PädagogikHamburg: Schulkinder tragen Sandwesten zur Beruhigung

In insgesamt 13 Hamburger Schulen tragen Kinder mit Wahrnehmungsstörungen inzwischen Sandwesten. Der Grund: Das Tragen der Westen soll sie beruhigen.

Inhalt
  1. Lehrer und Schüler begeistert von den Sandwesten
  2. Hamburger Schulbehörde hält sich mit Urteil zurück
  3. Was genau sind Sandwesten?

Sie kippeln, zappeln herum und liegen vielleicht sogar mal während des Unterrichts unter dem Tisch: Für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen ist das Stillsitzen und Konzentrieren im Unterricht bisweilen eine große Herausforderung. Um ihnen dabei zu helfen, sich auf das Lernen konzentrieren zu können, werden in insgesamt 13 von 56 Hamburger Schulen mit dem Schwerpunkt Inklusion inzwischen Sandwesten eingesetzt. Sie sollen die Kinder durch phasenweises Tragen beruhigen.

 

Lehrer und Schüler begeistert von den Sandwesten

Gerhild de Wall, Sonderpädagogin und Leiterin der Abteilung Inklusion an der Schule Grumbrechtstraße im Hamburger Bezirk Harburg, ist von der Wirkung der Sandwesten überzeugt. Sie hatte von den Westen zum ersten Mal gehört, als sie in den USA unterrichtete und sich dann wieder zurück in Deutschland an ihrer Schule für die Anschaffung eines solchen Hilfsmittels eingesetzt. Wie Gerhild de Wall gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärt, lässt sich durch die Westen die "kognitive Leistungsfähigkeit" der Kinder steigern. 

Seit 2016 ist die Sandweste nun an der Schule Grumbrechtstraße im Einsatz - und das offenbar mit Erfolg. Jetzt sollen nämlich noch sieben weitere solcher Sandwesten bestellt werden. 

Ebenfalls von der Wirkung der Westen überzeugt ist auch Andrea Bonifacius, die Schulleiterin der Heinrich-Wolgast-Schule in St. Georg. Sie sagte auf Anfrage des Hamburger Abendblatts: "Ideal wäre, wenn wir für jede unserer 20 Klassen eine hätten. Immer griffbereit an einem Kleiderhaken."

Das Feedback der Kinder ist auch positiv. Wie eine Befragung unter Schülern gezeigt hat, fühlen sie sich mit den Sandwesten wohl und mögen die beruhigende Wirkung, die sie haben.

 

Hamburger Schulbehörde hält sich mit Urteil zurück

Zwar begrüßt die Hamburger Schulbehörde das Vorgehen der Schulen in einzelnen Fällen. Doch da es keine wissenschaftlichen Ergebnisse gibt, die die Wirkung der Westen untermauern könnten, hält man sich mit einer Beurteilung der Maßnahme zurück.

 

Was genau sind Sandwesten?

Die Therapiewesten sind gleichmäßig mit Sand gefüllt. Sie verteilen das Gewicht auf die unterschiedlichen Sensoren der Haut. Muskeln und Nerven werden so stimuliert. So wird nicht nur eine ruhigere, aufrechte Haltung gefördert. Die Kinder, die die Westen tragen, sollen außerdem ruhiger werden. So haben sie die Möglichkeit, sich richtig auf ihre Aufgaben in der Schule zu konzentrieren.

Die Sandwesten gibt es in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlich schwerem Gewicht. Die Westen des Anbieters Beluga gibt es beispielsweise in den Größen Mini, Medi, Maxi und Super max. Die Größen richten sich hier nach dem Taillenumfang des Kindes, das die Weste tragen soll. Sie wiegen zwischen 1,2 und 6 Kilogramm. 

In der Schule tragen die Kinder die Sandwesten maximal 30 Minuten pro Tag. Ansonsten könnte es nämlich sein, dass sie sich an die Wirkung gewöhnen. 

Für die positive, beruhigende Wirkung der Sandwesten spricht auf jeden Fall, dass auch Gewichtsdecken funktionieren. Sie werden zum Beispiel auch in Krankenhäusern eingesetzt, um Patienten ein leichteres Einschlafen zu ermöglichen. 
 

(ww8)

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