Global Gender Gap Report 2017Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern wird erst im Jahr 2234 erreicht

Die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern stockt, wie das Weltwirtschaftsforum (WEF) im Global Gender Gap Report 2017 meldet.

Inhalt
  1. 144 Staaten im Global Gender Gap Report 2017
  2. Deutschland auf Platz 12 der gleichberechtigten Länder
  3. Deutsche Politik von Männern dominiert - trotz Bundeskanzlerin Merkel
  4. Deutschland im Überblick
  5. Die 25 fortschrittlichsten Staaten in puncto Gleichberechtigung:
  6. Die 25 ungerechtesten Staaten bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter:
  7. Global Gender Gap nach Regionen
  8. Noch 100 Jahre bis zur weltweiten Gleichstellung von Frauen und Männern
  9. Ungleichheit schwächt Wirtschaft um viele Milliarden Euro

Das Weltwirtschaftsforum findet jährlich in Davos (Schweiz) statt. Hier treffen sich Politiker, Wirtschaftsexperten, Journalisten und Intellektuelle, um über international relevante Themen aus den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft zu diskutieren.

 

144 Staaten im Global Gender Gap Report 2017

Dieses Jahr (vom 17. bis zum 20. Januar) fand das Davos-Treffen zum 47. Mal statt. Ein bedeutendes Thema, das seit 2006 beim Davos-Treffen zur Sprache kommt: die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern.

Nun wurde der zugehörige Bericht veröffentlicht: der Global Gender Gap Report 2017 (hier geht's zum vollständigen Bericht). Darin wird die Gleichstellung der Geschlechter in insgesamt 144 Staaten (von 195 Staaten weltweit) im Hinblick auf die Bildung, Gesundheit, Politik und Wirtschaft ins Visier genommen. Genauer:

Gleichberechtigung in der Wirtschaft

  • Beschäftigungsanteil
  • Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern (bei gleicher Tätigkeit)
  • Einkommensverhältnis von Frauen zu Männern
  • Anteile von Frauen und Männern in Führungspositionen
  • Anteile von Frauen und Männern im Bereich Expertise und Technik

Gleichberechtigung in der Bildung

  • Geschlechterverhältnis in den Grundschulen
  • Geschlechterverhältnis in der höheren Ausbildung (weiterführende Schulen, wie etwa Gymnasium, Real- und Hauptschule etc.)
  • Geschlechterverhältnis in den Universitäten und Hochschulen
  • Geschlechterverhältnis in Alphabetisierungsraten (Wie viele Mädchen / Jungen lernen Lesen und Schreiben?)

Gleichberechtigung in Gesundheit und Lebenserwartung

  • Geschlechterverhältnis der Geborenen (u.a. Abtreibungsraten von Mädchen bzw. Jungen)
  • Lebenserwartung (u.a. Gewährleistung der gesundheitlichen Versorgung)

Gleichberechtigung in der Politik

  • Anteile weiblicher / männlicher Parlamentarier
  • Anteile weiblicher / männlicher Minister
  • Anteile weiblicher / männlicher Staatschefs (in den vergangenen 50 Jahren)

Aus den einzelnen Berechnungen ergibt sich ein Index, der die Entwicklung der Gleichberechtigung in den einzelnen Staaten darstellt.

Das schockierende Ergebnis aus dem aktuellen Global Gender Gap Report: Der Abstand zwischen den Geschlechtern hat sich weltweit vergrößert - zum ersten Mal seit elf Jahren.

 

Deutschland auf Platz 12 der gleichberechtigten Länder

Deutschland liegt beim Ranking immerhin auf Platz 12. Das heißt aber auch: Über 22 Prozent der Kluft zwischen Frauen und Männern in Deutschland ist noch nicht geschlossen. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 war Deutschland noch auf Platz 4 der gleichberechtigten Staaten.

Wenig überraschend: In den Bereichen Bildung und Gesundheit erzielt Deutschland sehr gute Werte, was die Gleichberechtigung angeht. Hierzulande werden Mädchen und Jungs eingeschult, haben junge Frauen und Männer gleiche Chancen auf ein Studium oder eine Ausbildung.

 

Deutsche Politik von Männern dominiert - trotz Bundeskanzlerin Merkel

Kritischer sieht es dagegen in den Bereichen Politik und Wirtschaft aus. In der deutschen Politik ist die Geschlechterkluft nur zu 45 Prozent geschlossen. Somit dominieren hier ausdrücklich Männer. Im Wirtschaftsbereich ist die Geschlechterkluft zu 72 Prozent geschlossen. Hierfür sind vor allem die gravierenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern (bei ähnlicher Arbeit) verantwortlich. Auch der Frauenmangel in Führungspositionen (wie etwa in Aufsichtsräten großer Unternehmen) lassen die Kluft wachsen.

