JustizHamburg: Mann ersticht seine Freundin - und ist jetzt auf freiem Fuß

Reno G. soll vor zwei Jahren seine Freundin mit einem Messerstich getötet haben. Im Juni wurde der 51-Jährige dafür wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Jetzt kommt er wieder frei.

Er gilt als hoch verdächtig, seine 47-jährige Freundin im Mai 2016 im Hamburger Stadtteil Barmbek durch einen Messerstich ins Herz getötet zu haben. Nun beschloss das Oberlandgericht Reno G. nach 17 Monaten in Untersuchungshaft wieder frei zu lassen. Der Grund: Die Justiz ist überbelastet, der Prozess verbummelt worden. Laut Rechtsprechung darf eine U-Haft nicht länger dauern, als es nötig ist. "Nach Auffassung des 2. Strafsenats des OLG sind im bisherigen Verfahren solche Verzögerungen eingetreten, die es unverhältnismäßig machen, dass der Angeklagte weiter in Untersuchungshaft bleiben muss", sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen zum Hamburger Abendblatt. "Die zuständige Kammer hatte neben dem Verfahren gegen den 51-Jährigen im selben Zeitraum fünf weitere Verfahren, davon in vier Haftsachen, zu verhandeln."

Hamburg: Mann erschlägt seine Freundin - und ist jetzt auf freiem Fuß
Reno G. ist trotz des Vorwurfs seine Freundin getötet zu haben wieder frei. 
Foto: iStock
 

Mutmaßlicher Mörder auf freiem Fuß - wegen Justizüberlastung

Die Landgerichtspräsidentin Sibylle Umlauf kann die Entscheidung des Oberlandesgerichts nicht nachvollziehen und hält die Entscheidung "auch bei unzureichender Personalausstattung des Landgerichts" für "schwer nachvollziehbar." 

Reno G. ist ein freier Mann. Zwar beteuerte er seine Unschuld, habe die Frau "über alles geliebt und nicht getötet", räumte aber ein, die Leiche in einem Koffer versteckt zu haben. Ein Schwurgericht entschied am Ende des achtmonatigen Prozesses, dass der gebürtige Rostocker schuldig sei und verhängte acht Jahre Freiheitsstrafe. Weil die Verteidigung Revision einlegte, ist die Entscheidung bis heute nicht rechtskräftig. Reno G. legte Beschwerde ein, weiterhin in Untersuchungshaft zu sitzen - dem wurde stattgegeben.

Der Fall ist nicht ungewöhnlich: Vor zwei Jahren kamen zwei Männer aus Untersuchungshaft frei, obwohl sie wegen Totschlags verurteilt worden waren. Ihr Urteil war ebenfalls noch nicht rechtskräftig gewesen, eine weitere U-Haft wegen möglicher Vermeidung der Verfahrensverzögerung unverhältnismäßig. 

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