SchmerzensgeldklageGermanwings-Absturz: Angehörige erhält Brief von Lufthansa - der macht sprachlos

Eine Angehörige, die ihren Bruder und dessen Tochter am 24. März 2015 durch den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen verloren hat, bekam ein Schreiben der Fluggesellschaft Lufthansa. Das macht ziemlich sprachlos.

Eine Angehörige, die Bruder und Neffin bei dem Absturz der Germanwings-Maschine verloren hatte, klagt auf Schmerzensgeld gegen Lufthansa. Zu der Fluggesellschaft gehört auch Germanwings. Lufthansa weigert sich zu zahlen und sendete ein Schreiben zur Erklärung. 

 

Keine Todesangst der 149 Passagiere?

Der 24. März 2015, ein Dienstag, veränderte das Leben von Marlies Weiergräber aus Krefeld für immer. Die 66-Jährige verlor an diesem Tag ihren Bruder und dessen Tochter, als die Germanwings-Maschine, ein Airbus A320, auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit der Flugnummer 4U9525 in den französischen Alpen gegen ein Bergmassiv prallte. Der Co-Pilot Andreas Lubitz hatte laut des Abschlussberichts der Kommission zur Flugunfalluntersuchung das Flugzeug in suizidaler Absicht zum Abstürzen gebracht. 

Während sich die Maschine im Sinkflug befand, sollen die 149 Passagiere keiner Todesangst ausgesetzt gewesen sein - das zumindest behauptet Lufthansa in einem 120 Seiten langen Brief, der dem ,WDR' vorliegt. Daher bestünde für die Angehörigen auch kein sogenanntes ererbtes Recht auf Schmerzensgeldzahlung. Weiterhin heißt es, dass die Zeitspanne zwischen Einleiten des Sinkfluges und Eintritt des Todes zu kurz gewesen sei. Das würde kein Schmerzensgeld legitimieren.

Germanwings-Absturz: Angehörige erhält Brief von Lufthansa - der macht sprachlos
Hatten die Passagiere keine Todesangst, als der Co-Pilot Andreas Lubitz den A320 am 24. März 2015 gegen ein Bergmassiv in den französischen Alpen steuerte und sich sowie 149 Menschen das Leben nahm?
Foto: BORIS HORVAT/AFP/Getty Images
 

"Das ist nicht nachvollziehbar"

Diese Zeilen bekam auch Marlies Weiergräber zugeschickt. „Dass die beiden und alle anderen Opfer keine Todesangst gehabt haben sollen, ist nicht nachvollziehbar. Es gibt genügend Hinweise, die das Gegenteil beweisen", sagte die 66-Jährige der ,Bild'. Der Berliner Anwalt der Hinterbliebenen, Elma Giemulla, der die Sammelklage betreut, sieht das genauso, da die Maschine "mit dreifacher Sinkgeschwindigkeit" auf die Berge zuraste. Der von Lubitz aus dem Cockpit ausgesperrte Kapitän habe zudem hörbar gegen die Tür geschlagen. Da müssten den Passagieren klar gewesen sein, "dass die letzten Minuten ihres Lebens angebrochen sind".

Lufthansa verwies auf die bereits gezahlte Entschädigung von 25.000 Euro an die Angehörigen. Außerdem sei ihnen bei einer Informationsveranstaltungen des französischen "Bureau d‘Enquêtes et d’Analyses pour la securité de l’aviation civile" (BEA), klar gemacht worden, wie sich der Absturz darstellte und dass der Sinkflug von den Passagieren laut Experten als normal empfunden worden sei

Die Schmerzensgeldklage über 25.000 Euro soll im Herbst 2019 am Landgericht Essen verhandelt werden. 

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