 

Deutschland im Überblick

Schaut man bei Deutschland genauer hin, liegt das Land in den einzelnen vier Themenbereichen weltweit auf folgenden Plätzen:

  • Wirtschaft: Platz 43 (2006 noch auf Platz 32)
  • Bildung: Platz 98 (2006 noch auf Platz 31)
  • Gesundheit: Platz 70 (2006 noch auf Platz 36)
  • Politik: Platz 10 (2006 noch auf Platz 6)
Global Gender Gap Report 2017: Deutschland
So setzen sich die Ergebnisse der vier Themenbereiche des Gleichstellungsreports in Deutschland zusammen
Foto: Screenshot / Global Gender Gap Report 2017: Deutschland
 

Betrachtet man alle Themengebiete zusammen, ergibt sich folgendes weltweites Ranking unter den 144 teilnehmenden Staaten:

 

Die 25 fortschrittlichsten Staaten in puncto Gleichberechtigung:

  1. Island (auch Nummer 1 im Bereich Politik)
  2. Norwegen
  3. Finnland
  4. Ruanda (hier besteht 61 % des Parlaments aus Frauen - somit der höchste parlamentarische Frauenanteil der Welt)
  5. Schweden
  6. Nicaragua (Zentralamerika)
  7. Slowenien
  8. Irland
  9. Neuseeland
  10. Philippinen
  11. Frankreich
  12. Deutschland (im westeuropäischen Vergleich auf Platz 7)
  13. Namibia
  14. Dänemark
  15. Großbritannien
  16. Kanada
  17. Bolivien
  18. Bulgarien
  19. Südafrika
  20. Lettland
  21. Schweiz
  22. Burundi
  23. Barbados
  24. Spanien
  25. Kuba

In Island liegt die Geschlechterkluft bei lediglich 12 % - somit ist sie um 10 % geringer als in Deutschland. Belgien schaffte es nur auf Platz 31, die Niederlande auf Platz 32 und Portugal auf Platz 33. Polen ist auf Platz 39 gelandet, die USA auf Platz 49. Österreich liegt erst auf Platz 57, Luxemburg auf Platz 59, Russland auf Platz 71, Griechenland auf Platz 78, Italien auf Platz 82, Zypern auf Platz 92 und Malta auf Platz 93.

Frankreich und Kanada  haben sich übrigens verbessert - dank ihrer Präsidenten Justin Trudeau und Emmanuel Macron, die mehr Ministerien mit Frauen besetzt haben als ihre Vorgänger. Auch Großbritannien kletterte auf Platz 15 dank Theresa May.

 

Die 25 ungerechtesten Staaten bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter:

  1. Jemen (Platz 144)
  2. Pakistan (143)
  3. Syrien
  4. Tschad (Zentralafrika)
  5. Iran
  6. Mali
  7. Saudi Arabien
  8. Libanon
  9. Marokko
  10. Jordan
  11. Ägypten
  12. Elfenbeinküste
  13. Mauretanien
  14. Türkei
  15. Katar
  16. Kuwait
  17. Osttimor (Asien)
  18. Algerien
  19. Bahrain
  20. Fiji
  21. Bhutan
  22. Angola
  23. Nigeria
  24. Burkina Faso
  25. Vereinigte Arabische Emirate

Jemen schneidet im internationalen Vergleich am schlechtesten ab: Hier herrscht eine Geschlechter-Kluft von 48 %. Die Türkei liegt auf Platz 131 - und ist somit das vierzehntschlechteste Land beim Thema Gleichberechtigung.

Auf Platz 103 liegt Ungarn, Platz 108 belegt Indien und gerade auf Platz 114 schafft es Japan.

 

Global Gender Gap nach Regionen

  1. Westeuropa: durchschnittliche Geschlechterkluft beträgt 25 %
  2. Nordamerika: 28 %
  3. Osteuropa & Zentralasien: 29 %
  4. Lateinamerika & Karibik: 30 %
  5. Ostasien & Pazifik: 32 %
  6. Sahelzone von Afrika (Subsahara): 32 %
  7. Südasien: 34 %
  8. Mittlerer Osten und Nordafrika: 40 %
     

    Noch 100 Jahre bis zur weltweiten Gleichstellung von Frauen und Männern

    Würde man die jetzige Geschwindigkeit zur Gleichberechtigung beibehalten, würde es den Berechnungen zufolge durchschnittlich noch 100 Jahre dauern, bis weltweit Frauen und Männer gleichgestellt sind. Im Bericht aus dem Jahr 2016 waren es nur noch 83 Jahre - ein gravierender Rückschritt.

    Berechnete man den Durchschnitt nur in Westeuropa, wird es - Stand 2016, s. Video - noch 61 Jahre dauern, bis die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern erreicht ist. In Nordamerika sind es dagegen noch 168 Jahre bis zum Ziel. Mit den diesjährigen Ergebnissen des Gender Gap Reports ist das Ziel der Gleichberechtigung noch weiter in die Ferne gerückt.

    Doch warum ist das so? Der Bericht begründet in der Analyse: Frauen verrichten weltweit mehr unbezahlte Arbeit als Männer oder arbeiten nur in Teilzeit. Zudem arbeiten öfter Frauen als Männer in schlecht bezahlten Jobs.

     

    Ungleichheit schwächt Wirtschaft um viele Milliarden Euro

    Schaut man nur auf den Wirtschaftsbereich, sind es dagegen noch 217 Jahre, in denen wir in einer ungleichen Welt leben müssen. "Gleichberechtigung ist eine moralische und ökonomische Notwendigkeit", betont WEF-Expertin Saadia Zahidi, die gemeinsam mit Till Alexander Leopold und Vesselina Ratcheva den Report erstellt hat. Für Deutschland bedeutet es nämlich: Wären Frauen und Männer gleichberechtigt, würde die Wirtschaftsleistung um satte 300 Milliarden Dollar (!) steigen. In den USA sogar um 1.750 Milliarden - also 1,75 Billion (!) - Dollar. China (Platz 100) macht wegen der Geschlechterungleichheit sogar einen Verlust von 2,5 Billionen Dollar (also 2.500 Milliarden Dollar).

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    Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern wird erst in 217 Jahren erreicht
    Wirkliche Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist laut dem Weltwirtschaftsforum noch lange nicht erreicht
    Foto: iStock

    (ww7)

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