UrteilHamburg: Mutter ließ Kind fast ertrinken - Gericht verhängt Geldstrafe

Eine Mutter ist in Hamburg zu einer Geldstrafe wegen Verletzung der Fürsorgepflicht​ verurteilt worden. Ihre Tochter ertrank fast am Beckenboden eines Schwimmbades.

Die Mutter einer Fünfjährigen ist zu einer Geldstrafe auf Bewährung von 900 Euro verurteilt worden. Das entschied ein Hamburger Gericht Mitte März. Die 33-Jährige hatte telefoniert, als ihre Tochter am Beckenboden trieb. Der Bademeister rettete dem Mädchen das Leben.

 

Mutter telefonierte während Kind ertrank

Am 17. Juli 2018 besuchte die 33-Jährige mit ihrer Tochter im Hamburger Stadtteil Blankenese ein Schwimmbad. Den Ermittlungen zufolge ließ die Mutter das Mädchen bei einer Freundin zurück. Die musste sich bereits um drei Kinder kümmern. Die Angeklagte ging telefonieren, um (so ihre Aussage) einer anderen Freundin den Weg zu erklären. Das Kind fiel in das Nichtschwimmerbecken und trieb leblos auf dem Boden. Der Bademeister entdeckte die Fünfjährige, deren Puls still war, und beatmete sie. Ein Rettungswagen brachte die Tochter ins Krankenhaus, wo sie noch drei Tage zur Beobachtung blieb. Sie sei wieder gesund, so die Mutter.

 

Staatsanwaltschaft: „Das ist Unachtsamkeit und Sorglosigkeit“

Die Mutter habe "nicht gewusst, dass so ein Unfall passieren kann“, erzählt sie im Prozess, den das Hamburger Abendblatt begleitet hat. „Sie wussten nicht, dass man im Wasser ertrinken kann?“, sagt die Staatsanwältin daraufhin. „Doch, schon, aber nicht an dem Tag“, so die Mutter. „Ich weiß nicht.“ 

Der Bademeister sagte im Zeugenstand, er habe die Mutter als "nachlässig" empfunden. Die Kinder seien Nebensache gewesen. Auch die Freundin der Angeklagten, die sich um das ertrunkene Mädchen kümmern sollte, soll sich mit ihrem Smartphone beschäftigt haben. Die Staatsanwältin sagte zum Verhalten der Mutter: „Das ist Unachtsamkeit und Sorglosigkeit.“ Wasser birge immer eine Gefahr. "Das ist absolut fahrlässig. Und dass Wasser gefährlich ist, weiß eigentlich jeder.“ Die Mutter sagte, sie sei so mitgenommen, dass sie ihre Kinder niemandem mehr anvertrauen könne. 

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