung oder eine höhere Ausbildung.

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Wie der kommissarische Leiters der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, gegenüber der deutschen Presse-Agentur erklärte, werden durch das Urteil nun die Rechte der Frauen gestärkt, weil sich die Beweislast umkehre. Nun müssten Arbeitgeber nachweisen, dass sie nicht diskriminieren. Bisher war es schwierig für Betroffene gegen ungleiche Bezahlung vorzugehen.

Nach wie vor verdienen Frauen bei gleicher Qualifikation zum Teil deutlich weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap betrug 2019 dem Statistischen Bundesamt zufolge bei 19 Prozent. Bezogen auf Europa lag Deutschland im Jahr 2018 mit 20 Prozent deutlich über dem EU-Durchschitt (15 Prozent).

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