Größen-RevolutionGuido Maria Kretschmer im Interview: „Fühle dich doch einfach wohl, egal, ob du gerade Größe 48 hast, denn das ist in Ordnung“

Für die Herbst-/Wintersaison 2018 hat sich Guido Maria Kretschmer mit Otto zusammengetan und unter dem Motto „Size Revolution“ eine Curvy-Kollektion designt. Im Interview mit Wunderweib spricht Deutschlands Lieblingsdesigner über Vielfalt und darüber, warum Plus-Size- und Curvy-Kollektionen so wichtig sind.

Das was da ist, soll gut verpackt werden: Guido Maria Kretschmer steht wie kein anderer Designer dafür, dass tolles Aussehen und sich wohl und schön fühlen nichts mit Kleidergrößen zu tun hat. Fünf Tage die Woche macht er in seiner Sendung Shopping Queen Komplimente, kritisiert liebevoll und gibt Tipps, die sich nicht nur die Kandidatinnen zu Herzen nehmen. „Das tut nichts für dich“ ist dabei wohl eine der häufigsten und gleichzeitig wichtigsten Aussagen, denn Mode soll etwas für uns tun – sie soll uns gut aussehen und uns wohl fühlen lassen und zwar mit jeder Kurve und jeder Einzigartigkeit, die wir haben.

 

Guido Maria Kretschmer im Interview

Lieber Guido, die neue Curvy Kollektion wurde unter dem Motto „Size Revolution“ präsentiert, warum haben Sie dieses Motto für die Kollektion gewählt? Warum brauchen wir überhaupt eine „Size Revolution“?

Ich glaube, dass es wichtig ist, eine Bewegung zu schaffen, in der Frauen sich in ihren Größen, egal in welchen, auch in größeren Größen, wohl fühlen – und zwar in dem Stadium, in dem sie sich gerade befinden. Das ist sozusagen die Message: Fühle dich doch einfach wohl, egal, ob du gerade Größe 48 hast, denn das ist in Ordnung - völlig klar, dass du eine 44 oder 46 tragen möchtest, aber selbst wenn es eine 50 wird, auch dann muss Mode da sein, die Frauen die Chance gibt, sich gut und wohl zu fühlen, Punkt. Und genau diese Mode habe ich mit meiner Curvy Collection zusammen mit OTTO kreiert. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft merkt - also auch die, die eben nicht „Plus“ sind - das „Plus“ einfach dazugehört. Vielfalt ist wichtiger denn je.

Können Sie mit Ihren Curvy-Kollektion etwas für ein offeneres Schönheitsideal und für ein positiveres Körperverständnis bewirken?

Auf jeden Fall, Mode war schon immer, dass wir häkeln, Mode ist der Stock, an dem man sich festhalten kann und mit dem man gut durchs Leben kommt.  Das Allerwichtigste ist, dass man Vertrauen zu dem, was man trägt, hat und man sich gut präsentiert fühlt. Genau deswegen sind wir Designer die besten Partner für ein selbstbestimmtes Leben, egal für welche Frau.  

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Finden Sie die Kategorie „Curvy“ bzw. „Plus-Size“ ist notwendig, um unterschiedlichen Körpertypen gerecht zu werden oder sollten derartige Sonderkategorien abgeschafft werden?

Ich denke, dass „curvy“ einfach eine Bezeichnung ist, damit Frauen, die Plus sind, auch ihre Sachen finden, eine Kennzeichnung quasi. Deshalb ist es auch notwendig, eine Kollektion zu entwerfen, die eben größere Größen hat, weil sie eben anders proportioniert sind, eben genau so wie meine #sizerevolution Kollektion mit OTTO: Die hat eine eigene Sprache, auch in den größeren Größen, denn man soll sie mit Stolz tragen! Daher ist es für mich völlig ok, das Plus zu nennen oder Übergröße, Große Größe oder Curvy, denn das ist eine Bezeichnung für Frauen, die es völlig verdient haben, eine eigene Kollektion zu bekommen.

Guido Maria Kretschmer erklärt im Interview, was bei Curvy und Plus-Size wirklich wichtig ist.
Foto: Getty Images / Sebastian Reuter

Kaschieren oder betonen: Was soll Ihre Mode für Kurvige tun?

Die Teile meiner OTTO - Kollektion sollen sicher beides tun: Sie müssen auf jeden Fall optimieren, das ist für mich das Allerwichtigste. Dann können sie nebenbei auch kaschieren und gerne auch noch schmeicheln, aber die wichtigste Message ist, das, was da ist, gut zu verpacken.

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Die Kollektion ist gemacht, um darin zu leben: Wie zeigt sich das bei den Stücken der Kollektion, bei den Materialien und der Verarbeitung?

Das sind einfach gute Qualitäten, die über das ganze Jahr gut funktionieren und auch angenehm auf der Haut sind, gut und anständig verarbeitet und produziert wurden, so wie man es von OTTO halt kennt. Ganz wichtig ist natürlich auch die Bequemlichkeit im Material, das bedeutet eine gute Komposition an Mischungen - das macht für mich ein gutes Kleidungsstück aus.

Das Kleid sitzt nicht perfekt oder der Saum ist zu lang: Zurückschicken oder…? 

Das was jeder Mensch machen muss, und jetzt kommt eine ganz wichtige Message, bitte gut aufpassen: Es ist nicht jeder gleich und du kannst durch das Zurückschicken nicht optimieren. Du musst manchmal auch einen Schneider haben. Es gibt immer einen tollen Schneider um die Ecke, der hier mal ein bisschen kürzt, der es dir ein weniger eng macht, ein bisschen was an einer Stelle nimmt, weil du gerade an dieser Stelle ein bisschen weniger hast. Immer mal wieder schauen, wo ein guter Schneider ist, denn jede hat einen guten Hausarzt, einen guten Zahnarzt, einen guten Gynäkologen, und so braucht jede Frau auch einen guten Schneider, der für wenig Geld deine Kleidungsstücke optimiert. Dann würden viele Menschen nichts mehr zurückschicken und viel Energie würde gespart werden, und zudem wäre die Ökobilanz von jedem viel besser. Außerdem sorgt man für Arbeitsplätze, und ist es nicht toll, beim Schneider vor einem Spiegel zu stehen und zu sehen „jetzt ist es perfekt“?! Genau das kann Mode von der Stange schwierig erlebbar machen, und genau deshalb gab es früher Couture - Herzlich Willkommen in der Realität (lacht).

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