UmweltschutzHawaii verbietet Sonnencreme: Warum wir in Deutschland auch keine mehr benutzen sollten

Der US-Bundesstaat Hawaii will ab 2021 Sonnenmilch verbieten. Ein darin enthaltener chemischer Stoff zerstört Korallenriffe. Warum das verherrend ist. Und was wir tun können.

Inhalt
  1. Darum sterben die Korallenriffe ab
  2. Der US-Bundesstaat Hawaii handelte jetzt: Sonnenmilch ist ab 2021 verboten
  3. Gibt es Alternativen zur herkömmlichen Sonnenmilch?

Leuchtende Farben, prachtvolle Fische - Korallenriffe sind ein faszinierendes und eines der ältesten Ökosysteme der Erde. Biologen nennen sie auch "Regenwälder der Meere". Doch seit Jahren gleichen sie in vielen Teilen der Welt immer mehr einem Friedhof: Sie sind ausgeblichen und abgestorben. Experten schätzen, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts keine Riffe mehr geben wird. Das würde zur Folge haben, dass eine Millionen Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren - und sterben könnten. Gleichzeitig verlieren wir unsere natürlichen Schutzwälle gegen Stürme und Überflutung.  

 

Darum sterben die Korallenriffe ab

Für das Absterben der Korallen gibt es zwei Gründe: Erhöhte Wassertemperatur aufgrund des Klimawandels und - was viele nicht wissen - Sonnenmilch. Wenn wir eingecremt ins Wasser gehen, landen jedes Jahr etwa 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer, davon etwa 4000 bis 6000 Tonnen in Korallenriffen, wie die US-amerikanische Meeresbehörde NOAA berichtet. Forscher fanden heraus, dass bereits zehn Mikroliter Creme pro Liter Meerwasser nach nur 96 Stunden viele Algen und schließlich auch die Korallen töten können.

In vielen der Cremes ist der Wirkstoff Benzophenon-3 (Oxybenzon) enthalten. Zwar haben die Hersteller reagiert und ihn weitestgehend ersetzt (allerdings, weil er hormonähnlich auf uns wirkt), doch die Alternative, Octocrylen, führt ebenfalls dazu, dass Korallen sterben. Der chemikalische Stoff wird nur schwer abgebaut und treibt auf der Meeresoberfläche. Die Korallen leben symbiotisch mit den Algen zusammen, sie schenken ihnen den nötigen Sauerstoff und die leuchtenden Farben. Heraus kommen Geisterkorallen, die keine Korallenbleiche mehr enthalten. Sie sind abgestorben. 

Dieses Foto zeigt den Unterschied:

 

Der US-Bundesstaat Hawaii handelte jetzt: Sonnenmilch ist ab 2021 verboten

Um dem dramatischen Korallensterben entgegenzuwirken, verabschiedete der US-Bundesstaat ein Gesetz, das keine Sonnenmilch aus chemischen Stoffen mehr erlaubt. Leider tritt die Regelung erst 2021 in Kraft. Hawaii ist besonders betroffen, jedes Jahr rund neun Millionen Menschen die Insel besuchen. Auch am mexikanischen Strand von Yucatán sind nur noch biologisch abbaubare Sonnencremes zugelassen. 

 

Gibt es Alternativen zur herkömmlichen Sonnenmilch?

Wie erwähnt, gibt es biologisch abbaubare Sonnencremes. Das Problem ist allerdings, dass sie kaum bis gar keinen UV-Filter aufweisen und uns demnach nicht vor den krebserregenden Sonnenstrahlen schützen. Cremes, die Oxybenzon und Octocrylen enthalten, schaffen das, sind aber auch für den Menschen umstritten: Sie sollen, wie bereits erwähnt, hormonähnlich wirken und sogar Hautkrebs fördern - es scheint also ein Teufelskreis zu sein.

Viele Hersteller setzen derzeit auf den Wirkstoff Titandioxid, doch auch dieser soll der Umwelt (aber immerhin nicht uns) schaden. Wissenschaftlicher arbeiten derzeit an der Kommerzialisierung von Rotalgen, denn sie sind ökologisch und weisen einen hohen UV-Filter aus. Bis sie in unseren Sonnencremes angekommen sind, kann es aber noch eine Weile dauern. Um das Korallensterben bis dahin zu stoppen, können wir nur zwei Dinge tun: Nicht baden - oder einen Neoprenanzug anziehen.

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