GesundheitGlutenverzicht für Gesunde ungesund

Gluten-Verzicht ist ungesund bei Gesunden
In einigen Getreidearten kommt das Klebereiweiß Gluten vor. Nur etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung leiden tatsächlich an einer Unverträglichkeit
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Wer gesund ist und auf Gluten verzichtet, gefährdet womöglich seine Gesundheit. Vor allem das Herz, die Darmflora und der Blutzuckerspiegel können unter glutenfreier Kost leiden.

Wer sich heute glutenfrei ernährt, folgt häufig nicht etwa dem Ratschlag seines Arztes, sondern einem Trend: Gluten ist out. Schließlich propagieren zahlreiche Ernährungsexperten, dass Gluten dick mache und ungesund sei.

Eine neue Studie des US-amerikanischen Columbia University Medical Center und des Massachusetts General Hospital/Harvard Medical School zeigt nun aber: Wer auf glutenreiche Produkte verzichtet, obwohl er nicht an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) leidet, hat keinerlei gesundheitliche Vorteile davon. Ganz im Gegenteil: Die Wissenschaftler kamen sogar zu dem Ergebnis, dass gesunde Menschen sogar Nachteile vom Glutenverzicht davontragen.

In der Studie wurden über 24 Jahre lang Ernährungs- und Gesundheitsdaten von rund 110.000 Personen gesammelt und ausgewertet (alle 4 Jahre). Die Studienteilnehmer wurden in fünf Gruppen eingeteilt, je nachdem, wie viel Gluten sie regelmäßig zu sich nahmen.

 

Vollkornprodukte enthalten gesunde Vitamine und Ballaststoffe

Der Grund: Wer sich komplett glutenfrei ernähren möchte, verzichtet gleichzeitig auf zahlreiche Vollkornprodukte - schließlich kommt das Klebereiweiß in Getreide wie Dinkel, Weizen, Emmer und Hartweizen vor. Auch Roggen, Hafer und Gerste enthalten Gluten, wenn auch in geringer Menge. Allerdings sind gerade Vollkornprodukte sehr gesund: sie schützen nachweislich die Herzgesundheit (durch die enthaltenen B-Vitamine), fördern die Darmtätigkeit (durch die Ballaststoffe) und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Zudem vermuten Forscher, dass die in Vollkornprodukten enthaltenen Polyamine der Altersdemenz vorbeugen können.

Vor allem für Kinder kann eine glutenfreie Ernährung Nachteile haben - wie auch andere Einschränkungen von Lebensmitteln. Martin Raithel, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), sagt gegenüber Spiegel Online: "Kinder sollten wirklich von allem etwas essen, auch Fleisch und geringe Mengen Zucker. Denn mit jeder Einschränkung von Lebensmitteln verkleinert sich die Vielfalt der Darmflora. Und das ist wiederum ein Risikofaktor für die Entstehung von vielen Erkrankungen."

 

Pseudogetreide kann "echtes" Getreide ersetzen

Für Menschen mit Zöliakie ist Gluten selbstverständlich schädlich. Allerdings sind nach Angaben der DGVS lediglich zwei bis drei Prozent der Deutschen tatsächlich von der Krankheit betroffen. Wer das Klebereiweiß nicht verträgt, leidet an einer chronisch entzündeten Dünndarmschleimhaut, die (noch) nicht ursächlich behandelt werden kann. Typische Symptome von Zöliakie sind etwa Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Depressionen. Wer an dieser seltenen Krankheit leidet, muss auf glutenfreie Getreidearten wie etwa Mais, Reis oder Hirse (Teff) sowie Pseudogetreide wie Amaranth, Buchweizen oder Quinoa zurückgreifen.

 

(ww7)

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