RTL2-Reportage„Hartz und herzlich“: Frauenpower trotz Hartz IV

Die RTL2-Reportage „Hartz und herzlich“ zeigt nicht nur traurige Schicksale, sondern auch Familien und Personen, die für ein besseres Leben kämpfen und weg von Hartz IV wollen.

In Rostocker Stadtteil Groß-Klein steht die Plattenbausieglung am Blockmacherring. Nur ein paar Kilometer vom Strand entfernt führen Menschen ein Leben am Rande der Gesellschaft in Armut. Über 350 Wohnungen gibt es hier. In einer davon lebt Hartz-IV-Empfängerin Franziska. Seit zwei Jahren ist sie arbeitslos. Franziska war selbstständige Vertrieblerin und hatte ein gutes Einkommen. Doch als sie keinen Kitaplatz für ihr erstes Kind bekam, musste sie ihren Job aufgeben. „Finanziell war das natürlich eine ganz große Umstellung. Von der Selbstständigkeit dann auf den sogenannten Regelbedarf von Hartz IV“, erklärt die zweifache Mutter. „Trotz all dem ist es halt möglich sich auch mit wenig Geld im Monat ein schönes Leben quasi zu machen und den Kindern auch was bieten zu können. Man muss es natürlich nur wollen.“

Das findet auch ihre beste Freundin „Wutzi“. Sie lebt seit elf Jahren im Block. Die 40-Jährige ist damals wegen ihrer Tochter Claudia nach Rostock gezogen. Der mittlerweile Teenager ist mit sechs Monaten unheilbar an Mukoviszidose erkrankt und muss regelmäßig nach Rostock ins Krankenhaus.

 

Menschen dritter Klasse?

Die 33-jährige Maria ist ebenfalls zweifache Mutter und die Dritte im Frauentrio. Sie sieht ihre Hartz-IV-Situation ernüchternd: „Ich fühl mich nicht als Mensch zweiter Klasse, sondern als Mensch dritter Klasse. Also man ist einfach noch ein Schritt weiter unten. Wenn ich das aus meiner Sicht sagen würde, glaub ich hier ist Endstation. Also es gibt wenig Perspektive.“ Franziska bringt die Situation der drei Mütter auf den Punkt. „Bei uns im Block gibt es ein Vorurteil: Die Frauen, die hier wohnen, die taugen nichts“, erklärt sie und findet: „Ich glaube man sollte hier im Block nicht wirklich jeden über einen Kamm scheren, sondern die Situation wirklich mal dem anpassen, was die Frauen eigentlich gerade durchmachen.“

Das trifft besonders auf das Leben von Franziskas bester Freundin zu. Weil sie sich um ihre Tochter kümmert, ist es „Wutzi“ nicht möglich, Vollzeit arbeiten zu gehen. Claudias Lebenserwartung liegt bei unter 30 Jahren. „Es gibt auch mal so Momente, wo man sich denkt: Scheiße, diese Krankheit möchte ich manchmal doch nicht haben“, erklärt das Mädchen tapfer den Kameras. Eigentlich möchte Claudia Kindergärtnerin werden. Doch durch ihre Krankheit ist das unmöglich. Die vielen Krankheitserreger, die die Kinder mitbringen könnten, würden sie vollkommen außer Gefecht werden. Ein kleiner Husten mutiert bei ihr schnell zu einer Lungenentzündung.

 

Endloser Zusammenhalt

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Claudia hat mit ihren 16 Jahren endlich die 40 Kilo Körpergewicht geknackt. Bei ihrer Krankheit ist das nicht selbstverständlich. „Bei uns ist das so Tradition, immer wenn Claudi auf der Waage eine Null erreicht, jetzt 40 Kilo, dann gibt es immer eine Sause“ erklärt ihre Mutter. Zur Feier des Tages versammeln sich alle Freunde vor dem Häuserblock und grillen zusammen.

Franziska, „Wutzi“ und Maria leben nicht freiwillig am Blockmacherring, doch sie versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sie verbringen den Großteil ihrer Freizeit zusammen und aus ihnen und ihren Kindern ist eine eingeschworene Gemeinschaft geworden, die zusammenhält.

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