Aktuelle Studie Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in Deutschland? Erst in 108 Jahren!

Die aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums zum Thema Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ergab, dass der Fortschritt weiterhin stagniert – weltweit und in Deutschland. 

Inhalt
  1. Global Gender Gap Report: Die Studie der WEF
  2. Gleichberechtigung in Deutschland
  3. Wie lange dauert es noch bis zur endgültigen Gleichberechtigung?

Seit 2006 legt das Weltwirtschaftsforum (WEF) eine Studie zur Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern vor. In diesem Jahr setzt sich ein deprimierender Trend fort: Die Gleichberechtigung kommt kaum voran – weder weltweit noch in Deutschland

 

Global Gender Gap Report: Die Studie der WEF

Die Experten des Weltwirtschaftsforums untersuchten für den Global Gender Gap Report 2018 in diesem Jahr 149 Staaten in vier Bereichen
Wirtschaft
    •    Beschäftigungsanteil
    •    Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern (bei gleicher Tätigkeit)
    •    Einkommensverhältnis von Frauen zu Männern
    •    Anteile von Frauen und Männern in Führungspositionen
    •    Anteile von Frauen und Männern im Bereich Expertise und Technik
Bildung
    •    Geschlechterverhältnis in den Grundschulen
    •    Geschlechterverhältnis in der höheren Ausbildung (weiterführende Schulen, wie etwa Gymnasium, Real- und Hauptschule etc.)
    •    Geschlechterverhältnis in den Universitäten und Hochschulen
    •    Geschlechterverhältnis in Alphabetisierungsraten (Wie viele Mädchen / Jungen lernen Lesen und Schreiben?)
Gesundheit und Lebenserwartung
    •    Geschlechterverhältnis der Geborenen (u.a. Abtreibungsraten von Mädchen bzw. Jungen)
    •    Lebenserwartung (u.a. Gewährleistung der gesundheitlichen Versorgung)
Politik
    •    Anteile weiblicher / männlicher Parlamentarier
    •    Anteile weiblicher / männlicher Minister
    •    Anteile weiblicher / männlicher Staatschefs (in den vergangenen 50 Jahren)

Die Ergebnisse der Studie, die hier eingesehen werden kann, sind ernüchternd. Weltweit stagniert Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, in einigen Bereichen fand sogar ein Rückschritt statt. So sei die Kluft bei Gesundheit und Bildung zwischen Frauen und Männern größer geworden. Auch hätten in diesem Jahr weniger Frauen einen bezahlten Arbeitsplatz. Gründe dafür sehen die WEF-Experten vor allem in der Technologisierung: Zum einen würden moderne Roboter in der Regel Jobs besetzen, die traditionell von Frauen ausgeübt werden; und zum anderen sind Frauen in den so genannten MINT-Berufen immer noch unterrepräsentiert. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.  
Lediglich in im Bereich Wirtschaft sei die Chancengleichheit gestiegen. 

 

Gleichberechtigung in Deutschland

Deutschland liegt – leider – voll im weltweiten Trend. Auch hierzulande stagniert die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Der Frauenanteil im Parlament habe beispielsweise abgenommen und das Lohngefälle liegt durchschnittlich immer noch bei 51 Prozent. Zudem seien Frauen im Schnitt schlechter gebildet als Männer – und das, obwohl Deutschlands Schulen zuletzt für positive Nachrichten gesorgt hatten.
Im Staatenvergleich belegt Deutschland den 14. Platz und rutscht damit seit dem Vorjahr um zwei Plätze nach unten. Bei der ersten Studie 2006 belegte Deutschland noch Platz 5. 
Spitzenreiter ist zum zehnten Mal infolge Island, wo bereits 85,5 Prozent Gleichberechtigung herrscht. Aber auch hier kam es zu leichten Rückschritten, da Island im vergangenen Jahr noch 88 Prozent erreicht hatte. 
Auf Island folgen Norwegen, Schweden und Finnland sowie das mittelamerikanische Nicaragua und das ostafrikanische Ruanda. Die USA belegen Platz 51, während der Nahe Osten und Nordafrika die Schlusslichter bilden. 

 

Wie lange dauert es noch bis zur endgültigen Gleichberechtigung?

Basierend auf den gewonnenen Studien-Daten errechnet das WEF in jedem Jahr die Zeitspanne, die es voraussichtlich braucht, damit vollkommene Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern hergestellt wird. 2018 ist die Geschlechterkluft wie schon 2017 zu 68 Prozent geschlossen, heißt es – etwas weniger als in den Jahren 2016 und 2015 (68,3 bzw. 68,1 Prozent). Der derzeitige Stillstand muss also dringend überwunden werden. Geht es mit der Gleichberechtigung in diesem Tempo weiter, werden die Lücken wohl erst in 108 Jahren geschlossen – 2017 hatten die Experten noch auf 100 Jahre geschätzt. Die Gleichstellung am Arbeitsplatz dauert indes noch länger, weil hier die (weltweiten) Lücken besonders groß sind: 202 Jahre. 

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