UrteileGerichtsurteil: Dieses Baby soll sterben

Charlie Yates leidet an einer schweren Erbkrankheit: am mitochondrialen DNA-Depletionssyndrom, kurz MDS. Seine Eltern wollen ihn weiter behandeln lassen. Jetzt ein Gericht erneut entschieden.

Richter entscheiden, dass Baby sterben muss
Der kleine Charlie leidet unter einer seltenen Erbkrankheit
Foto: gofundme.com
Inhalt
  1. Wie begründen die Richter ihr Todes-Urteil?
  2. Was ist das mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDS)?
  3. Wer hat Recht: Charlies Eltern oder Ärzte und Richter?

+++Update+++

Nun entschied der Gerichtshof für Menschenrechte zum dritten Mal im Fall des kleinen Charlie. Der zuständige Richter folgte jetzt einem Ende Mai in Großbritannien verkündeten Urteil und bestätigte, dass die Ärzte die Behandlung des kleinen unheilbar kranken Jungen abbrechen dürfen.

Charlies Eltern klagten vor dem Gerichtshof für Menschenrechte, nachdem ihre Klage gegen das Ende Mai gefällte Urteil in Großbritannien keinen Erfolg hatte. Sie wollten ihren Sohn für eine weitere Behandlung in die USA bringen, doch die Ärzte waren dagegen. Der Gerichtshof für Menschenrechte entschied dann zunächst, dass die Behandlung fortgesetzt werden müsste, bis ein endgültiges Urteil gefällt würde. Dies ist jetzt gesprochen worden.

+++Update+++

Wann dürfen Richter und Ärzte ein Kind sterben lassen? Ein britisches Gericht hat nun einen Behandlungsstopp angeordnet - und ist damit dem Antrag der Ärzte des Londoner Great-Ormond-Street-Krankenhauses gefolgt. Wird Charlie nicht weiter behandelt, wird er sterben - das Urteil, das Ärzte und Richter in diesem Fall fällten, ist das Todesurteil des kleinen Jungen.

Allerdings ist das Urteil gegen den Willen von Charlies Eltern gefallen. Die setzen sich nämlich für eine weitere Behandlung ihres 8 Monate alten Babys ein. „Sie verstehen nicht, warum der Richter Charlie nicht einmal die Chance auf eine Behandlung gegeben hat“, äußert sich ihre Anwältin.

 

Wie begründen die Richter ihr Todes-Urteil?

Der Vorsitzende Richter des High Courts begründete am Dienstag sein Urteil wie folgt: Der kleine Charlie solle in Würde sterben können. Seine Erbkrankheit MDS führt auf Dauer zu Hirnschäden und Muskelschwund. Charlie hat den Ärzten zufolge dauerhaft Schmerzen, könne nichts sehen und nicht selbstständig atmen. Auch bei weiterer Behandlung würde sich Charlies Gesundheitszustand nicht mehr verbessern. Der Richter fällte das Urteil „mit schwerem Herzen, aber in der vollen Überzeugung, dass es in Charlies bestem Interesse ist“, wie er in der Urteilsbegründung sagte.

 

Was ist das mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDS)?

Am 4. August 2016 kam Charlie gesund zur Welt. Doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Als Charlie 2 Monate alt war, musste er ins Krankenhaus. Dort fiel die Diagnose auf die Erbkrankheit mitochondriales DNA-Depletionssyndrom. Die Symptome: Schwäche, Entwicklungsverzögerung, Muskelschwund, es folgen Leber- und Nierenschäden, Schwierigkeiten beim Atmen und Schwerhörigkeit.

Die Krankheit gilt (noch) als unheilbar. Nur die  Symptome können gemildert werden - durch Medikamente und pharmakologische Therapien. Alle Therapieansätze können bestenfalls lebensverlängernd auf Betroffene wirken.

 

Wer hat Recht: Charlies Eltern oder Ärzte und Richter?

Als Charlies Todesurteil am Dienstag, dem 11. April 2017, um 14 Uhr vom Gericht gefällt wurde, blieb für Mutter Connie Yates und Vater Chris Yates die Welt stehen. Mutter Connie postet ihr eigenes Urteil auf ihrer Facebook-Seite:

Darin beschreibt sie: "Als Mutter bist du diejenige, die rund um die Uhr bei ihrem Baby ist. Nachdem du 3.000 Stunden mit deinem eigenen Kind verbracht hast, kennst du dein Kind: Du weißt am besten, wann es fröhlich oder traurig ist!" Connie begründet ihren Kampf für Charlies Behandlung mit ihren eigenen Beobachtungen: "Er ist nicht blind, er liegt nicht in Schmerzen und er kann sehr wohl auf die Außenwelt reagieren! Er hat zwar keine gute Lebensqualität, aber er BRAUCHT die Chance, die Chance zur Verbesserung!" Connie ist felsenfest davon überzeugt, dass es um ihr Baby nicht so schlecht steht, wie die Ärzte behaupten: "Er leidet nicht, sonst würde ich jetzt nicht für ihn einstehen (...) Bitte vertraut unserem Urteil als Eltern - wir würden unser Kind nicht leiden lassen!"

Anschließend folgt eine Liebeserklärung an den kleinen Jungen: "Charlie, wir sind so unglaublich stolz auf dich und hoffen, dass auch du stolz auf uns bist, dass wir nicht von deiner Seite weichen (...) Wir waren im Leben nicht so gestresst wie in dieser Zeit, aber wir kämpfen mit jedem Herzschlag weiter - weil du jeden Schmerz, jede unserer Tränen wert bist! Du bist unser Baby und wir sind deine Eltern und wir werden ALLES für dich tun!"

Also kämpfen Charlies Eltern für eine weitere medizinische Behandlung in den USA. Dafür sammeln sie seit gut zwei Monaten Spenden auf der Fundraising-Seite gofundme.com. Bislang haben schon über 82.600 Menschen gespendet. 1,26 Millionen Pfund (etwa 1,49 Millionen Euro) sind schon zusammen gekommen - das Ziel sind 1,3 Millionen Pfund (rund 1,53 Millionen Euro). "Wir danken allen, die uns unterstützt haben, sodass wir den Glauben an die Menschheit nicht verlieren. Wir werden all unseren Unterstützern auf ewig dankbar sein - ganz gleich, wie es mit Charlie weiter geht", bedankt sich Connie bei ihren Spendern.

"Wir haben das nötige Geld, wir haben unsere Reisepässe, wir haben in den USA die Ärzte gefunden, die die richtige Behandlung für dich haben. Alles was du brauchst, ist eine Chance. Wir werden dich nicht aufgeben, nur weil du eine seltene Krankheit hast - es ist nicht deine Schuld und du sollst nicht sterben müssen! Es tut mir so schrecklich Leid für dich - ich wünschte, ich könnte deinen Platz einnehmen. Wir lieben dich und wir werden bis zum Schluss für dich kämpfen und beten!"

 

(ww7)

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