Gewalt in der BeziehungHäusliche Gewalt nimmt zu: Alle drei Tage stirbt eine Frau

Häusliche Gewalt nimmt zu. Das zeigen aktuelle Zahlen. Ausgerechnet die Beziehung birgt eine der größten Gefahren für eine Frau – und die Bedrohung wird unterschätzt.

Inhalt
  1. Häusliche Gewalt ist keine Ausnahme
  2. Warum erscheint einem häusliche Gewalt so weit weg?
  3. Hinschauen statt wegschauen

Drei Tage, eine Leiche. Manchmal sind es auch nur zwei Tage, die zwischen einer toten Frau und der nächsten liegen. Das sind keine Zahlen aus einem Krisengebiet, auch nicht aus einem sozialen Brennpunkt. Sondern einfach irgendwo aus Deutschland, vielleicht sogar von nebenan. Getötet nicht durch Fremde, sondern von Menschen, die sie einst liebten, es vielleicht zu ihrem Todeszeitpunkt noch taten.

Das belegen Zahlen, die Familienministerin Franziska Giffey diese Woche in Berlin vorstellte. Laut der Statistik des Bundeskriminaltamts zu Partnerschaftssgewalt sind im Jahr 2017 147 weibliche Todesfälle in Beziehungen oder Ex-Partnerschaften vermerkt worden. Konkret heißt das: Alle zwei bis drei Tage verlor eine Frau in Deutschland ihr Leben an eine (ehemalige) Liebe. 

Die 147 verstorbenen Frauen sind Extremfälle. Man könnte aber auch so sehen, dass die 113.95 anderen Frauen, die 2017 in Deutschland von ihrem (Ex-)Partner misshandelt oder bedroht wurden, schlichtweg Glück hatten. 

 

Häusliche Gewalt ist keine Ausnahme

Insgesamt wurden 2017 knapp 140.000 Menschen von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt oder bedroht. Davon waren 113.965 weiblichen Geschlechts. Das sind knapp 5.000 Frauen mehr als im Vorjahr. Die Zahlen zeigen deutlich: Häusliche Gewalt nimmt zu. Und keiner merkt es.

Denn nicht jedes Opfer meldet eine Tat. Die Hemmschwelle, zur Polizei zu gehen, ist deutlich höher, wenn der Mensch, den man anzeigt, der ist, der einem einst am nähesten stand - oder es sogar noch tut. Das Zuhause sollte ein sicherer Ort sein, der Partner ein Mensch, zu dem man gerne nachhause kommt. Giffey schätzt die Dunkelziffer von Fällen von Gewalt in der Partnerschaft auf 80 Prozent. 

Bei einer Bevölkerung von 82,8 Millionen Menschen in Deutschland muss man also vermuten, dass jede 74. Frau häusliche Gewalt erleidet. Man geht davon aus, dass Menschen einen Bekanntenkreis von 150 Menschen haben - es ist also nicht unwahrscheinlich, dass du ein bis zwei Menschen kennst, die in ihrer (Ex-)Beziehung bedroht oder misshandelt werden. Diese Rechnung ist rein hypothetisch - aber sie verdeutlicht, dass Gewalt in der Partnerschaft nicht so weit weg ist, wie sie zunächst scheint. Sie findet statt. Und führte jeden zweiten bis dritten Tag zum Tod einer Frau.

 

Warum erscheint einem häusliche Gewalt so weit weg?

Wieso stoßen diese Zahlen auf so große Verwunderung?

Auch diese Reaktion ist mit der hohen Dunkelziffer zu erklären. Über Probleme spricht man nicht gern, über Gewalt in der Beziehung noch weniger. Zu viele Frauen suchen die Schuld bei sich selbst - oder haben schlichtweg Angst, sich einzugestehen, dass ihr (Ex-)Partner sich zu einer realen Gefahr entwickelt hat. Es ist nicht normal, von seinem Partner misshandelt zu werden.  

 

Hinschauen statt wegschauen

Männer möchte ich an dieser Stelle weder ausschließen noch verteufeln - 18 Prozent der rund 140.000 Fälle von Partnerschaftsgewalt sind männlich, nur sind die anderen 82 Prozent nun einmal weiblich. Für beide Geschlechter gilt: Wenn Liebe in Gewalt übergeht, ist die Scham der Betroffenen meist hoch, bei Männern vielleicht sogar noch höher. Umso wichtiger ist es, über die Ergebnisse der Statistik des BKA zu sprechen. Heute, morgen, jeden Tag.

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