JustizGerichtsurteil: Sexualkunde an Grundschulen zulässig

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Grundschullehrer dürfen und sollen Schülern Fragen zur Sexualität beantworten. Eine Mutter hatte geklagt.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) musste darüber entscheiden, ob eine Grundschülerin vom Sexualunterricht auf Wunsch der Eltern befreit werden kann.

Im vorliegenden Fall (Az.: 22338/15) klagte die Mutter eines 7-jährigen Mädchens aus Basel (Schweiz). Die Mutter wollte nicht, dass ihre Tochter an dem in der zweiten Klasse vorgeschriebenen Sexualunterricht teilnimmt.

 

7-Jährige zu jung für sexuelle Aufklärung?

Sie argumentierte zum einen mit dem Recht auf Privat- und Familienleben, welches ihrer Meinung nach die Sexualerziehung einschließe. Zudem sei sie nicht generell gegen Sexualerziehung, sondern gegen den Zeitpunkt: Mit 7 Jahren wäre es zu früh für sexuelle Aufklärung.

Zum anderen verwies die Mutter auf die Religionsfreiheit, die ihrer Meinung nach durch die frühe schulische Sexualerziehung verletzt werden würde.

Gerichtsurteil: Sexualkunde an Grundschulen zulässig
Das Gericht hat entschieden: Grundschullehrer müssen Fragen zum Thema Sex beantworten
Foto: iStock
 

EGMR weißt Klage gegen Sexualunterricht ab

Der Fall landete vor dem EGMR. Der Richter wies die Klage ab mit folgender Begründung:

  1. Die Sexualerziehung bezweckt legitime Ziele, wie z.B. den Schutz vor Missbrauch.
  2. Schweizer Grundschullehrer praktizieren keine systematische Sexualerziehung. Sie sollen lediglich - laut offizieller Vorgabe - nur auf Fragen und Handlungen der Kinder reagieren.
  3. Das Argument der Religionsfreiheit ist in diesem Fall unzulässig. Die Mutter hätte bloß in abstrakter Form auf ethische und moralische Grundwerte verwiesen.

Die Mutter reichte die Klage im Jahr 2011 ein - zunächst bei Schweizer Gerichten, anschließend beim EGMR.

Auch in Deutschland haben Eltern schon gegen Sexualkundeunterricht an Grundschulen geklagt. Im Jahr 2011 klagten fünf Elternpaare aus NRW. Auch damals landete der Fall vor dem EGMR. Und auch damals wurde die Klage abgewiesen.

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(ww7)

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