GeldGeringverdiener: Mehrarbeit lohnt sich nicht

Für Geringverdiener lohnt sich Mehrarbeit oft nicht. Sozialabgaben, Einkommenssteuer und Transferleistungen sorgen für ein geringes Netto.

Inhalt
  1. Weniger Geld trotz Mehrarbeit
  2. Geringverdiener mehr belastet als Spitzenverdiener
  3. Mehr Gehalt, höheres Netto-Einkommen

Wer glaubt, sein Gehalt mit Mehrarbeit aufstocken zu können, erlebt am Ende des Monats oft eine böse Enttäuschung: Wer mehr arbeitet, hat unter Umständen weniger Geld über.

 

Weniger Geld trotz Mehrarbeit

Wie eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt, lohnt es sich gerade für Geringverdiener nicht, einer zusätzlichen Arbeit nachzugehen. Der Grund dafür ist bitter: Wegen der Sozialabgaben, Transferleistungen und der Einkommenssteuer bleibt netto kaum noch etwas vom zusätzlichen Mehrverdienst übrig. Im schlimmsten Fall kann nach allen Abzügen sogar weniger Geld übrig bleiben, als ohne die Mehrarbeit.

Für die Studie wurden sechs Musterhaushalte in verschiedenen Konstellationen untersucht - vom Alleinerziehenden mit Kind bis zum Zweiverdienerpaar mit zwei Kindern. Neben den oben genannten Abgaben wurden auch Sozialleistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag berücksichtigt.

 

Geringverdiener mehr belastet als Spitzenverdiener

Das Ergebnis ist vernichtend ungerecht! Demnach werden untere Einkommensgruppen durch die Abzüge deutlich mehr belastet, als Gut- und Spitzenverdiener! In Zahlen heißt das: Von einem zusätzlich verdienten Euro bleibt - bei einem jährlichen Haushaltsbruttoeinkommen von 17.000 Euro - nichts übrig! Bei einem Jahreseinkommen von 75.000 Euro brutto würden von jedem zusätzlichen Euro dagegen 56 Cent im Portemonnaie bleiben.

Der Hauptgrund für diesen Unterschied: Bei Geringverdienern wird das ALG II gekürzt, sobald der Mehrverdienst hinzukommt. Und es geht noch krasser: In extremen Fällen bleibt den Betroffenen weniger Geld am Ende des Monats übrig, als sie ohne die Mehrarbeit erhalten hätten. Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung erklärt: "In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse."

 

Mehr Gehalt, höheres Netto-Einkommen

Weiter zeigt die Studie, dass einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von rund 40.000 Euro von einem zusätzlichen mehrverdienten Euro mehr nur 56 Cent übrig bleiben. Zum Vergleich: Liegt das Jahresgehalt bei 90.000 Euro, bleiben ihm von jedem Zusatz-Euro 66 Cent netto übrig.

Das Fazit der Studienautoren: Das Gesamtsystem aus Einkommenssteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen muss geändert und fair angepasst werden. Eine Reform muss her! Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus, bilanziert: "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater."

Eine Überlegung der Studienautoren: Die Einführung einer konstanten Transferentzugsrate von 60 Prozent.

Willst du aktuelle News von Wunderweib auf dein Handy bekommen? Dann trag' dich schnell in unserem WhatsApp-Newsletter ein!

 

(ww7)

Kategorien: